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28.Januar 2012: 40 Jahre Berufsverbot – Betroffene fordern: endlich Aufarbeitung und Rehabilitierung!
Vor 40 Jahren, am 28. Januar 1972, beschloss die
Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy
Brandt den sogenannten „Radikalenerlass”. Zur Abwehr angeblicher
Verfassungsfeinde sollten „ Personen, die nicht die Gewähr bieten,
jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten“,
aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten bzw. entlassen werden. Mithilfe
der „Regelanfrage“ wurden etwa 3,5 Millionen Bewerberinnen und Bewerber
vom „Verfassungsschutz“ auf ihre politische „Zuverlässigkeit“
durchleuchtet. In der Folge kam es zu 11 000 offiziellen
Berufsverbotsverfahren, 2 200 Disziplinarverfahren, 1 250 Ablehnungen
von Bewerbungen und 265 Entlassungen. Formell richtete sich der Erlass
gegen „Links- und Rechtsextremisten“, in der Praxis traf er vor allem
Linke: Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und anderer
sozialistischer und linker Gruppierungen, von Friedensinitiativen bis
hin zu SPD-nahen Studierendenorganisationen. Mit dem Kampfbegriff der
„Verfassungsfeindlichkeit“ wurden missliebige und systemkritische
Organisationen und Personen an den Rand der Legalität gerückt, wurde die
Ausübung von Grundrechten wie der Meinungs- und Organisationsfreiheit
bedroht und bestraft.
Der „Radikalenerlass“ führte zum faktischen Berufsverbot für Tausende
von Menschen, die als Lehrerinnen und Lehrer, in der Sozialarbeit, in
der Briefzustellung, als Lokführer oder in der Rechtspflege tätig waren
oder sich auf solche Berufe vorbereiteten und bewarben. Bis weit in die
80er Jahre vergiftete die staatlich betriebene Jagd auf vermeintliche
„Radikale“ das politische Klima. Der „Radikalenerlass“ diente der
Einschüchterung, nicht nur der aktiven Linken. Die existentielle
Bedrohung durch die Verweigerung des erlernten oder bereits ausgeübten
Berufes war eine Maßnahme der Unterdrückung außerparlamentarischer
Bewegungen insgesamt. Statt Zivilcourage wurde Duckmäusertum gefördert.
Erst Ende der 80er Jahre zogen sozialdemokratisch geführte
Landesregierungen die Konsequenz aus dem von Willy Brandt selbst
eingeräumten „Irrtum“ und schafften die entsprechenden Erlasse in ihren
Ländern ab. Einige der früher abgewiesenen Anwärterinnen und Anwärter
und zum Teil sogar aus dem Beamtenverhältnis Entlassenen wurden doch
noch übernommen, meist im Angestelltenverhältnis. Viele mussten sich
allerdings nach zermürbenden und jahrelangen Prozessen beruflich
anderweitig orientieren.
Heute gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das eine
Diskriminierung wegen politischer Überzeugungen verbietet. Damit wurde
eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt. Doch ein öffentliches
Eingeständnis, dass der „Radikalenerlass“ Unrecht war, unterblieb. Er
hat Tausenden von Menschen die berufliche Perspektive genommen und sie
in schwerwiegende Existenzprobleme gestürzt. Eine materielle, moralische
und politische Rehabilitierung der Betroffenen fand nicht statt.
Die Bedrohung durch den „Radikalenerlass“ gehört auch 2012 keineswegs
der Vergangenheit an: Im Jahr 2004 belegten die Bundesländer
Baden-Württemberg und Hessen den Heidelberger Realschullehrer Michael
Csaszkóczy mit Berufsverbot, weil er sich in antifaschistischen Gruppen
engagiert hatte. Erst 2007 wurde seine Ablehnung für den Schuldienst
durch die Gerichte endgültig für unrechtmäßig erklärt.
Trotzdem wird in Bayern von Bewerberinnen und Bewerbern für den
öffentlichen Dienst weiterhin formularmäßig die Distanzierung von
Organisationen verlangt, die vom „Verfassungsschutz“ als
„linksextremistisch“ diffamiert werden. Und eine sogenannte
„Extremismus“-Klausel, die sich auf die Ideologie und mehr als
fragwürdigen Einschätzungen des „Verfassungsschutzes“ stützt, bedroht
existenziell die wichtige Arbeit antifaschistischer, antirassistischer
und anderer demokratischer Projekte.
Eine politische Auseinandersetzung über die schwerwiegende
Beschädigung der demokratischen Kultur durch die Berufsverbotspolitik
steht bis heute aus. Sie ist dringlicher denn je. Unter dem Vorwand der
Bekämpfung des Terrorismus werden wesentliche demokratische Rechte
eingeschränkt. Die in den letzten Monaten des Jahres 2011 zu Tage
getretenen „Verfassungsschutz“-Skandale haben gezeigt, wie tief der
Inlandsgeheimdienst ideologisch und personell in die neonazistische
Szene verstrickt ist. Seit seiner Gründung im Jahr 1950 – unter
Beteiligung von NS-Verbrechern – hat der „Verfassungsschutz“ an der
Ausgrenzung, Einschüchterung und letztendlichen Kriminalisierung
antifaschistischer Politik und linker Opposition gearbeitet. Dieser
antidemokratische Geheimdienst ist nicht reformierbar, er muss
abgeschafft werden.
Der „Radikalenerlass“ und die ihn stützende Rechtssprechung bleiben
ein juristisches, politisches und menschliches Unrecht. Wir als damalige
Betroffene des „Radikalenerlasses“ fordern von den Verantwortlichen in
Verwaltung und Justiz, in Bund und Ländern unsere vollständige
Rehabilitierung. Die Bespitzelung kritischer politischer Opposition muss
ein Ende haben. Wir fordern die Herausgabe und Vernichtung der
„Verfassungsschutz“-Akten, wir verlangen die Aufhebung der
diskriminierenden Urteile und eine materielle Entschädigung der
Betroffenen.
Sigrid Altherr-König (Esslingen) – Michael Csaszkóczy Heidelberg) – Lothar Letsche (Weinstadt/Tübingen)
Klaus Lipps (Baden-Baden) – Werner Siebler (Freiburg)
Weitere UnterzeichnerInnen (aktueller Stand: 168 Unterschriften)
Hans Henning Adler (Oldenburg) – Eckhard Althaus (Dortmund) – Wolfgang Artelt (Kassel) – Frank Behrens (Bremerhaven) – Christel Berger (Italien) – Wolfgang Beutin (Köthel/Stormarn) – Norbert Birkwald (Mörfelden-Walldorf) – Gerhard Bitterwolf (Ebsdorfergrund-Dreihausen) – Volker Blaschke (Itzehoe) – Heinrich Blasenbrei-W. (Besigheim) – Jochen Böhme-Gingold (Melsungen) – Horst W. Blome (Stadt Altdorf) – Beate Bongard (Köln) – Dieter Bongartz (Köln) – Rutger Booss (Herdecke) – Bernhelm Booss-Bavnbek (Bronshoj DK) – Cornelia Booss-Ziegling (Hannover) – Sylvia Brecht (Düsseldorf) – Klaus Bregler (Heidelberg) – Hans Peter Brenner (Bonn) – Hubert Brieden (Neustadt) – Axel Brück (Gießen) – Gretel Bühler (Groß-Gerau) – Beate Büttner (München) – Christine Burian- Manske (Schwaig) – Sylvia Burkert (Düsseldorf) – Barbara Chaluppa (Grasellenbach) – Agnes Christ-Fiala (Bremen) – Irmgard Cipa (Bonn) – Volker Croon (Hannover) – Hildegard Daldrup (Schermbeck) – Harald Demetz (Coburg) – Ingelore Devendran (Sindelfingen) – Alfred Dreckmann (Hamburg) – Karl Otto Eckartsberg (Garbsen) – Thomas Eilers (Wiesbaden) – Ulrich Farin (Bramsche) – Bernd Fichtner (Hilchenbach) – Doris Fisch (Frankfurt) – Christine Fischer-Defoy (Berlin) – Sabina Fischer-Hampel (Stuttgart) – Ulrich Flamme (Hamburg) – Gerlinde Fronemann (Karlsruhe) – Reinhard Gebhardt (Mannheim) – Rolf Geffken (Hamburg) – Hinrich Genth (Hamburg) – Sigrid Genth (Hamburg) – Silvia Gingold (Kassel) – Bernd Göbel (Flensburg) – Karlfried Göllner (Schweinschied) – Berthold Goergens (Frankfurt) – Volker Götz (Düsseldorf) – Arno Grieger (Reinheim) – Gesa Groeneveld (Tübingen) – Theo Grünbaum (Nürnberg) – Wolf Dieter Gudopp von Behm (Frankfurt) – Rolf Günther (Hannover) – Hendrijk Guzzoni (Freiburg) – Holm Hagmann (Remscheid) – Ursula-Regine Hagmann-Teiner (Remscheid) – Georges Hallermayer (Sarreguemines) – Hans-Heinrich Hausdorf (Bad Salzuflen) – Else Heiermann (Duisburg) – Eduard Hertel (Bayreuth) – Dorothea Holleck (Kassel) – Inge Holzinger (Duisburg) – Ingo Hoppe (Heppenheim) – Martin Hornung (Heidelberg) – Hans Hoyer (Erlangen) – Uwe Hüttmann (Kalkar) – Siegfried Imholz (Fürth) – Ilse Jacob (Hamburg) – Thomas Jaitner (Köln) – Gerhard Jenders (Gummersbach) – Anne Kahn (Frankfurt) – Gisela Kehrer Bleicher(Tübingen) – Norbert Kißler (Köln) – Wolfgang Kohla (Eningen) – Hans Kolb (Weiden) – Friedrich Konrad (Altdorf) – Uwe Koopmann (Düsseldorf) – Dietmar Koschmieder (Berlin) – Dorothea Kröll (Kassel) – Joachim Kroll (Zernien) – Werner Krone (Darmstadt) – Gisela Krüger-Kuhlmann (Weitefeld) – Stefan Kühner (Karlsruhe) – Dieter Lachenmayer (Stuttgart) – Renate Kuhn (Bremen) – Heinz-Udo Lammers (Moormerland) – Burghard Lange (Flensburg) – Ursula Langellotti (Niefern-Äschelbronn) – Hans-Joachim Langmann (Marl) – Hans-Hartwig Lau (Werder) – Barbara Larisch (Bremen) – Manfred Lehner (Cadolzburg) – Angelika Lehndorf-Felsko (Köln) – Dagmar Lembeck (Garbsen) – Helmut Leonhardt (Winkelhaid bei Nürnberg) – Elke Leppin (z.Zt. in Brasilien) – Ewald Leppin (Hamburg) – Wolfgang Liß (Langenhagen) – Gerd Manecke (Bruchköbel) – Ulrike Marks (Varel) – Klaus Mausner (Stuttgart) – Wilhelm Meeger (Köln) – Jürgen Meier (Hildesheim) – Gudrun Melchior (Saarbrücken) – Volker Metzroth (Fürfeld) – Egon Momberger (Gießen) – Hans -Joachim Müller (Bad Zwischenahn) – Charlotte Nieß-Mache (Meerbusch) – Hans Norden (Hannover) – Heiko Pannemann (Oldenburg) – Udo Paulus (Hildesheim) – Eva Petermann (Bensheim) – Klaus Pilhofer (Schwabach) – Lothar Pollähne (Hannover) – Uwe Post (Hamburg) – Hildegard Proft (Troisdorf) – Angela Rauscher (Nürnberg) – Eveline Renell (Biebertal) – Jürgen Reuter (Braunschweig) – Hartmut Ring (Hamburg) – Roswitha Rockenbauch (Stuttgart) – Manfred Rößmann (Offenbach) – Susanne Rohde (Bonn) – Dieter Roth (Heidelberg) – Andreas Salomon (Kolbermoor) – Walter Schäfer (Hohenahr) -Uwe Scheer (Hamburg) – Ulrike Schmitz (Braunschweig) – Rolf Schön (Hannover) – Ingrid Scholz (Fürstenfeldbruck) – Klaus Seemann (Oldenburg) – Axel Seiderer (Frankfurt) – Norbert Ulgar Sembritzki (Neustadt a. Rübenberge) – Friedrich Sendelbeck (Nürnberg) – Wolfgang Simon (Erdmannhausen) – Peter Singer (Frechen) – Udo Spengler (Hamburg) – Gabriele Sprigath (München) – Hans Dietrich Springhorn (Hamburg) – Gustav Steffen (Hamburg) – Klaus Stein (Köln) – Harald Stierle (Heidelberg) – Magdalena Storm-Wahlich (Münster) – Till Srucksberg (Dortmund) – Heidrun von der Stück (Krefeld) – Irmela Tank (Eberbach) – Raimund Teismann (Brühl) – Ulli Thiel (Karlsruhe) – Jörg Trinogga (Potsdam) – Bernd Wagner (Freiburg) – Angelika Wahl (Frankfurt) – Ilse Weinzierl (Barcelona) – Klaus Weißmann (Bergisch-Gladbach) – Harald Werner (Bestensee) – Gerd Wernthaler (Lörrach) – Matthias Wietzer (Hannover) – Jane Zahn (Heidelberg) – Ewald Ziegler (Nürnberg)
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Treffen des Marxistischen Forum

Freitag, 18.11.2011
Die aktuelle Situation auf Kuba – ein Einschätzung zum Stand der kubanischen Revolution
Referat: Harry Grünberg, Vorsitzender Netzwerk Cuba
Karl-Liebknecht-Haus, Saal 1, 15.00 Uhr
Ablauf:
Das Treffen beginnt mit einer kurzen Erinnerung an unseren verstorbenen Genossen Uwe-Jens Heuer.
1. Referat
2. Diskussion zum Referat
3. Informationen aus dem Sprecherkreis
Über Eure Teilnahme freuen wir uns.
Mit sozialistischen Grüßen.
Sprecherkreis des MF
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Gemeinsamer Brief: Kommunistische Plattform und Marxistisches Forum
Marxistisches Forum Kommunistische Plattform
Offener Brief
An den Parteivorstand der Partei DIE LINKE
An die Redaktionskommission zum Parteiprogramm
Liebe Genossinnen und Genossen,
Nach einer Vielzahl von Diskussionen in der Kommunistischen Plattform
und im Marxistischen Forum möchten wir Euch Überlegungen zum seit dem
20. März 2010 vorliegenden Entwurf der Programmkommission mitteilen.
I. Zunächst einmal möchten wir betonen, dass wir der Grundlinie des
Programmentwurfs zustimmen. Das ist das Ergebnis aller Landeskonferenzen
der KPF, der Bundeskonferenzen vom 27.03. und 20.11.2010 sowie der
monatlichen Zusammenkünfte des Marxistischen Forums.
Des Weiteren haben wir die Erfahrung einer grundlegenden Zustimmung
zur Grundlinie des Entwurfs – besonders an der Parteibasis – in vielen
Veranstaltungen gemacht.
Darunter waren auch die gemeinsam von der KPF und dem Marxistischen Forum organisierten Podiumsdebatten
- »Links und Libertär?« mit Klaus Höpcke und Klaus Lederer am 08.09.2010
- »Brauchen wir rote Linien für Regierungsbeteiligungen?« mit Uwe
Hiksch, Stefan Ludwig, Thomas Nord und Dr. Arthur Pech am 12.11.2010
- »Für jeden Einzelfall eine neue Antwort?« mit Sahra Wagenknecht,
Stefan Liebich, Tobias Pflüger und Paul Schäfer am 19.01.2011.
Zusammenfassend stellen wir fest, dass wir hinter dem Inhalt des
Offenen Briefes vom 30.09.2010 stehen, den inzwischen 900 Personen
unterschrieben haben.
II. Nachfolgend einige kritische Hinweise zum Programmentwurf.
1. Änderungen zum Geschichtsteil sehen wir in folgende Richtungen:
- Im Zusammenhang mit dem II. Weltkrieg sollte darauf verwiesen
werden, dass es die Sowjetunion war, die die größten Opfer bei der
Zerschlagung des Faschismus erbrachte. Und das Potsdamer Abkommen ist
nicht zu vergessen.
- Zu den Positiv-Seiten der DDR sollte hinzugefügt werden, dass es in
ihr strukturellen Antifaschismus gab und in ihr das Prinzip »Von
deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen« Staatsraison war.
- Zu erwähnen wäre ebenfalls, dass die positiven Entwicklungen in der
DDR möglich wurden, trotz extrem widriger Umstände, unter denen sich
diese Entwicklung vollzog und dass diese Umstände zu den Ursachen für
unübersehbare Deformationen gehörten. Der Umgang mit der Geschichte ist
zugleich ein Umgang mit ungezählten Mitgliedern der Partei. Zählen
könnte man diejenigen, die uns verließen, weil sie
Geschichtsklitterungen auch innerhalb der Partei nicht mehr ertrugen.
Nun könnte man unterstellen, sie seien alle nur unbelehrbar und nicht
bereit, kritisch mit der Geschichte und der eigenen Biografie umzugehen.
Aber – so einfach ist das wirklich nicht. Es stimmt, was im
Programmentwurf steht: »Viele Ostdeutsche setzten sich nach 1945 für den
Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung und für ein friedliebendes,
antifaschistisches Deutschland ein … Zu den Erfahrungen der Menschen im
Osten Deutschlands zählen die Beseitigung von Arbeitslosigkeit und die
wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frauen, die weitgehende Überwindung
von Armut, ein umfassendes soziales Sicherungssystem, ein hohes Maß an
sozialer Chancengleichheit im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in
der Kultur.« Das wissen die Parteimitglieder im
Osten, das entspricht der Haltung sehr vieler und: Es geht – nicht nur,
aber nicht zuletzt – darum, dass unsere älteren Genossinnen und Genossen
ihren ganz persönlichen Anteil am sozialistischen Versuch auf deutschem
Boden haben. Es wäre ausgesprochen gut, diesen Sachverhalt nicht zu
ignorieren.
2. Wir lehnen die Verwendung des Begriffs »Nationalsozialismus«
prinzipiell ab. Das ist die von den Hitlerfaschisten, also von den Nazis
gewählte Selbstbenennung, um den Menschen, vor allem den Arbeitern
vorzumachen, man wolle Sozialismus, allerdings den nationalen, auf
keinen Fall einen internationalistischen. Der Begriff
Nationalsozialismus ist durch und durch verlogen, und Sozialisten
sollten ihn niemals verwenden, sondern den Begriff Faschismus.
Sollte der Begriff »deutscher Faschismus« partout nicht verwandt
werden, so kann vom »Aufstieg der Nazis«, von »Nazi-Barbarei«, von
»deutschen Nazis« etc. gesprochen werden. Der Begriff »Nazi« ist
hinlänglich abwertend und assoziiert ausschließlich Negatives.
3. Die Formulierung zum II. Weltkrieg »Die Barbarei und der
verbrecherische Krieg der deutschen Nationalsozialisten verheerten ganz
Europa« schlagen wir vor, durch folgende Formulierung zu ersetzen:
»Der ganz Europa verheerende Krieg des deutschen Imperialismus
kostete mehr als fünfzig Millionen Menschenleben. Historisch einmalig
waren die industriell betriebenen bestialischen Morde an sechs Millionen
Jüdinnen und Juden und an mehr als einer halben Million Sinti und Roma,
die hinter den deutschen Frontlinien stattfanden.«
4. Wir schlagen vor, die Formulierung »Die EU, deren große
friedenspolitische Leistung darin besteht, dass in der EU seit mehr als
einem halben Jahrhundert kein Krieg mehr geführt wurde, beteiligt sie
sich…« zu ersetzen durch:
»Wenngleich innerhalb der EU seit ihrer Gründung kein Krieg geführt wurde, beteiligt sie
sich …«
Mit solidarischen Grüßen,
Sprecherkreis des Marxistischen Forums
Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform
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Gregor Schirmer: Militäreinsätzen nicht zustimmen
Von Gregor Schirmer
aus: Neues Deutschland vom 02.08.2010
Artikel hier
Die Linkspartei definiert sich mit dem Programmentwurf als eine
radikal antimilitaristische politische Kraft. Es heißt dort: »Wir
fordern ein sofortiges Ende aller Kampfeinsätze der Bundeswehr. Dazu
gehören auch deutsche Beteiligungen an UN-mandatierten Militäreinsätzen
nach Kapitel VII der UN-Charta.«
Ich verstehe diesen Satz so: Der bewaffnete Einsatz deutscher
Soldaten wird nur zur individuellen und kollektiven Selbstverteidigung
akzeptiert. Ansonsten soll sich Deutschland aus allen militärischen
Konflikten heraushalten, aus Kriegen und aus bewaffneten
Auseinandersetzungen unterhalb der Kriegsschwelle, aus
zwischenstaatlichen Waffengängen wie aus Bürgerkriegen, aus NATO- oder
EU-geführten Militäreinsätzen wie aus UN-mandatierten militärischen
Maßnahmen. Deutschland soll seinen Beitrag zum Frieden und zur
internationalen Sicherheit mit zivilen politischen, diplomatischen,
ökonomischen, sozialen und kulturellen Mitteln leisten.
Eine solche politisch-pazifistische Haltung hat ihren historischen
Grund in der deutschen Verantwortung für das Völkergemetzel des Zweiten
Weltkriegs und für Auschwitz. Sie steht im Einklang mit den
Vereinbarungen der Antihitler-Koalition und hat das Grundgesetz auf
ihrer Seite, das den Einsatz der Bundeswehr nur zur Verteidigung
erlaubt. Völkerrechtlich ist eine militärische Abstinenz Deutschlands
durchaus zulässig. Weder die UNO-Charta noch der NATO-Pakt noch der
EU-Vertrag verpflichten Deutschland zum Waffendienst.
Ist diese Position lebensfremd, weil Deutschland politisch und
ökonomisch ein »global player« ist, der zwangsläufig auch militärisch
mitmischen muss? Oder ist sie deutsche Drückebergerei auf Kosten
anderer, die ihren Kopf hinhalten müssen? Oder ist sie eine Missachtung
solidarischer Verpflichtungen gegenüber Bündnispartnern, die eher mehr
militärisches Engagement der Bundesrepublik erwarten? Oder ist sie nur
eine fromme Utopie, an die man glauben kann oder auch nicht? Die
Linkspartei darf sich nach meiner Meinung auf solche Logiken nicht
einlassen. Gegen die Einwände wiegt viel schwerer die Erkenntnis, dass
mit militärischer Gewalt und Krieg keiner der Herausforderungen unseres
Jahrhunderts wirksam zu begegnen ist.
Ich verkenne nicht, dass der UNO-Sicherheitsrat nach Kapitel VII der
Charta das Recht hat, nach Feststellung einer Bedrohung oder eines
Bruchs des Friedens oder einer Angriffshandlung (Art. 39) als letztes
Mittel militärische Sanktionsmaßnahmen zu beschließen (Art. 42). Aber
die dafür notwendigen Streitkräfte wurden ihm nie zur Verfügung
gestellt, weder während des Kalten Krieges noch danach. Die dem Rat
übertragene Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der
internationalen Sicherheit (Art. 24) ist bei ihm in seiner
gegenwärtigen Verfasstheit nicht gut aufgehoben. Seine Zusammensetzung
widerspiegelt in keiner Weise die Staatenvielfalt der Gegenwart. Die
»Dritte Welt« ist vollkommen unterrepräsentiert. Das Vetorecht und die
ständige Mitgliedschaft von fünf Mächten ist nicht mehr zeitgemäß. Die
Praxis der Mandatierung von Kampfeinsätzen ist von eigensüchtigen
Interessen der Großmächte, vor allem der USA geleitet und selektiv. Der
Sicherheitsrat muss demokratisiert und handlungsfähig gemacht werden,
wenn seine Beschlüsse Akzeptanz erreichen sollen.
Michael Brie hat in seiner Auflistung diskussionswürdiger Fragen (ND
22.03.10) geschrieben, die Ablehnung von Kampfeinsätzen der Bundeswehr
einschließlich von militärischen Einsätzen nach Kapitel VII der
UN-Charta sei »weitgehend Konsens in der Linken«. Da bin ich mir nicht
so sicher. Wer anstrebt, die Linkspartei 2013 oder später als
Koalitionspartner in eine Bundesregierung zu bringen, wird wohl oder
übel Kompromissmöglichkeit in dieser Frage signalisieren müssen und
wird sich das nicht vom Parteiprogramm verbieten lassen wollen. Dass
der einzig denkbare große Koalitionspartner SPD seine prinzipielle
Zustimmungsbereitschaft zu Kapitel-VII-Einsätzen der Bundeswehr für
eine Liaison mit der Linkspartei auch nur infrage stellt, kann wohl für
überschaubare Zeiten ausgeschlossen werden.
Michael Brie meint, »natürlich bleibt das Problem, ob es nicht im
Ausnahmefall militärische Interventionen geben kann, die auch durch die
Linke gefordert werden können«. Er erinnert an das Beispiel des
Eingreifens Vietnams in Kambodscha. Meine Antwort: Es ist für Linke
politisch und moralisch unzulässig, einem Völkermord und anderen
schwerwiegenden Verbrechen gegen die Menschenrechte und Kriegsgesetze –
wo und von wem auch immer begangen – untätig zuzuschauen. Dagegen
müssen und können alle zulässigen Mittel unterhalb der Schwelle
militärischer Gewalt eingesetzt werden: Parlamentarische und
außerparlamentarische Kämpfe, politisch-diplomatischer Druck,
Waffenembargo, internationale Isolierung und Strafverfolgung der für
die Verbrechen verantwortlichen Machthaber und schließlich auch
Wirtschaftssanktionen, die möglichst nicht die Bevölkerung treffen.
Wenn solche und ähnliche Maßnahmen konsequent durchgeführt würden,
könnte Völkermord gestoppt werden. Krieg und Militärinterventionen sind
weder politisch geeignet und erfolgversprechend, noch moralisch
vertretbar und völkerrechtlich zulässig, um Menschenrechte
durchzusetzen.
Und wenn trotzdem eine Neuauflage von faschistischem Massenmord und
ein neues Auschwitz irgendwo in der Welt drohen? Mit Sicherheit
auszuschließen ist das nicht. Die Geschichte wiederholt sich zwar
nicht, ist aber auch nicht berechenbar. Wenn dieser schlimmste aller
denkbaren Fälle eintritt, muss die Partei DIE LINKE von heute auf
morgen eine Sondersitzung des Parteitags einberufen, um neu zu
entscheiden. Diesen Sonderfall im Parteiprogramm zu regeln, ist nicht
sinnvoll. Es geht darum, einem solchen Fall vorzubeugen, Krieg und
Faschismus zu verhindern.
Ich plädiere dafür, dass der Satz über die Ablehnung von Einsätzen
der Bundeswehr so oder so stehen bleibt. Er ist für das
Selbstverständnis der Partei DIE LINKE als Antikriegs-Partei von
grundsätzlicher Bedeutung. Der Beschluss des Rostocker Parteitags
stimmt mich optimistisch: »Wir geben damit dem Willen der
Bevölkerungsmehrheit eine klare Stimme gegen Krieg, für ein Ende von
Auslandseinsätzen der Bundeswehr, für Abrüstung und die Umwandlung von
Rüstungsproduktion in zivile Produktion, gegen Rüstungsexporte und
Militärinterventionen, für das Völkerrecht und das in ihm festgelegte
Gewaltverbot in den internationalen Beziehungen, für zivile
Friedenssicherung und eine Stärkung von Entwicklungszusammenarbeit und
für eine zivile Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands und der
Europäischen Union«.
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Sieben Eintritte ins Marxistische Forum

Beim letzten Treffen des Marxistischen Forums in Berlin haben sieben
Mitglieder ihre Zugehörigkeit zum Marxistischen Forum erklärt.
Langsam nähern wir uns dem 290. Miglied an.
Lg,
Uwe
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Fünf Fragen – Fünf Überlegungen
Fünf Fragen – Fünf Überlegungen
Genossinnen und Genossen reagieren auf den Brief des Parteivorstandes
an die Mitgliedschaft der Partei DIE LINKE
Am 17. Oktober 2009 wandte sich der Parteivorstand mit fünf
Fragen an die Mitgliedschaft der Partei DIE LINKE. Im Rahmen
verschiedener Diskussionsrunden und Veranstaltungen marxistisch
orientierter Zusammenschlüsse haben wir uns mit diesen Fragen
auseinandergesetzt und möchten nachfolgend gemeinsam erarbeitete
Positionen hierzu in die Debatte einbringen. Zugleich formulieren wir
auf diese Weise Eckpunkte, die wir in der Programmdebatte vertreten
werden.
Nun zu den einzelnen Fragen.
Was ist das Besondere unserer Partei, was unterscheidet sie von
anderen? Wie stellen wir uns den Platz und die Funktion der Partei DIE
LINKE in Politik und Gesellschaft vor?
Oskar Lafontaine hat mit seinen Ausführungen auf dem Neujahrsempfang
in Saarbrücken und in seinem ND-Interview vom 13./14. Februar 2010 »Man
muss DIE LINKE an dem erkennen, was sie in keinem Fall machen wird« auf
diese Fragen weitgehende Antworten gegeben. Diese Antworten sollten
gültig bleiben, ungeachtet der Tatsache, dass Oskar Lafontaine nach dem
Rostocker Parteitag nicht mehr an der Spitze der Partei stehen wird.
Wir sollten uns vor Einflüsterungen bewahren, wie zum Beispiel der
Aufforderung Klaus Wowereits an die LINKE, sich nun zu entscheiden,
zwischen dem »ideologischen Flügel« und den Pragmatikern. Diese
Einteilung dient der Verschleierung. Es soll uns eingeredet werden, es
gäbe in der Partei Menschen, die davon ausgehen, dass Handeln und
Denken dem praktischen Leben dienen sollen, eben die Pragmatiker, und
solche, die abstrakten Prinzipien frönen, unabhängig von deren
Praxistauglichkeit, die Ideologen also. Das geht am Wesen der
innerparteilichen Differenzen vorbei. Hinzu kommt Willkür im Umgang mit
den Begriffen. Ideologie z.B. ist – verkürzt gesagt – die Gesamtheit
der Anschauungen und des Denkens einer bestimmten gesellschaftlichen
Schicht. Jene in der Partei, die ihr Hauptbestreben auf
Regierungsbeteiligungen richten, weil ihnen die Gestaltungskraft der
Opposition gering erscheint und die sich selbst zu Pragmatikern ernannt
haben, verfechten eine klare ideologische Botschaft: Nur, wer in
Regierungskoalitionen sei, könne tatsächlich etwas verändern. Daher
ignorieren sie auch weitgehend all jene Verschleißerfahrungen, die
linke Parteien (denken wir nur an Italien und Frankreich) in
Regierungsverantwortung machen mussten. Diese Verdrängungen haben
ideologisierenden Charakter. Jene in der Partei, die davor warnen, z.B.
in Landesregierungen zu gehen, wenn einem weitgehend die Bedingungen
diktiert werden und die prinzipiell gegen eine Regierungsbeteiligung
auf Bundesebene sind, weil dies nur bei Anerkennung der Staatsraison
möglich ist, verfechten eben diese ideologische Position. Ideologen
sind die einen wie die anderen, nur unterscheiden sich die Inhalte. Und
– die einen wie die anderen sind Pragmatiker. Beide Richtungen nehmen
für sich in Anspruch, dass ihr Handeln und Denken dem praktischen Leben
dienen soll. Nur – die Praxis schätzen sie sehr unterschiedlich ein und
daraus resultieren Präferenzen: Die einen halten unter den gegebenen
gesellschaftlichen Bedingungen außerparlamentarische und
parlamentarische Opposition für die praktikabelste Politik und die
anderen die Beteiligung an Regierungen. Die Praxisbewertung wiederum
ist untrennbar mit ideologischen Positionen verbunden. Zurück zu
Wowereit. Sein Verweis auf die Notwendigkeit, sich zwischen dem
»ideologischen Flügel« und den Pragmatikern zu entscheiden, hätte Jurek
Becker wohl die »Irreführung der Behörden« genannt, nur dass hier nicht
die Behörden sondern die Basis hinters Licht geführt werden soll.
In welchen Grundpositionen sollte sich unsere Partei von anderen
unterscheiden; was also sollte ihre Besonderheit ausmachen? Mit anderen
Worten: Um welche programmatischen Eckpunkte und daraus abgeleiteten
politischen Konsequenzen geht es unseres Erachtens?
Das Programm einer sozialistischen Partei sollte vier
Gesichtspunkten gerecht werden: Es sollte eine Analyse des aktuellen
Stadiums kapitalistischer Entwicklung enthalten, eine Darstellung der
Strategien der Herrschenden und der Kräfteverhältnisse; es sollte das
Ziel einer sozialistischen Gesellschaft als Alternative zum bestehenden
System der Profitmacherei umreißen; es muss jene Forderungen
formulieren, für die wir als sozialistische Partei hier und heute
kämpfen und an denen wir zu messen sind; es sollte schließlich Aussagen
darüber enthalten, wie dieser Kampf unter den gegebenen
Kräfteverhältnissen aussehen kann, wenn wir dabei diese selbst
verändern wollen. Ein Programm sollte also neben Analyse und Ziel
Brücken vom Heute zum Morgen zumindest skizzieren.
Ausgehend von diesen Prämissen messen wir den nachfolgenden inhaltlichen Schwerpunkten besondere Bedeutung bei.
- Die gegenwärtig in der Welt und speziell in der BRD vorherrschende
kapitalistische Ordnung ist ursächlich für die Gefährdung der
menschlichen Zivilisation und Kultur verantwortlich. Diese Gefahren
haben sich seit der Beschlussfassung über das PDS-Parteiprogramm 2003
und seit der Annahme der bis dato in der Partei Die LINKE geltenden
Eckpunkte verstärkt. Die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit
1945, millionenfache Erwerbslosigkeit, die ökologischen Gefahren, die
sich ausweitenden Kriege und die Gefahr von neuen militärischen
Konflikten, ja des Einsatzes von Atomwaffen, stehen in einem
ursächlichen Verhältnis zu kapitalistischen Grundstrukturen.
- Wir bekennen uns nachdrücklich zu den friedenspolitischen
Prinzipien unserer Partei, zur Ächtung des Krieges und der Ablehnung
der Anwendung militärischer Gewalt in der internationalen Politik. Mit
anderen Worten: Der Münsteraner Beschluss vom April 2000 »Nein zu
UN-Militäreinsätzen – Internationale Krisen und Konflikte friedlich
lösen« hat für uns nichts an Aktualität verloren. Unverändert lehnen
wir das Denken und Handeln in Abschreckungs-, Bedrohungs- und
Kriegsführungskategorien ab. Konsequenz in der Beibehaltung
friedenspolitischer Grundsätze ermöglicht Konsequenz im politischen
Alltag. Wir wenden uns gegen jegliche Auslandseinsätze der Bundeswehr
und fordern den sofortigen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan.
- Wir wenden uns gegen die Okkupation des Iraks und Afghanistans und
die Unterdrückung des palästinensischen Volkes. Wir sind solidarisch
mit der israelischen und palästinensischen Friedensbewegung und wenden
uns gegen jegliche antisemitische und islamfeindliche Stereotypen.
Unsere Solidarität gehört dem sozialistischen Kuba, Venezuela, Bolivien
und weiteren Ländern mit strikter antiimperialistischer Orientierung.
- Wir brauchen eine differenzierte Sicht auf die Geschichte beider
deutscher Staaten, aus der heraus die Rechtmäßigkeit der
vierzigjährigen, über den Kapitalismus hinausgehenden Entwicklung auf
deutschem Boden verteidigt wird. Die von Gen. Michael Schumann 1989 auf
dem Sonderparteitag vorgenommene Würdigung der russischen
Oktoberrevolution halten wir für unverändert aktuell. Das Streben nach
einer sozialistischen Alternative brachte grundlegende
gesellschaftliche Fortschritte hervor. Zugleich sind begangene
Irrtümer, Fehler und auch Verbrechen nicht zu verschweigen. Um diese
differenzierte Sicht ist hart zu ringen.
- Es erweist sich mehr denn je als notwendig, dass der Sozialismus
nicht nur Vision und Wertesystem unserer Partei ist, sondern
strategisches Ziel, an dem auch Schritte der konkreten Politik zu
messen sind. Die Herrschaft des Kapitals muss durch eine Gesellschaft
ersetzt werden, in der die Dominanz des kapitalistischen
Privateigentums überwunden und dessen reale Vergesellschaftung erreicht
wird.
- Erste Orientierung der Partei ist der außerparlamentarische und
parlamentarische Widerstand. Daher muss DIE LINKE zur Überwindung der
Klassenstrukturen im Kapitalismus mit außerparlamentarischen Bewegungen
und insbesondere mit den Gewerkschaften zusammenwirken. Eine partielle
Zusammenarbeit der LINKEN mit den beiden anderen Parteien auf der
Oppositionsbank sollte nicht zu innerparteilichen Spekulationen führen,
eine gemeinsame Opposition könne zugleich eine Art
Regierungsvorbereitung für das Jahr 2013 werden. Wir müssen uns dessen
bewusst sein: Die LINKE ist für die SPD und die Grünen dann auf
Bundesebene regierungstauglich, wenn sie alles über Bord geworfen hat,
was sie von den etablierten Parteien grundsätzlich (siehe:
friedenspolische Prinzipien), oder eher punktuell (siehe: Umgang mit
der Geschichte) unterscheidet und was der Parteibasis prinzipiell
wichtig ist. Die Identität der Partei ist – auch als wesentliche
Bedingung für berechenbare Bündnispolitik – zu wahren und auszuprägen.
Welche politische Kultur wollen und welche politische Bildung
brauchen wir in der Partei? Was macht eine Mitgliedschaft und was macht
das Parteileben attraktiv und anziehend?
Der Kampf um eine andere politische Kultur, für die Ästhetik des
Widerstands, ermöglicht Vertrauen in eine sozialistische Partei und
deren Protagonisten. Und Vertrauen erwerben wir uns vor allem durch die
politische Praxis – überall dort, wo in der zunehmenden Kälte des
Systems ein Stück Menschlichkeit erarbeitet oder auch erkämpft wird.
Hier kann Vertrauen entstehen und nur so die Bereitschaft, nachzudenken
über alternative gesellschaftliche Konzepte. Und dieser Weg muss
programmatisch offen gehalten werden. Darauf werden sich alle unsere
Anstrengungen in der Programmdebatte richten.
Unsere politische Kultur sollte dadurch geprägt sein, dass den die
Partei prägenden Gemeinsamkeiten ein höherer Stellenwert eingeräumt
wird, als den Differenzen. Gerade deshalb sollten die Differenzen –
nicht über Personaldebatten, sondern auf Inhalte fokussiert –
verdeutlicht und offen diskutiert werden. Auf Denunziationen von
Personen sollte verzichtet werden. Ebenso wichtig für die politische
Kultur in der Partei ist es, dass unterschiedliche Tendenzen, die sich
nicht zuletzt in Strömungen manifestieren, gleichberechtigt Zugang in
die Parteiöffentlichkeit erhalten. Wo diese Gleichberechtigung
ausbleibt, ist die Kultur der Auseinandersetzung a priori substantiell
in Frage gestellt.
Eine Partei, die zuvörderst auf Gemeinsamkeiten, vor allem in der
Aktion, orientiert, Differenzen nicht verschleiert, den
unterschiedlichen inhaltlichen Positionen Gleichberechtigung im Rahmen
der Parteiöffentlichkeit einräumt und die auf die in den etablierten
Parteien üblichen Kungeleien um Posten und Mandate verzichtet, eine
solche Partei macht eine Mitgliedschaft in ihr attraktiv und ermöglicht
Mitgliedern den Einfluss auf die Politik der Gesamtpartei.
Welche Kampagnen soll unsere Partei in den nächsten zwei, drei
Jahren mit der Kraft aller Mitglieder führen? Was unterscheidet unser
Agieren als politische Partei von dem gesellschaftlicher Bewegungen?
Wie sehen wir das Verhältnis von Partei und Bewegung?
Unser Agieren als politische Partei umfasst sowohl alle relevanten
gesellschaftlichen Bereiche als auch die außerparlamentarische und
parlamentarische Ebene des politischen Wirkens gleichermaßen.
Regierungsbeteiligungen in Kommunen und Landesregierungen können Teil
der parlamentarischen Arbeit sein, vorausgesetzt, das Kräfteverhältnis
erlaubt es, Politik im wesentlichen nach den im Wahlkampf gemachten
Versprechen zu gestalten. Gesellschaftliche Bewegungen sind in der
Regel auf Teilbereiche des gesellschaftlichen Lebens zugeschnitten und
bewegen sich primär im außerparlamentarischen Raum. Das Verhältnis von
Partei und Bewegungen ist also von den Schnittmengen bestimmt, die eine
Zusammenarbeit ermöglichen bzw. notwendig machen. Wir sehen
diesbezüglich folgende Schwerpunkte für DIE LINKE:
- Die soziale Grausamkeit, die dem schwarz-gelben Koalitionsvertrag
innewohnt, die in ihm vorgenommene reaktionäre Gleichsetzung von rechts
und links, die Verschärfung imperialer Außenpolitik – all das verlangt
ein möglichst hohes Engagement für eine kräftige außerparlamentarische
und parlamentarische Opposition. Auch zukünftig müssen wir uns für die
Abschaffung von Hartz IV und ein offensives Eintreten der LINKEN für
die Interessen der Werktätigen und – durch fehlende Arbeitsplätze – von
der Arbeit Ferngehaltenen einsetzen. Privatisierungen, insbesondere von
Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge lehnen wir ab. Wir sind
für die bundesweite Abschaffung von Studiengebühren und jeglicher
Formen von Schul- oder Büchergeld. Unsere Solidarität gehört
Migrantinnen und Migranten, Asylbewerbern und Flüchtlingen, die unter
den Restriktionen des »reformierten« Zuwanderungsgesetzes leiden. Wir
fordern die Wiederherstellung des uneingeschränkten Asylrechts im
Grundgesetz. Wir verteidigen die bürgerlichen Freiheiten gegen die mit
selbstgeschürtem Terrorwahn begründeten demokratie- und
bürgerfeindlichen Maßnahmen der so genannten inneren Sicherheit.
- In diesem Rahmen sollte DIE LINKE eine spezielle Kampagne gegen die
sogenannte Kopfpauschale durchführen. Ein entsprechender Beschluss
sollte bereits auf dem Rostocker Parteitag gefasst werden.
- Die LINKE muss weiter aktiv in der Friedensbewegung und im Rahmen
sozialer und antirassistischer und antifaschistischer Aktivitäten und
Aktionen mitwirken. Wir intensivieren unser Wirken in
antifaschistischen Bündnissen. Dabei ist es wesentlich, Antifaschismus
unlösbar mit dem Kampf gegen die Totalitarismusdoktrin zu verbinden.
Vor uns liegt am 8. Mai 2010 der 65. Jahrestag der Befreiung
Deutschlands vom Faschismus. Wir werden ihn gemeinsam mit anderen
Linken und Antifaschisten begehen. Die LINKE wird sich dafür einsetzen,
dass der maßgebliche Anteil der Sowjetunion an der Zerschlagung
Nazideutschlands in aller Deutlichkeit benannt wird. Allen Versuchen,
der Sowjetunion eine Mitschuld am Krieg zu geben und ihre
unermesslichen Leistungen und Opfer zu schmälern, müssen wir uns ebenso
entgegenstellen, wie jeglichen anderen, sich seuchenhaft verbreitenden
Tendenzen des Geschichtsrevisionismus. Das wichtigste im Zusammenhang
mit dem 65. Jahrestag der Befreiung ist, die Friedensbewegung zu
stärken, den wiedererstarkten deutschen Militarismus, seine imperialen
Aktivitäten zu bekämpfen und den antifaschistischen Kampf zu
intensivieren. Erneut unterstützen wir die Forderung nach einem Verbot
der NPD und aller faschistischen Organisationen.
Was ist zu tun, damit die Mitgliedschaft als Souverän der Partei
Gehör findet und Einfluss hat? Wie können wir neue Mitglieder gewinnen
und sie dauerhaft in der Partei halten?
Die Überlegungen zu dieser Fragestellung sind wesentlich in jenen
enthalten, die bereits im Kontext mit der in der Partei anzustrebenden
politischen Kultur angestellt wurden. Ergänzend hierzu folgende
Vorschläge:
- Die Hauptbedingungen dafür, neue Mitglieder zu gewinnen und sie in
der Partei zu halten sind, neben den bereits genannten, u.E. folgende:
Die politische Linie der Partei muss dadurch attraktiv sein, dass
Menschen erfahren, dass ihre Interessen ernsthaft interessieren und sie
nicht Spielball in Wahlkämpfen sind. Sie müssen zumindest Angebote
vorfinden, sich selbst für ihre Interessen zu engagieren. Die
politische Linie und Praxis der Partei muss wahlperiodenübergreifend
glaubwürdig bleiben. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein
satzungsgemäßes Verhältnis zwischen Vorständen und Fraktionen und die
Anerkennung der Mitgliedschaft als Souverän der Partei durch ein dem
gemäßes Verhältnis von Fraktionen, Vorständen und dazu gehörigen
Apparaten zur Parteibasis. Intensiver müssen die Vorstände die
Mitwirkung der Basis an der Programm- und Politikentwicklung der Partei
organisieren.
- Dazu gehört auch ein solider Informationsfluss in beide Richtungen.
Die Vorstände sollten alles dafür tun, das Stimmungs- und Meinungsbild
an der Basis genau und stetig zu kennen und sich jeder Schönfärberei
enthalten. Eine realistische Lageeinschätzung muss jederzeit
gewährleistet sein.
Wie können wir den politischen Einfluss der Partei weiter
vergrößern? Was muss geschehen, damit die Mitglieder noch besser
Einfluss auf die Politik der LINKEN nehmen können? Wie kann die
Mitgliedschaft für jede und jeden noch attraktiver werden?
Dies ist möglich:
- indem wir die Interessen der nicht die wirtschaftliche, politische
und mediale Macht Ausübenden ohne Wenn und Aber gegen den sich mit
Kriegen globalisierenden Kapitalismus verteidigen;
- indem die wichtigsten Entscheidungen der Parteiführung erst im
Ergebnis eines Diskussionsprozesses unter den Mitgliedern und
Sympathisanten beschlossen werden;
- indem die Einbeziehung der Mitglieder in die Tätigkeit der
Bundestags- und Landtagsfraktionen der Partei wie in die kommunalen
Vertretungskörperschaften grundlegend verbessert wird.
Berlin, 11. März 2010
Ellen Brombacher, Uwe Hiksch, Klaus Höpcke, Prof. Dr. Hermann Klenner, Friedrich Rabe.
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Tagesseminar am 12.12.09 zum Thema "Einführung in die Programmdebatte"
Am Samstag haben sich über 25 Teilnehmer_innen zu einem Tagesseminar des Marxistischen Forums im NaturFreundehaus Karl-Renner-Haus in Lichterfelde-West getroffen um gemeinsam die Programmdebatte vorzubereiten und erste inhaltliche Fragen auszutauschen. In den drei Blöcken zu den Themen “Antimilitarismus”, “Geschichte der linken Programme sei 1989″ und “Ökonomie” wurde von den Referierenden Grundlinien für eine notwendige Argumentation für Marxistinnen und Marxisten aufgezeicht.
Claudia Haydt, IMI, machte deutlicht, dass sie in der Programmdebatte unter anderem folgende Inhalte für notwendig ansieht: Ein klares Nein zur NATO und dem Lissabonner Vertrag, Nein zu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr, ein klares Votum für eine konsequent antimilitaristische Außenpolitik mit dem Ziel der radikalen Abrüstung, der Abschaffung von Armeen und einer gerechten Weltwirtschaftsordnung und eine deutliche Auseinandersetzung mit der zunehmenden Militarisierung der Innenpolitik.
Heinz Niemann zeigte anhand der geschichtlichen Entwicklung linker Programme auf, das er vor allem die Aufgabe der Marxisti_innen innerhalb der LINKEN darin sieht, für eine klare Analyse der heutigen kapitalistischen Gesellschaft einzutreten, im Programm einen klaren systemüberwindenden Charakter zu beschreiben und die Frage zu beantworten “Welche Partei braucht diese Gesellschaft?”.
Uwe Hiksch analysierte am Beispiel der Unterkonsumptionstheorie und der Überakkumulationstheorie Möglichkeiten für eine Programmentwicklung der LINKEN. Anhand der Eigentumsfrage, der Staatsfrage, der sozialen Frage, der Fragestellungen “Leben wir in einer Klassengesellschaft?” und einem klaren Bekenntnis, dass Sozialismus nicht nur als Utopie sondern als klares Ziel zur Überwindung der Kapitalismus im Hier und Heute beschrieben werden sollte, entwarf er Ansätze einer marxistischen Wirtschaftsprogrammatik für die Programmdebatte.
Alle Anwesenden waren sich einig, dass diese Debatte fortgesetzt werden soll und im nächsten Jahr mit weiteren Seminaren und Tagungen die Programmdebatte intensiv begleitet werden soll.
Uwe