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Initiative freedom roads!: Polizeieinsatz gegen postkoloniale Kunstperformance in Hamburgs Lettow-Vorbeck-Kaserne

P R E S S E M I T T E I L U N G
15.12.2011

 

 

Die Begehung “Kasernenechos: Widerstand und Widerhall”, die am 9.12. anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit Tansanias in Hamburg-Jenfeld stattfand, wurde durch ein größeres Polizeiaufgebot abgebrochen.

Den Veranstaltern droht nun eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und wegen einer “unangemeldeten Demonstration”.

Im so genannten „Tansania-Park“ und auf dem Gelände der heute frei zugänglichen ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld hatten sich ca. 40 Menschen, unter ihnen Politiker aus Bezirk und Stadt, zu einer performativen Begehung in 14 Szenen eingefunden. Die veranstaltende Initiative freedom roads! wollte kritisch an den deutschen Kolonialismus erinnern und den Widerstand der afrikanischen Bevölkerung würdigen.

Mit Wasser und Asche, Verhüllung und Offenlegung, Flüsterung und Aufforderung, mit lebenden Skulpturen und „weißen Flecken der Erinnerung“ rückten sie den NS-Kolonialdenkmälern zu Leibe und kreierten Momentaufnahmen einer würdevollen postkolonialen Erinnerungskultur. Die gemeinsame Kunstaktion von Tansaniern und Deutschen forderte die Stadt Hamburg, seit dem letzten Jahr Partnerstadt von Dar es Salaam in Tansania, zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem kolonialen Erbe auf.

“Wer einen umzäunten Kleingarten mit Nazi-Kolonialdenkmälern als ‚Tansania-Park’ bezeichnet“, so der Tansanier M.S. Mboro, „ist respektlos und verhöhnt die zahlreichen Opfer des deutschen Kolonialregimes. Ich bin schockiert darüber, dass bis heute Häuser nach Kriegs- und Kolonialverbrechern wie Lettow-Vorbeck, Wissmann und Trotha benannt sind.

Wie kann es sein, dass die ‚Schutztruppen-kommandeure’ ‚Deutsch-Ostafrikas’ hier noch immer mit wuchtigen Terrakotta-Porträts geehrt werden?”

Erst 2003 wurde der „Tansania-Park“ mit den zwei Reliefs des „Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmals“ angelegt und inszeniert. Aus dem Beirat, der ein erinnerungskulturelles Konzept erarbeiten sollte, traten mehrere kolonialkritische ExpertInnen unter Protesten aus. Der kleine Rest des fachlich überforderten Beirats hat nun ein fragwürdiges Tafeltext-Exposé erarbeitet, das der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial kürzlich kritisierte. Der Arbeitskreis reagierte mit einer Reihe von Alternativvorschlägen, die postkoloniales Erinnern und Globales Lernen in Hamburg-Jenfeld ermöglichen sollen. „Das vom Beirat vorgelegte Exposé“ so die bildende Künstlerin HMJokinen, „kann dies jedenfalls nicht leisten, denn es ist eurozentrisch und lässt zudem das Denkmal- und Bauensemble als Ganzes außen vor.“

Der Historiker Christian Kopp fügt an: “Stadt und Bezirk sollten nun endlich allen interessierten Fachleuten – vor allem aus Tansania und aus Hamburgs Black Community – ermöglichen, an einem umfassenden postkolonialen Konzept für das denkmalgeschützte Bauensemble mitzuwirken.“

Während der Performance benannten die Teilnehmenden den „Kleinen Exerzierplatz“ symbolisch in „Mohamed-Husen-Platz“ um – in Erinnerung an den Kindersoldaten der deutschen „Schutztruppe“ in Ostafrika, der später nach Deutschland kam und von den NS-Rassisten im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Gerade bei dieser temporären „Umbenennung“ wurde die Performance von der Polizei jäh unterbrochen. Die Einsatzkräfte waren von Studierenden der benachbarten Bundeswehrhochschule – den heutigen Bewohnern der Gebäude – herbeigerufen worden. Die gleich mit mehreren Fahrzeugen anrückende Polizei drohte den Veranstaltern ein Strafverfahren an.

Kontakt:
Christian Kopp
Initiative freedom roads!
info@freedom-roads.de
Tel.: 01799100976

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VENRO: Durban – Arme Länder werden zum Spielball der Reichen

PRESSEMELDUNG
28/2011  

 

Festgefahrene Verhandlungen in Durban
Arme Länder werden zum Spielball der Reichen  

 

 

Bonn, 1. Dezember 2011 -  Die Verhandlungen auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen im südafrikanischen Durban erweisen sich schon jetzt als festgefahren. Wieder einmal drohen politische Interessen die Frage zu überlagern, wie der fortschreitende Klimawandel eingedämmt werden soll, kritisiert der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO).

 

„Entwicklungsländer drohen mal wieder zum Spielball der großen Verschmutzer USA, China, EU, Russland, Japan und Kanada zu werden – die jeder für sich andere Strategien verfolgen. In Durban wird deutlich, dass die meisten Entwicklungsländer eine ab 2013 zu vereinbarende zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Abkommens befürworten“, so VENRO-Vorstandsmitglied Jürgen Reichel, der den Klimagipfel vor Ort beobachtet.

 

VENRO stimmt mit der Bundesregierung und der EU darin überein, dass es rechtlich verbindliche Regelungen braucht, um C02-Emissionen auf Dauer zu vermindern. „Die EU sollte deutlich Flagge zeigen, damit das Kyoto-Protokoll nicht zerredet wird“, sagt Reichel. „Wenn die EU in Durban nicht öffentlich aktiver wird und sich nicht deutlicher auf die Seite der Entwicklungsländer stellt, droht ein Propagandagewinn der Verweigererstaaten.“

 

 „Hier in Durban entsteht bei den vom Klimawandel schwer getroffenen Entwicklungsländern der Eindruck, der EU gehe es vor allem darum, im eigenen Interesse weltweit den Kohlenstoffausstoß zu reduzieren. Die Entwicklungsländer warten aber auch auf Unterstützung für die gewaltigen Anpassungsmaßnahmen, die sie tätigen müssen“, betont  Reichel. Den Entwicklungsländern erwachsen immense Schäden aus dem Klimawandel. Deshalb sieht VENRO in der Einrichtung eines „Green Development Fund“ den Hauptindikator dafür, ob die Industriestaaten zu ihrer Verantwortung stehen. Die weltweite Zivilgesellschaft werde darauf sehen, ob es sich um neues, zusätzliches Geld handelt oder um eine Umetikettierung schon bestehender Programme.


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Hamburg braucht keinen „Askariweg“!

Hamburg braucht keinen „Askariweg“!

Pressemitteilung vom 18.03.2011

Im Hamburger Stadtteil Wandsbek-Jenfeld hat die AG „ Wohnen und Verkehr“ dem Bezirksamt die Anlegung eines „Askariwegs“ vorgeschlagen. Gemeinsam mit einem ebenfalls projektierten „Tansaniaring“ soll die Straße den so genannten „Tansania-Park“ flankieren. Der seit Jahren umstrittene Gedenkort, der noch immer auf ein von der Öffentlichkeit getragenes postkoloniales Erinnerungskonzept wartet, enthält zwei große nationalsozialistische „Askari-Reliefs“ sowie ein Ehrendenkmal für die koloniale „Schutztruppe“ und für das Afrika-Korps der deutschen Wehrmacht.

„Mit einer solchen Benennung“, kritisiert der Historiker Christian Kopp von der Kampagne freedom roads! koloniale straßennamen / postkoloniale erinnerungskultur den Antrag, „würde nahtlos angeknüpft werden an die Denkmäler der NS-Kolonialpropaganda, die den Mythos von ‚Deutschlands treuen Askari’, von seinen ‚anhänglichen’ afrikanischen Kolonialsoldaten und Hilfstruppen pflegte. Auch ein Tansaniaring wäre in diesem Kontext nicht passend.“

Die Legende von den „treuen Askari“ sollte Deutschlands Anspruch auf die im Ersten Weltkrieg verlorenen Kolonien untermauern und die Mär von der vermeintlichen „Beliebtheit“ der Deutschen in Afrika verbreiten. In Wirklichkeit wurden die oft ortsfremden, von der Bevölkerung gefürchteten Askarisoldaten benutzt, um in zahlreichen Kriegszügen Millionen von Menschen unter das koloniale Joch zu zwingen. Allein während des Maji-Maji-Krieges (1905-07) im Süden der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ mordeten sie im Auftrag ihrer weißen Kommandeure mehr als 100 000 Männer, Frauen und Kinder. Während des Ersten Weltkriegs kostete der jahrelange Kampf der so genannten „Schutztruppe“ unter Lettow-Vorbeck gegen die Alliierten bis zu einer halben Million ostafrikanischer Zivilisten das Leben.

„Die Opfer haben weder eine angemessene Entschädigung erhalten, noch haben sie einen verantwortlichen Umgang der Bunderepublik Deutschland erfahren in Bezug auf die kolonialen Verbrechen des Deutschen Reiches, dessen Rechtsnachfolgerin die BRD ist“, so Sharon Otoo vom Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.). „Es ist an der Zeit, dass sich Deutschland seiner Kolonialzeit und deren Auswirkungen endlich selbstkritisch stellt und für die dadurch entstandenen Schäden aufkommt.“

Eine aktuelle Resolution (www.freedom-roads.de/frrd/resoluti.htm) zur Dekolonisierung des öffentlichen Raums und zu Formen der symbolischen Wiedergutmachung wird von mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen unterstützt. Ihnen geht es um die Würdigung von Opfern, Gegnerinnen und Gegnern der deutschen Kolonialherrschaft, die anstelle der so genannten „Kolonialhelden“ mit Straßennamen geehrt werden sollen. „Alternativ zu diesem absolut schrecklichen Straßennamen, der die Opfer des Kolonialismus verspottet,“ so die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst, „möchten wir dem Bezirk Hamburg-Wandsbek einen Mohamed-Husen-Weg vorschlagen.“

Die Universitätsprofessorin hat 2007 das Buch „Treu bis in den Tod“, die weithin beachtete Biografie des von den Nationalsozialisten ermordeten Ostafrikaners Bayume Mohamed Husen, veröffentlicht. Geboren wurde er als Mahjub bin Adam Mohamed 1904 in Dar es Salaam, das seit neuestem Hamburgs Partnerstadt ist. Im Weltkrieg diente Husen als Kindersoldat der deutschen Kolonialmacht in Ostafrika.

In den späten 1920er Jahren kommt er nach Deutschland, um den Sold einzufordern, den man ihm schuldig geblieben ist. Hier gründet er eine Familie und steht als Filmschauspieler u.a. mit Zarah Leander und Hans Albers vor der Kamera. Doch im NS-Staat hängt das Leben Schwarzer Menschen am seidenen Faden. 1941 wird Bayume Mohamed Husen festgenommen und verschleppt. Nach mehr als drei Jahren Haft kommt er im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben.


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Christliche Initiative Romero: adidas es reicht! Schluss mit Hungerlöhnen in den Nähfabriken!

Kampagne für Saubere Kleidung – Sport

adidas es reicht! – Schluss mit Hungerlöhnen in den Nähfabriken!
Aktiv zur Frauen-Fußball Weltmeisterschaft

Vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 wird in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen ausgetragen. 16 Nationalmannschaften treten gegeneinander an. Wir wollen dieses sportliche Ereignis dazu nutzen, auf die Schattenseiten der Sportbekleidungsindustrie aufmerksam zu machen.

Arbeitsrechtsverletzungen sind Alltag

Während die Gewinnsummen der Sportartikelhersteller immer weiter in den Himmel steigen, wissen Tausende von Näherinnen nicht, wie sie im Monat über die Runden kommen sollen. Der Lohn der ArbeiterInnen in den Produktionsländern für Sportbekleidung ist so niedrig, dass für sie kein Weg aus der Armut führt, so hart sie auch schuften.

Machen Sie mit!

Wir werden zur Fußball-WM der Frauen zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen auf die Beine stellen. Zum Beispiel zur adidas-Aktionärsversammlung am 12. Mai 2011 in Fürth.

Ihre Stadt ist Austragungsort der Frauen-Fußball-WM? Organisieren Sie einen Infotisch und sammeln Sie Unterschriften auf Protestpostkarten für einen existenzsichernden Lohn in den Nähfabriken von adidas!
Rundreise

Vom 23. Mai bis zum 5. Juni ist Marlyn Sanchez aus El Salvador auf Einladung der Christlichen Initiative Romero in Deutschland zu Besuch. Sie berichtet über die Missstände in der Nähfabrik Ocean Sky. Hier wird u.a. für Puma und adidas/reebok produziert. Veranstaltungstermine ab April auf unserer Homepage.
Infomaterialien

Bestellen Sie kostenlos (gegen Porto) Protestpostkarten und unsere kostenlose Aktionszeitung Anpfiff zur Frauen-Fußball-WM 2011!

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Christliche Initiative Romero: Gründungsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur als Genossenschaft

Demokratische Alternative
Gründungsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur als Genossenschaft

Der Rüstungsinvestor Carlyle hat sich verstrickt: Eine Übernahme des öko-sozialen Textilunternehmens Hess Natur hinter dem Rücken der Öffentlichkeit wird seit Dezember immer wieder durch pressewirksame Aktionen von attac u.a. verhindert. Doch ob er tatsächlich gänzlich vom Verkaufstresen verschwunden ist, bleibt ungewiss. Fest steht: Niemand wird ergeben auf den (nächsten) renditeorientierten Großinvestor warten. Darum entschloss sich das Unternehmen jetzt selbst die Fäden in die Hand zu nehmen.

Hintergrund

Durch die Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor (ehemals Karstadt-Quelle) steht Hess Natur zum Verkauf. Der Pionierbetrieb im Bereich Naturtextilien und Sozialstandards ist wirtschaftlich gesund. Mitte Dezember wurde bekannt, dass ausgerechnet Carlyle – einer der weltweit größten Rüstungs- u. Finanzinvestoren – sich gern mit dem alternativen Versandunternehmen schmücken würde. Doch bevor Hess Natur in den Einkaufskorb wanderte, hagelte es Boykott-Androhungen von fast 10.000 KundInnen!

Das Netzwerk Solidarische Ökonomie und die gleichnamige attac AG luden am 10. Januar nach Frankfurt ein, um ein demokratisches Alternativkonzept zur Weiterführung von Hess Natur vorzustellen. Der Betriebsrat von Hess Natur und erste KundInnen schlossen sich an, sogar LieferantInnen meldeten großes Interesse an der Idee. Auch die Kampagne für Saubere Kleidung ist inzwischen Mitglied der Initiative. Die Gruppe wird u.a. von mehreren ExpertInnen des Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften und der innova eG juristisch und ökonomisch begleitet. Seit Januar erreichen uns stetig Anfragen von weiteren Genossenschafts-Interessierten und UnterstützerInnen.

Vorteile einer Genossenschaft

Die Rechtsform der Genossenschaft (eG) bietet u.a. den Vorteil, dass KundInnen in Form einer Rückvergütung (nachträglicher Rabatt) steuerfrei am Gewinn der Firma beteiligt werden können. Ähnliches gilt für die MitarbeiterInnen. Denn Genossenschaften sind quasi wirtschaftliche Selbsthilfe-Einrichtungen, die grundsätzlich nicht auf Gewinn ausgerichtet sind. Vor allem gilt in Genossenschaften das Demokratieprinzip „one person – one vote“. Anders als in Aktiengesellschaften hat jedes also Mitglied eine Stimme, unabhängig von der jeweiligen Einlagenhöhe. Damit könnte Hess Natur als Kooperative praktisch nicht mehr von Fremdinvestoren übernommen werden.

Mitglied werden und den Ausverkauf verhindern!

Werden auch Sie Mitglied der hnGeno – der Kooperative zur Weiterführung von Hess Natur. Damit ermöglichen Sie, das öko-faire Textilunternehmen Hess Natur gemeinsam demokratisch weiterzuführen! Werden Sie Teil eines Unternehmens, das Ökologie, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften zum Ziel hat und nicht die Spekulationsspielchen und Superrenditen einiger Weniger.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Genossenschaftsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur, auch eine Liste mit Fragen und Antworten sowie das Betriebsfortführungskonzept zur Weiterführung von Hess Natur als Kooperative stehen dort zur Verfügung.

Verhindern wir gemeinsam, dass der US-Private Equity Fonds Carlyle oder andere rein renditeinteressierte Großinvestoren den Vorreiterbetrieb für Ökotextilien aufkaufen und ausplündern. Nur wenn sich Tausende einmischen und Mitglied der Genossenschaft werden, können wir Carlyle etwas entgegensetzen!


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Internationaler Aufruf zu sofortigen Maßnahmen gegen Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln

Finanzwetten auf Nahrungsmittel und Hunger stoppen
Internationaler Aufruf zu sofortigen Maßnahmen gegen Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln

17.2.2011

In den vergangenen Jahren haben Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln immer wieder zu dramatischen Verknappungen in vielen der weltweit ärmsten Länder geführt. Im Jahr 2008 erlebte die Welt eine ernsthafte Krise, weil die Preise für Reis, Weizen und Mais empor schnell-ten. In 25 Ländern brachen Hungerrevolten aus, und die weltweite Gesamtzahl der hungernden Menschen wuchs um 100 Millionen.

Angesichts der derzeitig erneut steigenden Nahrungsmittelpreise könnte eine ähnliche Krise bereits vor der Tür stehen. Wir fordern daher die Politiker und Regierungschefs der Europäi-schen Union, der USA und anderer Staaten auf, sofort zu handeln um eine erneute Nahrungs-mittelkrise zu verhindern.

Hunger und Unterernährung zu beseitigen ist eine riesige Herausforderung, aber ein konkreter Schritt wäre es, die Finanzspekulation mit Agrarprodukten zu zügeln. Die unruhigen Zeiten auf den Finanzmärkten machen Termingeschäfte (‚futures’) mit Agrarprodukten für Finanzinvesto-ren und Spekulanten attraktiv. Enorme Kapitalmengen fluten diese Märkte. Damit verursachen sie plötzliche Preisanstiege, die für gering verdienende Familien in Entwicklungsländern tödliche Konsequenzen haben können. Hinzu kommt die steigende Preisvolatilität, da „heißes Geld“ in die Märkte ein- und wieder herausströmt. Dies hat verheerende Wirkungen für BäuerInnen, denn sie können selbst kurzfristig nicht vorhersehen, welche Preise ihre Ernte erzielen wird.
Momentan wird die Regulierung von exzessiver Rohstoffspekulation in den USA und der EU erwogen. In beiden Fällen existieren Möglichkeiten, Reformen umzusetzen und so die Nah-rungsmittelpreise zu stabilisieren. Auch die Regierungen der G20 haben dieses Thema als eine Hauptpriorität ausgemacht. Dieses politische Umfeld bedeutet eine historische Möglichkeit, ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Finanz- und Agrarmärkten zu sichern.

Doch die Finanzindustrie hat bereits Milliarden Euros investiert, um bei den Regierungen gegen Spekulationsgrenzen zu lobbyieren. Diese Lobbyisten vertreten eine kleine, aber überaus mächtige Interessengruppe, die von Geschäften profitieren, die für die Mehrheit der Menschen desaströs ist.
Wir fordern daher Regierungen und Abgeordnete auf, stattdessen den vielen VerbraucherInnen, ArbeiterInnen, BäuerInnen, Unternehmen, religiösen Gruppen, WissenschaftlerInnen, internationalen EntwicklungsaktivistInnen und allen anderen zuzuhören, die davon überzeugt sind, dass nur eine wirkungsvolle Kontrolle von Rohstoffspekulation die NahrungsmittelproduzentInnen und die weltweit ärmsten Menschen vor plötzlichen Preisspitzen und –schwankungen schützen kann.

Wir brauchen Regeln für mehrere Schlüsselbereiche. So müssen vollständige Transparenz und Aufsicht der Finanzmärkte für Nahrungsmittel gewährleistet werden. Der Beteiligung rein fi-nanzwirtschaflicher Akteure in Warenterminmärkten für Rohstoffe müssen enge Grenzen ge-setzt werden. Zudem muss der Aufkauf von physischen Lagerbeständen durch Finanzakteure verboten werden.

Das Anliegen ist dringend. Nicht nur, weil es derzeit lebhafte Diskussionen auf US-, EU- und G20-Ebene gibt, sondern vor allem weil die Preise auf den Agrar- und Finanzmärkte mit jedem Monat stärker schwanken. Wenn keine Maßnahmen getroffen werden, um die exzessive Spekulation zu unterbinden, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis wir das nächste Kapitel der globalen Hungerkrisen erleben.

Unterzeichnende Organisationen:
Action Consommation (France)
Africa Development Interchange Network – ADIN (Cameroon)
Africa Europe Faith & Justice Network – AEFJN (Brussels)
Agricultural Christian Fellowship (UK)
Alianza Mexicana por la Autodeterminación de los Pueblos – AMAP (Mexico)
Antenne Italienne – AEFJN (Italy)
Arthur Rank Centre, the Churches’ Rural Resources Unit for England (UK)
Association of Forest Schools (Hungary)
Association of Local Communities, World Tree (Hungary)
Associazione di promozione sociale – Association of social promotion -ARCI (Italy)
Associazione di solidarietà e cooperazione internazionale- LIVA (Italy)
Associazione Michele Mancino (Italy)
Associazione Rurale Italiana – A.R.I. (Italy)
Associazioni cristiane lavoratori italiani – ACLI (Italy)
Attac Austria (Austria)
Attac Finland (Finland)
Attac France (France)
Attac Norway (Norway)
Attac Spain (Spain)
ATTAC Spain (Spain)
Campagna per la Riforma della Banca Mondiale Campaign for the reform of the World Bank-
CRBM (Italy)
CCFD-Terre solidaire (France)
Center for Women’s Global Leadership
Centro Nuovo Modello di Sviluppo – New Center Model of Development (Italy)
Civil Watch Association of Financial Institutions (Hungary)
Clear Water Society (Hungary)
Company of the Daughters of Charity of St. Vincent de Paul
Concord Denmark (Denmark)
Congregation of Saint Jospeh (USA)
Consorzio Ctm altromercato (Italy)
Consumers Association (India)
Consumers International
Corporate Europe Observatory (Belguim)
Cultural and Environmental Association of Keresztur (Hungary)
Dominican Leadership Conference
ECA Watch Austria (Austria)
Ecologistas en Acción (Spain)
ELTE Environmental Sciences Club (Hungary)
E-misszió Environmental Association (Hungary)
Eurodad – European Network on Debt and Development
European Attac Network
Fair, Fair Trade Organization in Italy (Italy)
Fairtrade Foundation (UK)
Federazione Italiana Bancari e Assicurativi – Italian Federation of Bankers and Insurance
FIBA- CISL (Italy)
Focus on the Global South
Food & Water Europe
Food Ethics Council (UK)
Foundation Oyugis Integrated Project (Netherlands)
Friends of the Earth (Europe)
Friends of the Earth (France)
Friends of the Earth (US)
Gender Action (US)
Green Action Association (Hungary)
Green Answer (Hungary)
Green Island Circle (Hungary)
Green Umbrella Project (Hungary)
Hungarian Climate Alliance (Hungary)
Hungarian Union for Climate Protection (Hungary)
Institute for Agriculture and Trade Policy – IATP
Institute for Policy Studies, Global Economy Project (USA)
International Grail Movement (Netherlands)
JNM, jeugdbond voor natuur en milieu – youth movement for nature and environment
(Belgium)
Jubilee Debt Campaign (UK)
Kairos Europe (Belguim)
Kenya Debt Relief Network – KENDREN (Kenya)
La Gabbianella Coordinamento per il Sostegno a distanza onlus (Italy)
Leadership Conference of Women Religious (USA)
Living Houses (Hungary)
M.A.I.S. Ngo (Italy)
Magosfa Foundation for Environmental Education and Ecotourism (Hungary)
Mani Tese (Italy)
Marianists International (USA)
Maryknoll Office for Global Concerns (USA)
Medical Mission Sisters (USA)
Mexican Action Network on Free Trade (Mexico)
Mill Hiill Missionary (Netherlands)
Missionaries of Africa (Netherlands)
Missionaries of the Society of the Divine Word in Teteringen (Netherlands)
Missionary Holy Ghost Sisters (Netherlands)
Moccantó Society (Hungary)
New Economics Foundation (UK)
New Rules for Global Finance Coalition (USA)
ÖBV – Via Campesina Austria (Austria)
People & Planet (UK)
PLANT – Partners for the Land & Agricultural Needs of Traditional Peoples (USA)
Platform Aarde Boer Consument – Earth, Farmer, Consumer (Netherlands)
Red Mexicana de Acción frente al Libre Comercio – RMALC (Mexico)
Religious Sisters of Charity (UK)
Savona Province Administration (Italy)
Second Chance Foundation, NYC (USA)
Share The World’s Resources
Silvavitae Conservation society (Hungary)
Sisters of Charity (Netherlands)
Soil Association (UK)
SoL Hungary (Hungary)
SOMO – Centre for Research on Multinational Corporations (Netherlands)
SWISSAID (Switzerland)
SZIKE Enviromental & Health Association (Hungary)
Terra Nuova centro per il Volontariato – New earth center for the Voluntary service (Italy)
The Affording Hope Project (USA)
The Corner House (UK)
The Seed Institute (Kenya)
The Spiritan Province Congregation of the Holy Spirit (USA)
ThuzeuszFoundation (Hungary)
Traidcraft Exchange (UK)
Védegylet – Protect the Future (Hungary)
War on Want (UK)
Waste Reduction Alliance (Hungary)
Welthaus Diocese Graz-Seckau (Austria)
WhyHunger (USA)
WIDE Network (Belgium)
World Development Movement (UK)
World Economy, Ecology & Development (Germany)
WOWS – Wide Open World Security, Open Society (Hungary)
Xarxa de l’Observatori del Deute en la Globalització (ODG, Spanish State)
Zoldtars Envionrmental Foundation (Hungary)

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Spenden für die Unterstützungsarbeit der lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz

Bitte um Spenden für die Unterstützungsarbeit der lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz an der Bucht von Sepetiba, Rio de Janeiro.

Das bundesweite Netzwerk der Brasilien-Solidaritätsgruppen Kooperation Brasilien (KoBra) bittet dringend um Spenden zur Unterstützung der lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA an der Bucht von Sepetiba.
Mit den Spenden werden die von unserer Partnerorganisation PACS koordinierten Aktivitäten wie Informationsvermittlung, Rechtsberatung, Bildung, Vernetzung, Mobilisierung sowie Organisation der Stadtteilversammlungen der AnwohnerInnen und der FischerInnen finanziert. Diese sind angesichts der sich aktuell zuspitzenden Situation dringend notwendig.

Denn nur wer seine Rechte kennt, kann sich auch zur Wehr setzen.

Bankverbindung/Spende: Kooperation Brasilien e.V.
Postbank Karlsruhe (BLZ 66010075)
Kto.-Nr. 301011-752 Stichwort: “Bucht von Sepetiba”

KoBra leitet die Gelder abzugsfrei nach Brasilien an die Nichtregierungsorganisation PACS weiter, die den Widerstand der lokalen AnwohnerInnen unterstützt. KoBra setzt sich allgemein für die als besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Zwecke “Förderung der Völkerverständigung” ein, die laut Abschnitt A, Nr.10 der Anlage 1 zu § 48 Abs.2 EStDV als besonders förderungswürdig anerkannt sind. KoBra ist berechtigt, für Spenden Zuwendungsbestätigungen nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (§ 50 Abs. 1 EStDV) auszustellen.

Zum Hintergrund:

Der Konflikt um den Fall des Stahlwerkes ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz an der Bucht von Sepetiba, Rio de Janeiro.

ThyssenKrupp CSA ist wegen wiederholten Umweltverstößen von den Behörden mit Geldbußen und Entschädigungszahlungen belegt worden. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Gesundheitsgefährdung der Anwohner erhoben.

Die 8.000 lokalen FischerInnen der Bucht von Sepetiba mussten seit Beginn der Bauarbeiten im Jahre 2006 massive Einkommensverluste von bis zu 80 Prozent hinnehmen. Ihre Lebensgrundlage wurde ihnen geraubt.
AnwohnerInnen und FischerInnen leiden massiv unter den Umweltauswirkungen dieses größten Stahlwerks Lateinamerikas. Dagegen setzt unsere Partnerorganisation PACS in Brasilien vor Ort auf Informationsvermittlung, Rechtsberatung, Bildung, Vernetzung und Mobilisierung.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage:


http://www.kooperation-brasilien.org/


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Arbeitskonflikt zwischen Triumph und asiatischen Gewerkschaften: Schweizer OECD-Kontaktpunkt als schlechter Schlichter

Berlin, 31.01.2011 – Ohne dass es je zu einem Mediationstreffen kam, hat der Schweizer Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen überraschend das Beschwerdeverfahren gegen den Dessous-Produzenten Triumph International beendet, das nach der Einreichung einer Beschwerde von Gewerkschaften aus Thailand und von den Philippinen begonnen hatte. Ohne vorherige Gewerkschaftsverhandlung hatte Triumph International im Sommer 2009 3600 Arbeiterinnen in Thailand und auf den Philippinen entlassen, worauf die Gewerkschaften eine Beschwerde eingereicht hatten. Die Entscheidung des Nationalen Kontaktpunkts (NKP) in der Schweiz wirft ernsthafte Fragen bezüglich der Mediationsbereitschaft von Triumph und der Bereitschaft des NKP auf, seiner Rolle als unparteiischer Vermittler gerecht zu werden.

Obwohl Triumph zu Beginn Offenheit für eine Vermittlung durch den NKP signalisierte hatte, hat das Unternehmen später Mediationstreffen abgelehnt, in denen Kernpunkte der Beschwerde besprochen werden sollten. Der NKP beugte sich der Unternehmenshaltung und ließ damit zu, dass der Mediationsversuch endete, noch bevor es je zu einem Treffen mit den Gewerkschaften kam.

Melona Daclan von Defend Job Philippines sagt über das Beschwerdeverfahren: „Der NKP hat kaum Arbeit geleistet und die Korrespondenz zwischen Triumph und den Gewerkschaften hin- und hergeschickt, nie jedoch mit einem konstruktiven Vorschlag die Organisation eines Mediationstreffens unterstützt oder den Fall unabhängig untersucht.“ Defend Job Philippines ist eine der Organisationen, welche die Beschwerde eingereicht hatten.

In der Schlusserklärung gibt der NKP keine Einschätzung ab, ob die OECD- Leitsätze von Triumph verletzt wurden und spricht auch keine Empfehlung für die bessere Implementierung der Leitsätze aus, wie es dem NKP eigentlich vorgeschrieben ist. „Der Beschwerdemechanismus verkommt zu einem zahnlosen und unnützen Instrument, wenn der NKP sich nicht einmal dazu äussert, ob es zu einer Verletzung der OECD-Leitsätze kam“, sagt Julia Thimm von INKOTA/Kampagne für Saubere Kleidung. „Die Schlusserklärung trägt nichts zur Lösung des Arbeitskonfliktes bei. Im Gegenteil: Die Erklärung sendet Firmen das Signal, dass sie machen können, was sie wollen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden.“

„Die minimalistische Art, wie der Schweizer NKP die Beschwerde abgewickelt hat, zeigt, wie nötig Mindeststandards für die Bearbeitung von Beschwerden sind, damit sich derartige Mängel in Zukunft nicht wiederholen“, so Joseph Wilde-Ramsing vom internationalen ‚Corporate Accountability‘-Netzwerk OECD Watch. „Die aktuelle Überarbeitung der OECD-Leitsätze bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Richtlinien für die NKPs und damit deren Funktionieren zu verbessern. Regierungen müssen jetzt aktiv werden und die nötigen Anpassungen anpacken.“

Der NKP hat sich geweigert, notwendige Mediationstreffen in Thailand oder den Philippinen abzuhalten und war auch nicht gewillt, die Beschwerdeführerinnen finanziell für eine Reise in die Schweiz oder für die Übersetzung von Schlüsseldokumenten zu unterstützen. Dies erschwerte den Zugang zum Beschwerdemechanismus und machte es für die Gewerkschafterinnen schwierig, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Heiner Köhnen von TIE Internationales Bildungswerk e.V. ergänzt: „Es ist sehr unbefriedigend zu sehen, dass der Schweizer NKP nicht gewillt war, den Gewerkschaften eine echte Chance zu geben und Triumph die Freiheit gab, die Agenda zu diktieren.“ TIE hatte den Gewerkschaften bei der Einreichung der Beschwerde beratend zur Seite gestanden.

Für weitere Informationen:
Julia Thimm
Kampagne für Saubere Kleidung
c/o INKOTA-netzwerk e.V., Chrysanthemenstr. 1-3, 10407 Berlin
Mobil: +49 (0) 179 90 93 684
thimm@inkota.de
www.inkota.de/triumph


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Kampagne „Daimler – Star of Apartheid“: Übergabe von Protestunterschriften an Daimler in Stuttgart


Konzern übernimmt keine Verantwortung für Geschäfte mit Apartheidregime

Anlässlich des südafrikanischen Tages der Versöhnung am 16. Dezember überreichten Menschenrechtsaktivisten, die sich in der Kampagne „Daimler – Star of Apartheid“ zusammengeschlossen haben, mehrere Tausend Protest-Unterschriften an Daimler. Die Kampagne sammelte während der Fußball-Weltmeisterschaft Unterschriften, um Daimler zu einer angemessenen Entschädigung für die Überlebenden des Apartheidregimes zu bewegen.

Die Daimler AG machte profitable Geschäfte mit dem Regime. Dem Unternehmen wird in einem laufenden Gerichtsverfahren vorgeworfen, damit Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen geleistet zu haben. Bereits 1966 wurde das Apartheidsystem in Südafrika von der Vollversammlung der UN als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnet.

„Trotzdem verkaufte Daimler Fahrzeuge und Maschinen an das Regime. Fahrzeuge mit denen die Sicherheitskräfte den politischen Protest bekämpften“, erläutert das Kampagnenbündnis von Nichtregierungsorganisationen (darunter medico international, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika, Koordination Südliches Afrika, Solidaritätsdienst-international). „Daher soll die Daimler AG ihre Mitverantwortung gegenüber den Opfern endlich übernehmen“ fordert das auch von attac, der Bundeskoordination Internationalismus, IG Metall Vertrauensleuten, und Betriebsräten des Daimler-Werkes in Bremen und vielen Einzelpersonen unterstützte Bündnis.

In Südafrika wird die Kampagne von dem größten Apartheid-Opferverband des Landes, der Khulumani Support Group getragen. „Ohne die Beteiligung internationaler Unternehmen an der dringend benötigten finanziellen Entschädigung der Opfer wird der Versöhnungsprozess nicht abgeschlossen werden können“, so Marjorie Jobson, Direktorin von Khulumani.

Am Donnerstag, den 16. Dezember wurden die Unterschriften um 11 Uhr vor den Toren des Stuttgarter Werkes in der Mercedesstraße 137 stellvertretend an einen Daimler-Betriebsrat übergeben, da die Konzernzentrale sich weigert, diese persönlich entgegen zu nehmen.

Georg Rapp, Betriebsrat im Daimler-Werk Untertürkheim, sagt dazu: „Diese Haltung des Daimler-Vorstands ist nicht akzeptabel. Die Bilder der militärisch aufgerüsteten Daimler-Unimogs, die in den Townships sogar gegen demonstrierende Schüler eingesetzt wurden, sind nicht vergessen. Der Konzern muss sich seiner Verantwortung für diese Unterstützung des Apartheidregimes stellen!“


KHULUMANI STATEMENT FOR HANDING-OVER CEREMONY:

Twelve years after the Human Rights Hearings of the South African Truth and Reconciliation Commission (TRC) concluded in 1998, the issue of delivering on redress for the victims and survivors of apartheid gross human rights abuses, has been mainstreamed in the South African media.

Just over one month ago, the South African Department of Justice and Constitutional Development acknowledged that government had failed to adequately embrace the urgent needs of victims and survivors of apartheid gross human rights atrocities through reparative and rehabilitative measures. The department expressed the view that their stringent adherence to the very limited number of some 17,000 victims identified by the South African TRC, had left those who had made some of the greatest sacrifices in the achievement of a democracy in South Africa in situations of destitution and exclusion. Government acknowledged both its legal and its moral obligation to provide reparative justice to victims and survivors, especially given the several opportunities created for perpetrators to be pardoned or to be given immunity from prosecution.

While South African officials take stock of the measures still needed to redress a horrendous and costly past, Daimler as the lead defendant in the South Africa Apartheid Litigation, has stubbornly refused to acknowledge its complicity in the perpetration of the crimes of apartheid.

As Khulumani’s German partners submit their calls to Daimler today, demanding that Daimler come clean on its past complicity with the apartheid regime, which it equipped with the the commodities used to kill and severely injure opponents of the hated apartheid state, Khulumani also calls on Daimler AG to take a stand to assist in redressing this abhorrent past.

By instituting actions to make amends for its complicity in committing harms against civilians in South Africa during apartheid, Daimler AG would counter the serious reputational damage it has sustained for its contribution to the commission of these historical crimes.

Daimler’s STAR continues to be associated with this history of apartheid death and destruction. This is a memory that has not been erased in South Africa whose citizens experienced its own Holocaust aided and abetted by the corporate complicity of Daimler AG amongst others.

Issued by Marjorie Jobson, National Director of Khulumani Support Group,
a national membership organisation of 65,000 victism and survivors of apartheid atrocities

Rückfragen und Interviews:

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Dieter Simon, Koordination Südliches Afrika, Tel. 0178 3488719
*

Anne Jung, medico international, Tel. 0179 1230719
*

Simone Knapp, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika, Tel. 0163 7302888

Mehr Informationen zur Kampagne unter:

www.star-of-apartheid.de


www.kosa.org/thema_entschaedigung.html

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Kommuniqué der ägyptischen Kommunistischen Partei

Die Revolution geht weiter bis zur Verwirklichung der Forderungen des Volkes

Die Stunde der Wahrheit naht. Die Stunde in der das ägyptische Volk den Sturz Mubaraks und seines Regimes durchsetzen wird.

Das Unterdrückungsregime erlebt seinen letzten Augenblick, vor allem nach dem es seine US-Sponsoren, in der Folge der Volksrevolution, die stetig anwachsend alle Städte und Regionen Ägyptens erfasst, verlassen haben.

Die heutigen Demonstrationen haben Millionen Bürger hinter der der Forderung nach einer Abreise Mubaraks versammelt. Sie garantieren, dass jeder Komplott des Diktators und seiner Bande, die Revolution zu zerstören, zum Scheitern verurteilt sein wird.

Das Abkommen zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien zur Gründung eines Wohlfahrtsausschusses, dass die Forderungen der Volksmassen, und im besonderen der Demonstranten aufnimmt, ist ein wesentlicher Punkt um die politischen, ökonomischen und sozialen Forderungen der Revolution zu erfüllen.

Deshalb bestehen wir auf den wesentlichen Forderungen, die von allen patriotischen Kräften, die im konstituierten Volksparlament vertreten sind, akzeptiert werden:

  1. 1. Den Sturz Mubaraks durchsetzen und einen Präsidialrat für eine zeitlich begrenzte Periode bilden;
  2. Eine Koalitionsregierung bilden, die sich der Führung des Landes während einer Übergangsperiode annimmt;
  3. Den Appell für eine verfassungsgebende Versammlung, die gewählt wird mit der Aufgabe der Ausarbeitung einer neuen Verfassung auf der Grundlage des Prinzips der nationalen Souveränität und die diesen Wechsel im Rahmen eines laizistischen, demokratischen und gerechten Staates garantiert;
  4. Die Verantwortlichen der Massaker, die hunderten Märtyrern das Leben gekostet haben und Tausende Verletzte gefordert haben, vor Gericht stellen, aber auch die Verantwortlichen für die Korruption, die die Reichtümer, die vom ägyptischen Volk geschaffen wurden, gestohlen haben.

Es lebe die Revolution des ägyptischen Volkes!

Kairo, den 1. Februar 2011

Übersetzung aus dem Französischen: Martin Hantke

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Zeitungsanzeige für die Cuban Five in “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald”

Am 24. Januar 2011 wurde eine Anzeige für die Cuban Five in “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald” veröffentlicht.


Die Organisation der Alianza Martiana haben diese Anzeige organisiert. In der anzeige wird die für die Cuban Five gefordert. Die Anzeige ist in der gedruckten Ausgabe von “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald” erschien. Schon am 11. Januar hatte Alianza Martiana die gleiche Anzeige auf einer Plakatwand in Miami plakatiert.

Anlässlich der Einschüchterung des rechtsradikalen Flügels hatte die Firma, der die Plakatwand gehörte, das Plakat 24 Stunden nach ihrer Errichtung wieder entfernt. Dies zeigt einmal mehr den intoleranten, zornigen und antidemokratischen Charakter der kubanisch-amerikanischen Rechten in Miami.

Die von der Alianza Martiana heute veröffentlichten Anzeigen in The Miami Herald und El Nuevo Herald zeigen, dass sich die Menschenrechtler in Miami nicht einschüchtern lassen und die Forderung, dass den Cuban Five unverzüglich durch eine präsidiale Begnadigung Freiheit gewährt werden muss, weiterhin öffentlich machen.

Die nationale Kampagne in den Vereinigten Staaten und die weltweite Kampagne in Ländern aller Kontinente weitet sich aus und vertieft sich. Den Organisatoren kann man nur äußersten Respekt entgegenbringen, da die politische Rechte in Miami massiv gegen Aktivisten Stimmung macht und diese auch bedroht.

Gemeinsam werden wir weiterhin dafür kämpfen, bis unsere Forderung “Freiheit für die Cuban Five” endlich umgesetzt wird!

(Quelle: Andres Gómez, Leiter von Areítodigital- http://www.freethefive.org/updates/Comuniques/COAlianzaAd012411.htm

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OXFAM: Spekulanten setzen Menschenleben aufs Spiel

Oxfam begrüßt Aigners Vorstoß gegen Nahrungsmittelspekulation

“Spekulanten setzen Menschenleben aufs Spiel”

Berlin, 20. Januar 2011. Zu Beginn der Internationalen Grünen Woche diskutieren am Samstag Agrarminister aus aller Welt die angespannte Lage auf den Weltgetreidemärkten und die Rolle der Spekulation. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner will die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln eindämmen. Oxfam begrüßt den Vorstoß der Ministerin. “Wenn Spekulanten auf steigende Preise wetten, setzen sie Menschenleben aufs Spiel”, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. “Mehr als 100 Millionen Menschen mussten im Jahr 2008 hungern, weil Spekulanten den Preisanstieg anheizten und auf hohe Gewinne setzten”, so Wiggerthale. Oxfam fordert daher von der Bundesregierung, bei den anstehenden EU-Finanzmarktreformen und im G20-Prozess Regeln zu formulieren, die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln unterbinden.

Hedgefonds, Indexfonds und Banken treiben die Preise hoch

“Gelockerte Finanzmarktregeln in den USA haben die Spekulation mit Getreide angeheizt und die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln befördert”, erklärt Wiggerthale. Die von Banken aufgelegten Indexfonds im Agrarbereich entwickelten sich zur attraktiven Anlage, insbesondere für Pensionsfonds, Versicherungen und Staatsfonds. “Wer auf Indexfonds setzt, will von steigenden Agrar- bzw. Getreidepreisen profitieren”, so Wiggerthale. Auch Hedgefonds mischten kräftig mit. Als Marktkenner setzten sie je nach Trend auf steigende oder fallende Preise, um kurzfristige Profite zu erzielen.

Lage auf den Weltgetreidemärkten sehr angespannt

“Die Mais- und Weizenpreise sind bereits im letzten halben Jahr stark gestiegen”, warnt Wiggerthale. Die Maispreise lägen nur 10 Prozent unterhalb des Höchstwertes im Juni 2008, während der Nahrungsmittelkrise. Bei Weizen sei der Preisanstieg noch nicht bedrohlich (31 Prozent unterhalb des Höchstwertes im März 2008), aber die Wettervorhersagen gäben Anlass zur Sorge um die Ernten. In stark von Weizenimporten abhängigen Ländern wie Sudan, Mauretanien, Afghanistan und Mongolei verursachen die Weltmarktpreise bereits Preissteigerungen im Inland.* “Die Preisentwicklung bei Weizen und Mais lässt sich nicht allein mit den fundamentalen Marktdaten – Angebot, Nachfrage, Lagerbestände – erklären”, stellt Wiggerthale klar.

Hier ein Dokument in Englisch von der FAO

Weitere Informationen zum Download:

Hintergrundpapier zur Nahrungsmittelspekulation:www.oxfam.de/publikationen/Nahrungsmittelspekulation

Entwicklung und Geschichte der Warenterminmärkte:www.oxfam.de/publikationen/Geschichte-Warenterminmaerkte

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INKOTA: Killer Jeans: Aufruf zum globalen Produktionsstopp

Sandgestrahlte Jeans
Killer Jeans: Aufruf zum globalen Produktionsstopp

INKOTA und die Kampgane für Saubere Kleidung fordern ein Produktionsverbot für sandgestrahlte Jeans, die unter extrem gesundheitsgefährdenden Bedingungen hergestellt werden.

Einige der schicken Jeans im Used-Look oder Vintage-Style werden unter extrem gesundheitsgefährdenden Bedingungen veredelt. Damit die brandneuen Kleidungsstücke aussehen, als wären sie schon lange getragen worden, werden sie von ArbeiterInnen in Ländern wie der Türkei, Bangladesch, Ägypten, China, Brasilien oder Mexiko sandgestrahlt.

Dieses sogenannte Sandstrahlen schädigt vor allem die Lungen von ArbeiterInnen, die nicht ausreichend gegen den gefährlichen Staub geschützt sind. Schätzungsweise 4.000 bis 5.000 ArbeiterInnen erkrankten bisher alleine in der Türkei an der aus dem Bergbau bekannten Krankheit Silikose (Staublunge), 46 sind daran bereits verstorben. Die weltweite Dunkelziffer jedoch liegt viel höher, da Sandstrahlen sehr oft in der informellen Wirtschaft stattfindet. Für die Lungenkrankheit Silikose gibt es keine Heilung, ihr Ausgang ist häufig tödlich.

Die Kampagne für Saubere Kleidung arbeitet deshalb seit 2009 mit dem türkischen Solidaritätskomitee für SandstrahlerInnen (The Solidarity Committee of Sandblasting Labourers) zusammen, das im Juni 2008 in der Türkei gegründet wurde.

Das Komitee führt breit angelegte Sensibilisierungskampagnen zum Thema Sandstrahlen durch und versucht, die meist aus dem informellen Sektor stammenden ArbeiterInnen (sehr oft auch MigrantInnen) zu organisieren. Darin tätig sind ehemalige SandstrahlerInnen, ÄrztInnen, JuristInnen und GewerkschafterInnen.

Nach einem ersten Teilerfolg in der Türkei, bei dem die Sandstrahltechnik im März 2009 verboten wurde, unterstützt das Komitee vor allem ehemalige SandstrahlerInnen beim Kampf um ihre Rechte, und engagiert sich gegen immer wieder vorkommende, illegale Sandstrahlaktivitäten in der Türkei.

Da mit dem türkischen Verbot das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert wurde, ruft das Solidarity Committee of Sandblasting Labourers gemeinsam mit der Clean Clothes Campaign und ihren Bündnispartnern zum globalen Stopp der Sandstrahlaktivitäten in der Jeansindustrie auf.

Die CCC und ihre Bündnispartner fordern von allen Jeans-Markenfirmen, auf die Verwendung von Sandstrahlen unverzüglich zu verzichten. Durch geeignete Verifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit einer Multistakeholder-Initiative soll die Durchsetzung dieses Stopps in der gesamten Produktionskette sichergestellt werden. Wir fordern außerdem, dass Markenfirmen die Verantwortung für ArbeiterInnen übernehmen, die bereits an Silikose erkrankt sind. Sie sollen eine angemessene Wiedergutmachung leisten.

Nationale Regierungen sollen die Sandstrahltechnik in der Jeansproduktion rechtlich unterbinden. Wir fordern außerdem , dass die Arbeitsschutzbestimmungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. Zusätzlich fordern wir, dass die bereits an Silikose erkrankten ArbeiterInnen Unterstützung, soziale und medizinische Leistungen sowie eine Arbeitsunfähigkeitsrente vom Staat erhalten – ungeachtet der Tatsache, ob sie in der formellen oder informellen Wirtschaft tätig waren.

KonsumentInnen sollen nach sandstrahlfreien Jeans fragen und den Firmen rückmelden, dass sie keine Killer-Jeans kaufen wollen.

Vom 22. bis 26. November fand in Istanbul eine viertägige Konferenz der CCC und ihrer Bündnispartner statt, an der über 100 Arbeitsrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Frauenorganisationen aus der ganzen Welt vertreten waren. Auf der Konferenz wurde ein Manifest zum globalen Bann der Sandstrahltechnik in der Jeansproduktion verabschiedet. Dieses wird auf einer Pressekonferenz am 27.11. in Istanbul vorgestellt.

Beteiligen Sie sich hier und unterzeichnen Sie das Manifest!

Hier könnt Ihr unterschreiben

Organisationen können das Manifest unterzeichnen, indem sie eine formlose E-Mail an Julia Thimm: thimm@inkota.de schreiben.


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Nächtliche antikoloniale Aktion im Afrikanischen Viertel

Nächtliche antikoloniale Aktion zu deutsch zum kritisch sein…
(aus Indimedia übernommen: link hier )

In der letzten Nacht (vom 13. auf den 14. Dezember) erfolgte eine groß angelegte Straßenumbenennung im Norden von Berlin. Die Bewohner_Innen des sogenannten „afrikanischen Viertels“ wohnen seither in einer Gegend, in der an jeder Ecke an Akteur_innen und die Praxis des antikolonialen und antirassistischen Widerstandes erinnert wird.

Das „afrikanische Viertel“ war bislang dominiert durch Straßennamen, die die deutsche koloniale Vergangenheit an jeder Ecke wieder aufleben ließen. Persönlichkeiten wie Gustav Nachtigal, Alfred Lüderitz und Carl Peters wurden für ihre blutigen Verdienste in nicht unbeachtlicher Höhe ausgewiesen. Auch eine Gartenanlage mit dem treffenden Namen „Kolonie Togo“ befand sich in dieser illustren Gesellschaft, die durch zahlreiche schwarz-rot-goldene Stofffetzen zusätzlich aufgewertet wurde.

Bislang gab es kaum öffentlich Diskussionen über die mehr als gewichtige historische Symbolik dieser Straßen. Zwar war die Petersallee offiziell nicht mehr Carl Peters gewidmet, eine Umbenennung wurde allerdings nicht durchgeführt, da diese kurzerhand dem CDU Politiker Hans Peters (sic!) überholfen wurde.

Dieser koloniale und rassistische Konsens wurde in der letzten Nacht mehr als nur symbolisch durchbrochen. Aktivist_Innen überklebten alle vorhandenen Straßenschilder der weiter unten aufgeführten Straßen. Dazu wurden diese mit Namen von Persönlichkeiten des antikolonialen, antirassistischen und antikapitalistischen Kampfes versehen. Die Namen stehen dabei symbolisch für alle Menschen, die unter der täglichen Unterdrückung und Ausbeutung leiden, litten und weiter leiden werden. Sie sollen aber auch zeigen, dass Revolutionen und fortschrittliche Bewegungen in den sogenannten „Kolonien“ und den nationalen Konstrukten der (post)kolonialen Zeit existierten, auch wenn unsere so aufgeklärte westlich geprägte Wahrnehmung diese allzu oft negierte oder schlicht nicht beachtete.

Neben den Umbenennungen wurden großflächig Plakate angebracht, die an die Anwohner_Innen gerichtet sind und die Hintergründe der Aktion beleuchten. Der Text dieser Plakate ist nachfolgend dokumentiert:

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,

wir möchten ihnen mitteilen, dass in diesem Gebiet kürzlich Straßenumbenennungen stattgefunden haben. Zur besseren Orientierung möchten wir sie kurz über die Hintergründe und die Bedeutung der neuen Namen in Kenntnis setzen.

Viele der Straßen im Wedding erhielten ihren Namen während der brutalen Kolonisierung afrikanischer Regionen durch die Deutschen zwischen 1884 und 1918. Daher sind diese Straßen nach Ländern und „Persönlichkeiten“ benannt, die diese Ungerechtigkeiten zu verantworten hatten. Deutschland hat seine kolonialen Verbrechen bis heute weder richtig aufgearbeitet, noch die Verantwortung für deren Folgen übernommen. Stattdessen profitiert die deutsche Bevölkerung fortwährend von den politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die von den europäischen Ländern in der Kolonialzeit geschaffen wurden. Es ist Menschen verachtend, wenn Straßennamen, die der grausamen Eroberungspolitik der Deutschen gewidmet sind, bis heute unhinterfragt existieren können. Aus diesem Grund werden folgende Straßen umbenannt:

LUMUMBAPLATZ
gewidmet Patrice Lumumba, dem ersten Ministerpräsidenten des Kongo, ermordet vom belgischen Geheimdienst und der CIA (ehemals Nachtigalplatz, 1910 benannt nach Gustav Nachtigal, mitverantwortlich für die Kolonisierung Südwestafrikas, dem heutigen Namibia)

BANTU-BIKO-STR.
gewidmet dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Steve biko, der 1977 von den in Südafrika lebenden europäischen Rassisten zu Tode gefoltert wurde (ehemals Swakopmunder Str., 1910 benannt nach einer Stadt in der deutschen Kolonie Südwestafrika)

RODNEYALLEE gewidmet dem Afrikahistoriker Walter Rodney, der für die geistige Freiheit Afrikas kämpfte und vom CIA ermordet wurde (ehemals Petersallee, benannt nach Carl Peters, verantwortlich für die Kolonisierung Deutsch-Ostafrika; später an den CDU-Politiker Peters umgewidmet)

KEN-SARO-WIWA-STR.
gewidmet dem hingerichteten Umweltschützer Ken Saro-Wiwa, der in Nigeria gegen die Zerstörung seiner Heimat durch den Ölkonzern Shell gekämpft hatte (ehemals Kolonie Togo, benannt nach der deutschen Kolonie Togo)

HENDRIK-WITBOOI-STR.
gewidmet dem Widerstandskämpfer Hendrik Witbooi, führte die Nama im Kampf gegen die deutsche „Schutztruppe“ (ehemals Lüderitzstr., benannt nach dem Kolonialbefürworter Alfred Lüderitz)

LILIAN-NGOYI-STR:
gewidmet der südafrikanischen Freiheitskämpferin Lilian Ngoyi (ehemals Otawistr., 1911 benannt nach einer Ortschaft in der deutschen Kolonie Südwestafrika)

MUMIA-ABU-JAMAL-STR.
gewidmet dem politischen Gefangenen Mumia-Abu-Jamal, der seit 1981 aus rassistischen Gründen unschuldig im Gefängnis sitzt (ehemals Windhuker Str., 1910 benannt nach der Hauptstadt der deutschen Kolonie Südwestafrika)


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DIE LINKE: Zum Protest der Sahrauis

Zum Protest der Sahrauis in der besetzten Westsahara

Beschluss des Parteivorstandes vom 31. Oktober 2010

DIE LINKE ist solidarisch mit den gut 14.000 Sahrauis, die ihre Wohnorte verlassen und außerhalb von Al Aaiun, Smara und Boujdar Zeltstädte errichtet haben, um auf ihre unerträgliche Lebenssituation in dem durch das Königreich Marokko besetzten Teil der Westsahara aufmerksam zu machen. Die Sahrauis werden in dem marokkanisch kontrollierten Landesteil nicht nur sozial stark benachteiligt  – der Besitz von Häusern und das Betreiben von Geschäften ist ihnen verwehrt, der Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen wird erschwert – sie sehen sich auch massiven Menschenrechtsverletzungen durch die marokkanischen Sicherheitsbehörden ausgesetzt, wie die Hohe Kommissarin für Menschenrechte, das Europäische Parlament  und amnesty international in verschiedenen Berichten feststellen.

DIE LINKE verurteilt die von den marokkanischen Sicherheitskräften ausgehende Gewalt gegen die Demonstranten, bei der ein 14 Jahre alter Junge ums Leben kam und mehrere schwer verletzt wurden. Weiterhin verurteilen wir die Blockade der Protestcamps durch die Sicherheitskräfte und fordern den freien Zugang der Demonstranten zu Wasser, Nahrung und Medikamenten.

DIE LINKE sieht in der Besatzung und Ausbeutung der Westsahara durch das Königreich Marokko das ursächliche Problem für die angespannte Situation und die Perspektivlosigkeit der rund 300.000 Sahrauis: Seit 1991, dem Jahr der Einsetzung der UN-Mission “zur Gewährleistung eines Referendums in der Westsahara” (MINURSO) warten die Sahauris auf die Möglichkeit, sich für die Unabhängigkeit von, oder die Integration in Marokko zu entscheiden. Seit dieser Zeit blockiert das Königreich Marokko die Abhaltung des als Teil des Waffenstillstandsabkommens beschlossenen, ergebnisoffenen Referendums und verstößt mit der seit nunmehr 33 Jahren anhaltenden Besetzung der Westsahara gegen zahlreiche UN-Resolutionen und ein Urteil des Internationalen Gerichtshof.

DIE LINKE teilt die Rechtsauffassung des Juristischen Dienstes des Europaparlaments, dass der Fischfang im Rahmen des Fischereiabkommens zwischen der EU und Marokko, weder in Konsultation mit der sahrauischen Bevölkerung der Westsahara stattfindet, noch die Bevölkerung die Einnahmen aus der Verwertung ihrer eigenen reichen Fischbestände erhält. Bereits 2002 stellte der UN-Rechtsberater Hans Corell die Rechtswidrigkeit der EU-Fischereiabkommen mit Marokko fest. Damit wird einer Festlegung des völkerrechtlichen Status der Westsahara vorgegriffen, indem die unveräußerlichen Rechte der Völker der Gebiete ohne Selbstregierung auf ihre natürlichen Ressourcen durch die Abkommen nicht gesichert und garantiert seien.

DIE LINKE lehnt das Projekt DESERTEC ab. Dieses Projekt deutscher Großunternehmen wie z.B. Münchener Rück, Siemens, Eon, RWE und Deutsche Bank wirft neben umweltpolitischen vor allem auch außenpolitische, menschenrechtlich und entwicklungspolitische Fragen auf, die auch mit der von Marokko völkerrechtswidrig besetzten Westsahara zusammenhängen. Denn auch hier will man in Kooperation mit Marokko aktiv werden. Zudem würden Tatsachen geschaffen, die einer Festlegung des völkerrechtlichen Status der Westsahara vorgreifen

Der verzweifelte Versuch der Demonstranten, die dringend notwendige Öffentlichkeit für die Überwindung dieses nun schon über 30 Jahre anhaltenden Konfliktes zu schaffen illustriert das fehlende Engagement der Europäischen Union und Ihrer Mitgliedsstaaten, in der Westsaharafrage zu einer Lösung zu kommen und dem sahrauischen Volk eine Perspektive zu geben. Konkret fordern wir die EU und die Bundesregierung auf:

- Für die Unversehrtheit der Demonstranten einzutreten

-  in ihren Beziehungen zum Königreich Marokko die marokkanische Besetzung der Westsahara auf den Tisch zu bringen und sich für eine Lösung im Einklang mit den bestehenden VN-Resolutionen einzusetzen.

- Gegen die illegale Ausbeutung der Ressourcen der Westsahra aktiv zu werden und das Fischereiabkommen zwischen der EU und Marokko nicht zu verlängern

-  sich für die Aussetzung des fortgeschrittenen Status (advanced status) der Beziehungen zwischen der EU und Marokko einzusetzen, bis Marokko die politische Verfolgung der Sahrauis einstellt und all jene Personen freilässt, die wegen des Versuchs, ihre bürgerlichen und politischen Grundrechte wahrzunehmen, willkürlich verhaftet wurden sowie bis zu dem Zeitpunkt, bis Marokko die Umsetzung der vom UNO-Sicherheitsrat geforderten Durchführung eines Referendums gewährleistet.

DIE LINKE wird weiterhin für eine friedliche Lösung des Westsaharakonflikts eintreten und sich in internationalen Zusammenhängen für das Recht auf Selbstbestimmung des sahrauischen Volkes engagieren.

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Heike Hänsel: Keinen Kolonialismus durch Hintertür


“Es ist ein Skandal, dass die EU-Regierungschefs mit ihrer neoliberalen Handelspolitik bewusst in Kauf nehmen, dass in Afrika regionale Märkte zerstört und regionale Handelsstrukturen zugunsten der Profite der transnationalen Konzerne zerschlagen werden”, erklärt Heike Hänsel, die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE anlässlich des heute beginnenden EU-Afrika-Gipfels in Tripolis, Libyen. Hänsel weiter:

“Mit der “Gemeinsamen EU-Afrika-Strategie” setzt die EU ihre bisherige Politik der einseitigen Verfolgung von Wirtschafts- und Rohstoffinteressen großer Konzerne massiv fort. Gleichzeitig wird über Militär- und Polizeikooperationen der Kontinent weiter militarisiert. Es zeigt sich überdeutlich, dass bei den Verhandlungen über die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) mit den AKP-Staaten nicht die Entwicklungsinteressen dieser Staaten im Mittelpunkt der Verhandlungsstrategie der EU stehen, sondern einseitig die weitgehende Liberalisierung des Güterhandels zur Erschließung von neuen Märkten. Die Verhandlungen werden von Seiten der EU mit einem massiven politischen und wirtschaftlichen Druck, sogar mit offenen Drohungen gegen die AKP-Staaten geführt. Damit wird der koloniale und imperiale Charakter der Europäischen Union immer deutlicher.

Die Beziehungen zwischen der EU und Afrika müssen zugunsten einer wirklichen Partnerschaft verändert werden. Der EU-Afrika-Gipfel steht hierfür jedoch unter völlig falschen politischen Vorzeichen durch die EU. DIE LINKE unterstützt daher den Protest sozialer Bewegungen in den afrikanischen Staaten, die sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass sich die Staaten Afrikas gegen diese Bevormundung durch die EU zur Wehr setzen können. Wir wollen solidarische Beziehungen und eine wirkliche Entwicklungspartnerschaft zwischen Afrika und der EU erreichen, die auf selbstbestimmte Armutsbekämpfung, Ernährungssouveränität, Klimaschutz sowie regionaler sozialer und ökonomischer Integration fokussiert.”


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VENRO: Drastische Kürzungen bei Humanitärer Hilfe

PRESSEMELDUNG
33/2010

Entwicklungsetat 2011: Internationale Verpflichtungen nicht erreichbar
Drastische Kürzungen bei Humanitärer Hilfe

Bonn, 26. November 2010 – Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
(VENRO) begrüßt, dass der Entwicklungsetat trotz knapper Kassen von Kürzungen verschont geblieben ist. Er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Bundesregierung ohne Erhöhungen in den nächsten Jahren ihre internationalen Verpflichtungen nicht erfüllen kann. Besonders besorgniserregend sind laut VENRO die drastischen Kürzungen bei der Humanitären Hilfe im Haushalt des Auswärtigen Amtes.

Für das kommende Jahr stehen nur noch 84,2 Millionen Euro für Humanitäre Hilfe zur Verfügung. Das entspricht im Vergleich zu 2010 einer Kürzung von rund 13,8 Prozent. In diesem Jahr waren die Mittel bereits im September ausgeschöpft. Die Bundesregierung selbst spricht in ihrem gerade veröffentlichten Bericht zur Humanitären Hilfe von 2006-2009 von einem weltweit steigenden Bedarf.

Der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wird im nächsten Jahr 6,22 Milliarden Euro aufweisen. Bis 2013 plant die Bundesregierung, den BMZ Haushalt auf 5,69 Milliarden Euro abzusenken.

„Notwendig ist aber nicht nur ein Anstieg des BMZ-Etats, sondern der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe“, fordert VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. Zudem sei es wichtig, dass die
einzelnen Ministerien sich untereinander besser abstimmen. „Wir brauchen mehr Kohärenz und Transparenz, etwa bei den Umschichtungen von Geldern“, so Post.


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Spendet für die Wiedererrichtung des Lumumba-Denkmals!

Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Leipzig e.V. (DAFRIG), gemeinsam mit der Gesellschaft für Völkerverständigung e.V. und dem Friedenszentrum Leipzig e.V.

Spendenaufruf

Spendet für die Wiedererrichtung des Lumumba-Denkmals!


Wir bemühen uns um die Neuerrichtung einer Stele mit einer Büste von Patrice Lumumba in der Lumumbastrasse 4. Lumumba war der erste Ministerpräsident des unabhängigen Kongo und eine herausragende Persönlichkeit der nationalen Befreiungsbewegungen Afrikas. Er wurde 1961 von belgischen Kolonialisten und ihren Helfern ermordet. Das Denkmal, das an ihn erinnerte und Jahrzehnte für die internationale Verbundenheit Leipzigs stand, wurde 1997 vandalistisch zerstört und die Büste geraubt. Unser Ziel ist es, bis zum 17. Januar 2011, dem 50.Todestag Lumumbas, das Denkmal mit einem Kostenaufwand von 6 000 Euro wieder erstehen zu lassen.

Hierzu benötigen wir solidarische Unterstützung. Für freuen uns über Ihren/ Deinen Beitrag in Form einer Spende.

Bankverbindung: Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Leipzig e.V.
Konto-Nr. 1100177775, BLZ 86055592
Sparkasse Leipzig.
Verwendungszweck: Lumumba-Denkmal.
(Spendenbescheinigungen sind erhältlich.)

Anfragen bei Dr. H.-J. Wienhold (0341/4801189)

DAFRIG Leipzige.V.,Sternwartenstr .4,04103 LeipzigTel. 0341-4929152
www.dafrig-leipzig.de, Fax032223713596, e-mail:dafrigleipzig@t-online.de
Registriert beim Amtsgericht Leipzig: VR2442
Gemeinnützigkeit unter Steuernummer 23114016446
Mitglied des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V (ENS)

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Katholische Jugend: Coca-Cola-Boykott geht weiter

Coca-Cola-Boykott geht weiter

Katholische Jugend setzt sich für konsequente Umsetzung von Menschenrechten ein.

Düsseldorf, 26. Oktober. Die katholischen Jugendverbände halten am Boykott von Coca-Cola-Produkten fest. Das hat der Hauptausschuss des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) heute in Düsseldorf beschlossen. Der BDKJ fordert von Coca-Cola und allen weltweit tätigen Unternehmen die Sicherung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen und den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

„Wir werden unsere Macht als Konsumentinnen und Konsumenten weiter nutzen“, so BDKJ-Bundesvorsitzender Dirk Tänzler. „Wir rufen dazu auf, Produkte von multinational agierenden Unternehmen mit kritischem Blick auf deren Herstellungsbedingungen zu prüfen. Denn kein Mensch sollte leiden müssen, damit wir günstig und gut einkaufen können“, so Tänzler. Der BDKJ empfiehlt, alternative Angebote zu nutzen, die regional produziert oder fair gehandelt sind. Informationen dazu gibt es auf www.bdkj.de/kritischerkonsum.

Bereits 2007 hatte der BDKJ die 660.000 Mitglieder seiner Mitgliedsverbände zu einem Boykott von Coca-Cola-Produkten aufgerufen. Der Grund: Der Gertränkehersteller ignoriert nach BDKJ-Ansicht Menschenrechtsverletzungen an Mitarbeitenden in Kolumbien und ist für Umweltzerstörung in Indien verantwortlich. „Unser Boykott hat Wirkung gezeigt und Kreise gezogen“, bilanziert Tänzler. Zahlreiche nicht nur katholische Bildungshäuser haben den Getränkeanbieter gewechselt. Die Arbeitsgemeinschaft der Jugendpastoral der Orden (AGJPO), der Landesjugendring Baden-Württemberg und einige weitere Verbände und Organisationen haben sich dem Boykott angeschlossen oder unterstützen ihn.

Zwar habe es in den vergangenen drei Jahren einen intensiven Dialog mit der Coca Cola GmbH in Deutschland gegeben. „Leider hat sich die grundsätzliche Unternehmenspolitik auch im Hinblick auf die Umsetzung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in Kolumbien und Indien nicht wesentlich verbessert“, heißt die Begründung im heute gefassten BDKJ-Beschluss „Kritisch Konsumieren für die weltweite Umsetzung von Menschenrechten“. Noch immer würden Mitarbeitende in Kolumbien mit dem Tode bedroht, weil sie ihre Interessen in einer Gewerkschaft vertreten wollten, so Tänzler. Weiterhin hätte das Unternehmen keine Verantwortung für die Absenkung des Grundwasserspiegels in Indien übernommen oder Betroffene dafür entschädigt.

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und -organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Politik, Kirche und Gesellschaft. Weitere Infos unter www.bdkj.de.

Pressekontakt: Michael Kreuzfelder, 0176 1 7956099, presse@bdkj.de


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VENRO: Bundeshaushalt 2011: Erhebliche Kürzungen für Opfer von Katastrophen

PRESSEMELDUNG
26/2010

Bonn, 26. Oktober – Hilfsorganisationen haben die von der Bundesregierung im Haushalt 2011 geplanten Kürzungen bei der Humanitären Hilfe heftig kritisiert. Die 118 Mitgliedsorganisationen des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) fordern die Bundesregierung auf, die vorgesehenen Einschnitte für das kommende Jahr zurückzunehmen.

„Uns sind die Sparzwänge bewusst. Deshalb haben wir auch Verständnis für notwendige Haushaltskürzungen – wenn aber bei Energieunternehmen geplante Kürzungen zurückgenommen werden können, dann sollte das auch für die Opfer von humanitären Katastrophen machbar sein, “ so VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. „Gemeinwohlorientierung und die Übernahme internationaler Verantwortung sehen anders aus als ausgerechnet bei den Allerschwächsten zu sparen.“

Schon jetzt, so Post, stehe Deutschland bei den Ausgaben für humanitäre Hilfe im internationalen Vergleich schlecht da. Deshalb fordere die OECD in ihrem neuen, noch unveröffentlichten Bericht zur deutschen Entwicklungspolitik eine Aufstockung der humanitären Hilfe.

Nach dem Haushaltsentwurf 2011 wird dem Auswärtigen Amt für die Nothilfe im Krisen- oder Katastrophenfall nur noch bis zu 76,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. 2010 waren es noch 96 Millionen Euro. Zudem sind zwei weitere Haushaltstitel des Auswärtigen Amtes im Bereich Demokratisierung, Menschenrechte und Internationale Krisenprävention von Kürzungen betroffen. Die drei Titel machen insgesamt 40 Prozent der Gesamtkürzung des Haushaltes des Auswärtigen Amtes aus. Andere Titel, wie Personalkosten, Investitionen, Auswärtige Kulturpolitik, Vereinte Nationen, werden gar nicht oder prozentual sehr viel geringer gekürzt.

„ Die Kürzungen gefährden die Glaubwürdigkeit deutscher Außenpolitik aufs Neue. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes leisten unsere Mitgliedsorganisationen weltweit wichtige Nothilfe, die direkt den Betroffenen zugutekommt – insbesondere auch in so genannten „vergessenen“ Konflikten, für die kaum Spendenmittel mobilisierbar sind“, sagt Post.

Zudem stelle der gerade von der Bundesregierung veröffentlichte Bericht zur deutschen Humanitären Hilfe 2006-2009 einen weltweit wachsenden Bedarf an humanitärer Hilfe fest. Grund hierfür sind Klimaveränderungen, wachsende Armut sowie politische Instabilität. Für 2010 waren die Mittel für humanitäre Hilfe schon Mitte September mit der Naturkatastrophe in Pakistan ausgeschöpft.


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Oxfam: Land Grabbing – allein 2009 wurden 45 Millionen Hektar Land verkauft

Bilanz des UN-Welternährungsauschusses

Oxfam: Positive Signale für mehr Zusammenarbeit bei Hungerbekämpfung

Land Grabbing – allein 2009 wurden 45 Millionen Hektar Land verkauft

Berlin/Rom, 15. Oktober 2010. In dieser Woche wurden erstmals auf UN-Ebene das Land Grabbing sowie seine negativen Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in den armen Ländern diskutiert. Politische Differenzen und starke Eigeninteressen behinderten zwar kurzfristige Maßnahmen, es konnten aber Fortschritte bei der Entwicklung von gemeinsamen Richtlinien für die großflächigen Landkäufe von Investoren und reichen Ländern erzielt werden. “Das Problem ist erkannt, die Gefahr für die Menschen in armen Ländern aber noch nicht gebannt. Wir brauchen dringend Regeln, die den weltweiten Ausverkauf von Agrarland in die Schranken weisen – sonst wird der Hunger in den nächsten Jahren wieder zunehmen”, warnt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Allein im Jahr 2009 sei zehn Mal mehr Land gekauft oder gepachtet worden als in den Jahren zuvor – insgesamt rund 45 Millionen Hektar. Zwei Drittel des Land Grabbings betreffe Afrika.

Ebenfalls besprochen wurden vom UN-Ausschuss die Preisschwankungen auf den Weltagrarmärkten, die gerade wieder besorgniserregende Ausmaße annehmen. “Maßlose Spekulation wurde allseits als Problem anerkannt”, begrüßt Wiggerthale. Ein hochrangiges Expertengremium soll nun wissenschaftlich basierte Empfehlungen für die politische Diskussion im nächsten Jahr erarbeiten, die auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit berücksichtigen.

UN-Welternährungsausschuss: Konstruktive Zusammenarbeit

In dem im Jahr 2009 neu gegründeten UN-Welternährungsauschuss sind erstmals alle mit der Hungerbekämpfung befassten Akteure inklusive sozialer Bewegungen und NGOs unter einem Dach vereinigt. Die Arbeitsweise des Ausschusses sei wesentlich ergebnis- und entscheidungsorientierter als vor der Reform 2009, begrüßt Oxfam. “Der UN-Welternährungsauschuss ist jetzt zu einem echten Arbeitsgremium geworden. Er muss sich aber noch beweisen. Am Ende zählt, ob genügend politischer Wille vorhanden ist, um die vereinbarten Maßnahmen auch umzusetzen”, so Wiggerthale. Es blieben nur noch fünf Jahre, um das erste Millenniumsziel, die Halbierung des Hungers bis 2015, zu erreichen.

Globale Rechenschaftsberichte nicht ausreichend

Im UN-Welternährungsausschuss berichteten Vertreter von Geberländern und Institutionen über globale Initiativen diese Woche u.a. über die von Deutschland unterstützte G8 “Aquila Food Security Initiative”. Mehrere arme Länder bemängelten fehlende Informationen über die Auszahlung und die Verwendung der zugesagten Finanzmittel. Zu Recht findet Oxfam. “Es ist unklar, wer wofür wie viel Geld in welchen Länder ausgibt. Deshalb ist es im Moment fast unmöglich festzustellen, wo Gelder geflossen sind und wo Entwicklungshilfedefizite bestehen. Auch die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe kann so nicht gemessen werden “, sagt Wiggerthale. Die Geberländer, die UN und die Weltbank müssten detailliert und umfassend berichten.

Für weitere Infos wenden Sie sich bitte an:
Marita Wiggerthale, Handy: 0162-138 63 21, E-Mail: mwiggerthale@oxfam.de

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Heike Hänsel: Recht auf Nahrung endlich durchsetzen

15.10.2010 von- Heike Hänsel

Recht auf Nahrung endlich durchsetzen

“Wer Hunger ernsthaft bekämpfen will, muss das herrschende Weltwirtschaftssystem ändern”, erklärt Heike Hänsel anlässlich des morgigen Welternährungstags. “Freihandel und neoliberale Wirtschaftsstrukturen produzieren Hunger. Dazu gehören auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln und der weltweite Aufkauf großer Landflächen zur Produktion von Agrokraftstoffen.” Die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

“Ernährungssouveränität der Entwicklungsländer, d.h. Produktion für den eigenen Markt statt für den Weltmarkt, und das Recht auf Nahrung müssen endlich durchgesetzt werden. Die aggressive Freihandelspolitik der EU gegenüber den Ländern des Südens verschärft die Nahrungsmittelsituation vor Ort zusätzlich. Deshalb setzt sich DIE LINKE für die Stärkung regionaler Märkte, die Entwicklung ländlicher Regionen und umfassende Landreformen ein. Wir wollen die Spekulation mit Nahrungsmitteln verbieten und die tödlichen Agrarexportsubventionen streichen.

Immer mehr Landflächen sind durch den Klimawandel von Überschwemmung und Verwüstung bedroht. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, sich für die Einrichtung eines Kompensationsfonds für die Länder des Südens einzusetzen. Dieser Fonds soll bis 2020 gemäß Berechnungen von Weltbank, UN-Gremien, Umwelt- und Entwicklungsverbänden auf jährlich 110 Milliarden Euro anwachsen. Die Bundesregierung beteiligt sich daran mit sieben Milliarden Euro.”

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Welternährungsgipfel in Rom: Oxfam kritisiert verhängnisvolles Schwarzer-Peter-Spiel


Weltweit hungern 925 Millionen Menschen

Berlin, 8. Oktober 2010. Ab Montag tagt in Rom der UN-Welternährungsausschuss. Gegenseitige Schuldzuweisungen von Entwicklungs- und Geberländern erschweren bislang die Koordinierung der Programme zur Hungerbekämpfung. Oxfam fordert die Regierungen in Nord und Süd, vor allem Großbritannien, USA, Kanada, Indien, Äthiopien und Ägypten, auf, dieses verhängnisvolle Schwarzer-Peter-Spiel zu beenden. “Schuldzuweisungen machen die Hungernden nicht satt”, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Die zwei wichtigsten Punkte: Land Grabbing und Nahrungsmittelspekulation

Oxfam fordert verbindliche Investitionsregeln für Industriestaaten und Investoren bezüglich Land Grabbings in Entwicklungsländern. Allein in den letzten beiden Jahren wurden 45 Millionen Hektar in armen Ländern aufgekauft. Das entspricht etwa der Größe Schwedens. “Die bislang vorgesehenen freiwilligen Regeln der Welternährungsorganisation FAO und der Weltbank reichen angesichts der Auswirkungen von Land Grabbing auf in Armut lebende Menschen nicht aus “, sagt Wiggerthale. Die Diskussion über verbindliche Regeln zu Land Grabbing müsse im UN-Welternährungsausschuss erfolgen, da nur in diesem Gremium Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und UN-Institutionen sowie Weltbank, WTO und IWF vertreten seien. “Bis dahin brauchen wir ein befristetes Aussetzen jeglichen Land Grabbings”, sagt Wiggerthale.

Bei der Frage der Preisschwankungen auf den Weltagrarmärkten müsse die Nahrungsmittelspekulation stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. “Spekulanten haben 2007/2008 die Preise für Nahrungsmittel nach oben getrieben. Und die Spekulation mit Agrarrohstoffen hat deutlich zugenommen”, erklärt Wiggerthale. “150 Millionen Menschen mussten hungern, weil Spekulanten auf steigende Preise und kurzfristige Profite setzten.” Der UN-Welternährungssauschuss müsse sicherstellen, dass die Ursachen der Preisexplosion analysiert und Gegenstrategien entwickelt werden.

UN-Welternährungsausschuss verbessern

Ende 2009 wurde der UN-Welternährungsausschuss neu gegründet, um die verschiedenen Anstrengungen zur Hungerbekämpfung unter einem Dach zu vereinen. Wiggerthale: “Das Gremium muss in Zukunft effektiver arbeiten, Rollen klar festlegen, eine globale Strategie entwickeln und die Transparenz bei Finanzzusagen und Förderprogrammen zur Hungerbekämpfung verbessern.” Nur so könne eine Welt ohne Hunger Wirklichkeit werden.

Länderranking:
- Sehr engagierte Länder: Frankreich, Italien, Deutschland, Brasilien
- Nicht ausreichend engagierte Länder: Großbritannien, USA, Australien, Niederlande, Kanada
- Wenig aktive Länder (aus Mangel an Ressourcen oder politischem Willen): Indonesien, Niger, Indien, Kambodscha, China.
- Ermutigend: Teilnahme der Minister aus Bangladesch, Mosambik, Angola und Malawi


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ALDI: Kein Maulkorb für KritikerInnen

Kein Maulkorb für KritikerInnen

Die Christliche Initiative Romero verbreitet aktuell eine Persiflage eines ALDI-Prospektes. In dieser weist sie auf menschenrechtlich und arbeitsrechtlich bedenkliche Aspekte der von ALDI angebotenen Billigangebote hin. Die Kritik der Christlichen Initiative Romero an ALDI: Durch seine Billigpreis-Politik fördere das Unternehmen Ausbeutung in Produktionsländern im globalen Süden, etwa in Form von Hungerlöhnen.

Statt sich um diese grundlegenden Probleme der Geschäftspolitik des Discounters zu kümmern, setzten Aldi die KritikerInnen juristisch unter Druck. Wir fordern das Unternehmen daher auf:

* Stellen Sie unverzüglich alle juristischen Maßnahmen gegen die Christliche Initiative Romero ein.
* Setzen Sie den Verhaltenskodex der Kampagne für Saubere Kleidung bei Ihren Zulieferern um und lassen Sie dies durch eine externe unabhängige Instanz kontrollieren.
* Verändern Sie Ihre Einkaufspraktiken, so dass Ihre Lieferanten Sozialstandards einhalten können.
* Stellen Sie Transparenz her: Nennen Sie Ihre Lieferanten in den Produktionsländern und berichten Sie regelmäßig über die unternommenen Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
* Sozialstandards müssen in Produktion (z.B. in Bangladesch) und Verkauf (bei uns) eingehalten werden.

Wenn auch Sie diese Forderung stützen, schicken Sie die folgende Protestmail an ALDI Nord – hier

Das Faltblatt zum Download Sie hier

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Kampagne für Saubere Kleidung zu Vaude, Columbia und Tatonka

Kampagne für Saubere Kleidung – Clean Clothes Campaign informiert über Rechercheergebnisse in Zulieferbetrieben von Vaude, Columbia und Tatonka zur Aktionswoche Discover Fairness! Aktiv für Menschenrechte

Berlin (ots) – Die CCC befragte im Sommer 2010 die Outdoor-Firmen zu ihrem sozial Engagement bei der Herstellung von Produkten und veröffentlichte deren Profile zu folgenden Kategorien: Transparenz, Verhaltenskodex, Kodexumsetzung und Kontrolle. Unterdessen wurden auch Beschäftige in Zulieferbetrieben in Vietnam befragt. Die durch die Firmenbefragung festgestellten Mängel bestätigt die Recherche in den Produktionsstandorten.

Vietnam, attraktives Zulieferland in Asien

Für internationale Investoren gilt das Land als Niedrigkosten Alternative in Asien. Die Lohnkosten sind im Vergleich zu Produktionsstandorten in China etwa um das Zwei- bis Dreifache niedriger. Vietnam mit seinen ca. 1,6 Millionen Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie gilt auch für die Outdoor-Branche als attraktive Niedrigkosten Produktionsstandort in dem auch die Gewerkschaft keinen großen Ärger bereitet.

Exzessive Überstunden und minimales Einkommen bei den ArbeiterInnen

Partner der CCC interviewten ArbeiterInnen bei Vaude, Columbia und Tatonka Zulieferbetrieben. Die Befragten berichten, dass der staatlich avisierte Mindestlohn von 38 Euro nur bei durchgehender Arbeit und Überstunden in einer sechs Tagewoche erreicht wird. In der Textilindustrie werden bei offiziell erlaubten 48 Stunden die Woche durchschnittlich vier Überstunden über die gesetzlich zugelassene Anzahl pro Tag geleistet. ” Die Überstunden liegen meistens zwischen 18.00 und 22.00 Uhr. Mindestens aller zwei Monate ist auch sonntags zu arbeiten. Dann geht es durch bis nächsten Tag Mittag.” Festgestellt wurde auch, dass die Mehrarbeit nur einen Tag vorher bekannt gegeben wird.

“Sollten wir uns verspäten, dann wird uns der Lohn eines ganzen Tages gestrichen und wir verlieren alle zusätzlichen Boni zum Lohn.” In diesen Phasen werden “immer wieder zusätzlich befristete Zeitarbeiter beschäftigt. Für diese wird keine Sozialversicherung gezahlt.” wurde berichtet.

Keine der Befragten konnte beantworten, in welcher Höhe ihnen der Lohn zu steht. Fast einstimmig wurde dagegen geäußert: Eins ist sicher, selbst mit umgerechnet etwa 46 Euro bei Normerfüllung, ist kein Auskommen möglich.

“Es ist schwierig damit klar zu kommen. Es reicht für einige Schüsseln Fleisch oder Gemüse.” Eine andere junge Arbeiterin meint: “Was wir hart verdienen, reicht gerade so.” Alle der befragten Personen teilen sich mit drei bis fünf Personen eine Unterkunft, um die Kosten decken zu können. Gängige Praxis scheint auch, dass mindestens die Hälfte des ersten Lohns der Arbeiter vom Management einbehalten bleibt, “damit die Arbeiter nicht einfach fortbleiben können”. Davon berichtete ein Gesprächspartner der Tatonka eigenen Produktionsstätte. ArbeiterInnen von anderen Fabriken sagten dazu: “Manche bleiben trotzdem einfach fort, da die Fabrik sie krank gemacht hat.”

Mangel an Rechten

Berichtet wurde auch von Beleidigungen, “wird mal ein Einzelner nicht beschimpft, dann bestimmt alle zusammen. Sie tun dies, weil sie denken sie haben das Recht dazu, da sie der Boss sind.” Wegen des Unmuts kommt es immer wieder zu spontanen Protesten. Im März 2010 fühlten sich Arbeiter bei einem Zulieferer für Vaude und Columbia aufgrund des niedrigen Lohns unfair behandelt. Nach 29 Tagen Arbeit im Monat plus Überstunden bekam diese umgerechnet etwa 60 Euro ausgezahlt.

Von der offiziellen Gewerkschaft fühlten sie sich nicht vertreten, da nur “gute Arbeiter” durch das Management für diese ausgewählt werden. Häufiger kommt es zu so genannten wilden Streiks. Seit 2006 ist die Anzahl in Vietnam auf etwa 400 im Jahr gestiegen. Dies bestätigt auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO).

Der sozialen Spannung wird seitens der Regierung versucht zu begegnen. Für Exportzentren mit ausländischen Investitionen wie in Hanoi und Ho Chi Minh City avisierte die Regierung seit 2009 einen Mindestlohn von 38 Euro. Diese erste Erhöhung um 28 Prozent seit sechs Jahren ist ein Zugeständnis an die Beschäftigten anlässlich der Streiks und aufgrund von gestiegenen Lebenshaltungskosten und extremen Überstunden.

“Arbeit in Würde und einen Lohn, von dem der Mensch leben kann, müssen bei einer Branche mit diesem Nachhaltigkeitsimage Selbstverständlichkeit sein.”, sagt Berndt Hinzmann von INKOTA.

Nur wenn Sozialstandards in der Einkaufspraxis Eingang finden, kann glaubwürdig von Nachhaltigkeit gesprochen werden.”, sagt Julia Thimm, Koordinatorin von Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung.

Pressegespräch: Dienstag, den 05.10.2010, um 11.00 Uhr
Haus der GKKE, Berlin-Mitte, Charlotten Str. 53-54
Protestaktion Street Climbing, Discover Fairness! Aktiv für Menschenrechte
.

Pressekontakt:

Berndt Hinzmann und Julia Thimm
Koordinatorin von Eilaktionen der CCC
INKOTA-netzwerk, Chrysanthemenstraße 1-3, 10407 Berlin,
Tel. 030 42 08 202 52, Mobil: 0160 94 69 87 70 hinzmann@inkota.de,
www.inkota.de

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Erklärung zivilgesellschaftlicher Organisationen zur Yasuní-ITT-Initiative

Erkärung von Klima-Allianz, Forum Umwelt und Entwicklung, VENRO:

Die ecuadorianische Regierung hat der Weltgemeinschaft vor Jahren mit der Yasuní-ITT-Initiative ein innovatives Angebot unterbreitet, welches den Biodiversitäts- und Klimaschutz, den Respekt vor indigenen Rechten sowie die Förderung der nachhaltigen menschlichen Entwicklung miteinander verbindet. Ein im Yasuní-Nationalpark entdecktes Ölfeld soll unberührt in der Erde bleiben, der Regenwald des Amazonas nicht angetastet und indianische Lebensformen nicht zerstört werden – sofern die Weltgemeinschaft sich verpflichtet, den Menschen in Ecuador eine Kompensation für die entgangenen Einnahmen zu gewähren.

Der fortschreitende Verlust der Biodiversität und der Klimawandel zwingen zu einem radikalen Kurswechsel. Wir müssen wegkommen von der Nutzung fossiler Energieträger hin zu umweltverträglichen erneuerbaren Energien, wir müssen wegkommen von der rücksichtslosen Ausbeutung und Verschwendung natürlicher Ressourcen hin zu einer nachhaltigen Nutzung, die dem Klimaschutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt dient. Die Yasuní-ITT-Initiative stellt sich dieser Herausforderung und die ecuadorianische Regierung hat damit einen bislang einzigartigen Vorschlag unterbreitet, welcher Nachahmer finden könnte. Dieses Angebot anzunehmen, wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer globalen Zukunftsfähigkeit, der mit dem gängigen „business-as-usual“ bricht.

Auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung hat der Vorschlag seither zahlreiche Hürden genommen. Mit der Vereinbarung über die Einrichtung eines Treuhandfonds zwischen der ecuadorianischen Regierung und dem Entwicklungswerk der Vereinten Nationen (UNDP) in diesem Jahr wurde die Voraussetzung geschaffen, dass die internationale Gemeinschaft Kompensationsmittel zur Verfügung stellen kann. Letztlich kann darin auch eine Chance liegen, Impulse zu setzen, die Entwicklungsgelder auf Dauer überflüssig machen.

Das Gebiet Ishpingo-Tambococha-Tiputini (ITT) ist ein Teil des Nationalparks Yasuní in der nordwestlichen Amazonas-Region. Er gilt aufgrund seiner einzigartigen Artenvielfalt als Weltnaturschutzerbe und wurde 1989 von der UNESCO ins Biosphärenschutzprogramm aufgenommen.

Auf einem Hektar finden sich im Yasuní-Nationalpark fast genauso viele Baumarten, wie in ganz Nordamerika zusammen, auf einem Baum finden sich mehr Käferarten als in ganz Europa. Von 1300 Vogelarten des gesamten Amazonasbeckens sind 567 im Yasuní beheimatet. Im Nationalpark leben indigene Völker, deren Kultur und Lebensweise eng mit dieser Naturvielfalt und dem Wald verbunden sind. Unter ihnen sind die Tagaeri und Taromenane, die bis heute ohne Kontakt zur Zivilisation leben.

Im Amazonasraum Ecuadors wird seit Jahrzehnten Öl gefördert. Ausgewiesene Ölfördergebiete (Blocks) reichen inzwischen bis hinein in das Gebiet des Yasuní. Der ITT-Block liegt fast zur Gänze auf dem Gebiet des Nationalparks. Schätzungen gehen von etwa 846 Millionen Barrel aus. Die Förderung des Öls in dieser Gegend wäre mit hohen ökologischen Schäden verbunden und würde den Lebensraum der dort lebenden indianischen Völker/Kulturen vernichten.

Unterstützung durch den Deutschen Bundestag

Der Deutsche Bundestag hat die Initiative am 25. Juni 2008 in einem übergreifenden Antrag ausdrücklich und einstimmig begrüßt. Er hat die Bundesregierung u.a. aufgefordert den ITTVorschlag zu unterstützen und sich bereit zu erklären, einen angemessenen Finanzierungsmechanismus zu entwickeln und sich gemeinsam mit anderen Gebern im Rahmen der geltenden Haushaltsplanung des Bundes finanziell zu beteiligen.

Weiterhin hat der Bundestag die Regierung gebeten, in einer Studie die noch offenen Fragen hinsichtlich des Kompensationsfonds zu klären. Grundlage für die Leistungen von Kompensationszahlungen soll dabei die Erhaltung der biologischen Vielfalt in dem Gebiet sein. Ein Kompensationsmodus soll nachhaltig, transparent, effizient und im Sinne der lokalen Bevölkerung gerecht gestaltet sein und von etwaigen politischen Veränderungen vor Ort unangetastet bleiben.

In seinem Antrag forderte der Deutsche Bundestag die Bundesregierung ebenso dazu auf,

6. einen Schuldenerlass für Ecuador als Beitrag zu den Kompensationszahlungen nochmals zu prüfen und bei den Partnern innerhalb der Europäischen Union bzw. des Pariser Clubs für ein debt-for-nature-swap zu werben;
7. innerhalb der EU und der OECD diese Initiative zu befördern und möglichst viele Partnerregierungen
für ein finanzielles und politisches Engagement zu gewinnen;
8. in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuwirken, dass der Schutz des Yasuní-Nationalparks insgesamt politisch gestärkt und Ecuador technisch dabei unterstützt wird, dieses Gebiet wirkungsvoll zu schützen bzw. nachhaltig zu nutzen, um alternative Einnahmequellen für die örtliche Bevölkerung zu erschließen;
9. darüber hinaus zu prüfen, inwieweit der ITT-Vorschlag bzw. der gefundene Finanzierungs- und Verteilungsmechanismus grundsätzlich Erfahrungswerte für den Schutz vergleichbarer sensibler Ökosysteme in Entwicklungsländern liefern kann und inwieweit dieser Mechanismus dann in ein künftiges internationales Finanzierungsregime überführt werden könnte, um singuläre Fonds-Lösungen zu überwinden.“


Bundesminister Niebel kündigt die deutsche Unterstützung auf

Aufgrund der Entscheidung des Bundestages untersuchte die GTZ die Initiative hinsichtlich der Durchführbarkeit im Rahmen der bestehenden Klimaverhandlungen. Auch sonst waren die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag wichtige Ansprechpartner für die ecuadorianische Regierung. Kirchliche Hilfswerke und zivilgesellschaftliche Organisationen haben die Yasuní-ITT-Initiative ebenfalls begrüßt und für den Vorschlag geworben. Alberto Acosta, der ehemalige Energieminister Ecuadors und Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, war als einer der Yasunì-Initiatoren zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009 und zum Ökumenischen Kirchentag 2010 eingeladen, um die Initiative vorzustellen.

In seiner Antwort vom 14.09.2010 auf ein Schreiben der Abgeordneten Ute Koczy vom 4. August teilte Bundesminister Niebel mit, „dass (wir) aufgrund dieser Überlegungen und der immer noch unzureichend beantworteten Fragen (…) die Einzahlungen in den Treuhandfonds für die ITT-Initiative nicht in Betracht ziehen.“ Diese Ankündigung dürfte weitreichende Folgen für den Erfolg der Initiative haben, da der bisherige Vorreiter Deutschland sich plötzlich zurückzieht. Es steht zu befürchten, dass die Bemühungen zur Auffüllung des Treuhandfonds schon gescheitert sind, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist.

Mit seiner einsamen Entscheidung setzt sich Minister Niebel aber auch über die bisherige Unterstützung des Deutschen Bundestages für dieses in Eigenverantwortung von Ecuador entwickelte Projekt hinweg. Ohne vorherige Konsultation mit den Abgeordneten und ohne ausreichende Begründung verkündet der Minister in einem Brief, dass viele Bedenken nicht ausgeräumt sind und daher eine Beteiligung am Treuhandfonds nicht erfolgen soll. Damit brüskiert er die Abgeordneten des Bundestages.

Aber auch auf internationaler Ebene und im Verhältnis zur ecuadorianischen Regierung wird diese Entscheidung des Ministers von vielen als Affront empfunden, welche Regeln des gegenseitigen Respekts und eines partnerschaftlichen Verhältnis verletzt. Auf diese Weise kann das in Kopenhagen verloren gegangene Vertrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern nicht zurück gewonnen werden.

Erwartungen der Zivilgesellschaft

Die unterzeichnenden Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Kirchen und andere zivilgesellschaftliche
Akteure halten die Entscheidung von Bundesminister Niebel in der Sache für falsch und in der Form für nicht angemessen. Das Ansehen Deutschlands als Vorreiter in der Biodiversitäts-, Klima- und Nachhaltigkeitspolitik und sein Ansehen als solidarischer Partner wird aufs Spiel gesetzt.

Wir appellieren daher an den Bundestag,

• in den Bundeshaushalt 2011 die Einzahlung in den Treuhandfonds sowie für die Folgejahre eine Verpflichtungsermächtigung für die weiteren Einzahlungen in den Treuhandfonds einzustellen,
• den bisherigen Dialog und die Kooperation mit der ecuadorianischen Regierung fortzusetzen, und
• die vom Ministerium aufgeführten Fragen aufzugreifen und lösungsorientiert sowie partizipativ zu diskutieren.

Wir appellieren an die Bundesregierung,

• öffentlich darzulegen, welches Ergebnis die Prüfung eines Schuldenerlasses und der Gestaltung eines debt-for-nature swaps ergeben hat,
• zu einem Fachgespräch mit internationaler Beteiligung einzuladen, um die Umsetzung der Yasuní-ITT-Initiative weiter zu befördern.

Berlin, den 28.09.2010


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VENRO: Bundeskanzlerin Merkel enttäuscht in New York

PRESSEMELDUNG
24/2010

Große Worte – leere Hände
Bundeskanzlerin Merkel enttäuscht in New York

Bonn, 22. September – Mit Enttäuschung hat der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) auf den Auftritt von Bundeskanzlerin Merkel beim Weltarmutsgipfel in New York reagiert. „Die Bundeskanzlerin ist mit großen Worten, aber leeren Händen nach New York gereist“, erklärte VENRO- Vorstandsvorsitzender Ulrich Post.

„Frau Merkel hat Recht: Viele Entwicklungsländer müssen ihre Eigenanstrengungen zur Erreichung der Millenniumsziele verstärken“, so Ulrich Post. Dies dürfe aber kein Argument für die Bundesregierung sein, um sich aus ihrer – auch finanziellen – Verantwortung zu stehlen. Die plötzliche Betonung von Eigenanstrengungen und ergebnisorientierter Hilfe nähre genau diesen Verdacht.

Bundeskanzlerin Merkel hatte in ihrer Rede vor den Vereinten Nationen erklärt, dass nicht alle Ziele bis 2015 erreicht werden. Deutschland strebe aber weiterhin an, ein verlässlicher Partner zu sein – die Verantwortung für den Entwicklungsprozess liege jedoch in erster Linie bei den Regierungen der Entwicklungsländer.

“VENRO und seine Mitgliedsorganisationen werden in den kommenden Jahren sehr genau beobachten, wie verlässlich die Bundesregierung tatsächlich sein wird“, so Post.

Zudem kritisiert VENRO, dass Merkel in New York keine konkreten Zusagen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gegeben hat. Bereits im Vorfeld der UN –Konferenz war Deutschland wegen mangelnder Zusagen zur Auffüllung des Fonds in die Kritik geraten.


http://www.venro.org

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Armutsbekämpfung hat keine Lobby bei Kanzlerin der Atomkonzerne

Anläßlich des UN-Millenniumsgipfels in New York erklärt die entwicklungspolitischer Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike Hänsel:

“Angela Merkel reist mit leeren Taschen nach New York. Die Aussage der Kanzlerin, beim Entwicklungsetat lediglich nicht sparen zu wollen, ist schlichtweg beschämend. Die Kanzlerin hat zahlreiche auf dem Klimagipfel und G8-Gipfeln gemachte Geldzusagen nicht erfüllt und macht sich völlig unglaubwürdig. Bei fast einer Milliarde hungernder Menschen zeigt das:

Armutsbekämpfung hat bei der Kanzlerin der Atomkonzerne keine Lobby! Die Bilanz der Millenniumsentwicklungsziele ist durchwachsen, denn Entwicklungsfortschritte werden durch eine neoliberale Wirtschaftsordnung, weltweit forcierten Freihandel und die Folgen des Klimawandels wieder zunichte gemacht. Die Linke fordert deshalb, dass endlich die Profiteure der Finanz- und Wirtschaftskrise zahlen müssen für Armutsbekämpfung und eine soziale und ökologische Entwicklung in den Ländern des Südens.”


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VENRO: 740.000 Stimmen gegen Armut

PRESSEMELDUNG
23/2010

740.000 Stimmen gegen Armut
Mehr Einsatz der Bundesregierung gefordert

Berlin, 16. September – Mehr als 740.000 Menschen in Deutschland haben von der Bundesregierung mehr Einsatz im Kampf gegen die weltweite Armut gefordert. Die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ hatte im Vorfeld des Weltarmutsgipfels in New York vom 20. bis 22.September Unterschriften gesammelt, um die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) zu forcieren. Die Stimmen wurden im Rahmen einer Pressekonferenz auf einer überdimensional großen Deutschlandkarte präsentiert.

„740.000 Stimmen gegen Armut dürfen nicht überhört werden. Die Bundesregierung muss alles dafür tun, um in New York ein starkes Aufbruchsignal zu setzen – jedenfalls stärker als bisher geplant. Wir brauchen aber keine neuen Versprechen, sondern einen verbindlichen Plan, wie die bisherigen Versprechen umgesetzt werden“, so VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post, der insgesamt 118 deutsche Nichtregierungsorganisationen vertritt. In New York müsse ein konkreter Aktionsplan für arme und reiche Länder verabschiedet werden.

Unterstützt wird „Deine Stimme gegen Armut“ von Tatort-Kommissaren, internationalen Aktivisten und Künstlern.

„Armut in Indien bedeutet, dass jedes Jahr 1,95 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag sterben. Ohne ein stärkeres Engagement wird das Ziel, die weltweite Kindersterblichkeit zu senken, nicht erreichbar sein“, sagt der indische Kinderrechtsaktivist George Chira.

Die Sängerin Joana Zimmer weist darauf hin, dass über 80 Prozent der Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern leben. „Sie sind besonders von Armut betroffen und müssen bei der Verwirklichung der Entwicklungsziele berücksichtigt werden.“

„Tatort“-Kommissar Sebastian Bezzel sieht in der Bekämpfung weltweiter Armut und der Bekämpfung des Klimawandels die zwei zentralen Aufgaben der Menschheit. „Nur wenn wir diese Probleme in den Griff bekommen, werden wir in Zukunft in Frieden und Wohlstand leben können. Ich selbst kann dazu beitragen, in dem ich als Bürger meine Stimme gegen Armut erhebe und andere Menschen auf diese Themen aufmerksam mache.“

Vom 17.-19. September finden in Deutschland und weltweit Stand Up –Aktionen gegen Armut statt. Jeder kann sich daran beteiligen: auf Marktplätzen, in Schulen, Universitäten, Kirchen, auf Sportplätzen oder in Firmen. Mehr Informationen unter www.deine-stimme-gegen-armut.de

Auf dem Weltarmutsgipfel in New York vom 20. bis 22. September wird Bilanz über die Umsetzung der MDG gezogen. Im Jahr 2000 verabschiedeten 189 Staaten die Millenniumserklärung, deren oberstes Ziel die Halbierung der weltweiten Armut bis 2015 ist.


http://www.venro.org


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VENRO: Globaler Fonds: Aufstocken statt kürzen

PRESSEMELDUNG

22/2010

Globaler Fonds: Aufstocken statt kürzen
Verbindliche Zusagen von Deutschland gefordert

Berlin, 15. September 2010 – Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die diesjährige Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose Anfang Oktober ein Erfolg wird. Voraussetzung hierfür ist, dass Deutschland von seinen Kürzungsplänen Abstand nimmt. Dies haben der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und das Aktionsbündnis gegen AIDS gefordert.

Zivilgesellschaftliche Organisationen protestierten vom 9.-15. September gemeinschaftlich vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gegen die geplanten Kürzungen. „Eine Kürzung des deutschen Beitrags beim Globalen Fonds ist nicht hinnehmbar. Das würde einen herben Rückschlag für die internationale HIV/Aidsbekämpfung bedeuten“, sagt Sonja Weinreich, Sprecherin der VENRO-AG Gesundheit. Millionen Menschenleben seien davon betroffen, vor allem Mütter und ihre Kinder.

Der Globale Fonds ist ein grundlegendes Instrument zur Erreichung der UN-Millennium-Entwicklungsziele bis 2015, da er wichtige Aktivitäten im Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose ermöglicht. Derzeit erhalten 2,8 Millionen Menschen eine HIV-Behandlung. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 konnte der Globale Fonds bereits 5,7 Millionen Menschenleben retten.

„Um die bislang erzielten Erfolge in der Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose zu sichern und weitere Menschenleben zu retten fordert das Aktionsbündnis gegen AIDS, dass Deutschland verbindliche finanzielle Zusagen von bis zu 400 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre macht“, so Karl-Heinz Hein-Rothenbücher, Sprecher des Aktionsbündnis gegen AIDS.

Die Protestaktionen wurden organisiert vom Aktionsbündnis gegen AIDS und VENRO. Mitveranstalter von einzelnen Aktionen während der Aktionswoche waren Action for Global Health, Ärzte ohne Grenzen, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), die Deutsche Aids-Hilfe, die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Misereor, Save the Children, World Vision und One.

Informationen zur Aktionswoche und zu den einzelnen Veranstaltungen auf www.aids-kampagne.de und www.venro.org


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Annette Groth: Humanitäre Hilfe ausbauen statt kürzen

13.09.2010 von– Annette Groth

Humanitäre Hilfe ausbauen statt kürzen

“Jedes Jahr sterben rund 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten, die auf verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. Angesichts dieser katastrophalen Situation fordere ich die Bundesregierung auf, die angekündigten Mittelkürzungen im Bereich der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen“, erklärt Annette Groth, menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich der Weltwasserwoche in Stockholm. Diese beschäftigt sich mit Lösungsmöglichkeiten für das Problem der weltweiten Wasserknappheit. Groth weiter:

„Weltweit haben laut UNICEF 884 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser, darunter 125 Millionen Kinder unter fünf Jahren. 2,6 Milliarden Menschen leben ohne Latrinen oder hygienische Abwasserentsorgung. Auch die Menschen in den besetzten palästinensischen Gebieten leiden an schlechter Wasserversorgung. Besonders schlimm wirkt sich die mangelnde Wasserversorgung im Gazastreifen aus. Weil die israelische Seite den ausreichenden Bau von Abwasseranlagen blockiert, fließen täglich zwischen 50-80 Millionen Liter Abwasser in das Mittelmeer, in dem die Menschen baden und fischen. So verursacht die Meeresverschmutzung gehäuft Krankheiten. Wasserknappheit ist weltweit ein wesentlicher Konfliktfaktor, so auch zwischen Israel und den Palästinensern, weil Israel die totale Kontrolle über die gemeinsamen Wasserressourcen ausübt. Den Palästinensern stehen täglich nur etwa 70 Liter Frischwasser zur Verfügung und damit 30 Liter weniger als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.“

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FIAN begrüßt die Anerkennung des Rechts auf Wasser und fordert schnelle Umsetzung

FIAN fordert Einklagbarkeit des Rechts auf Wasser

Die Menschenrechtsorganisation FIAN begrüßt die Anerkennung des Rechts auf Wasser und sanitäre Grundversorgung auf Initiative Boliviens durch die UN-Vollversammlung am Mittwochabend in New York. Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 2,6 Milliarden keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

„Die Anerkennung des Rechts auf Wasser ist ein wichtiges Signal für die UN-Mitgliedsstaaten. Mit der Verabschiedung der Resolution sind sie dazu verpflichtet, den ärmeren Ländern bei der Gewährleistung des Rechts auf Wasser für alle Menschen zu beizustehen. Doch weitere Schritte wie vor allem die Umsetzung des Rechts auf Wasser in die nationale Gesetzgebung der einzelnen Staaten sind notwendig,” betont Tim Engel, Vorstandsmitglied von FIAN Deutschland.

Neben den Staaten müssen aber auch die Privatunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden. In Guatemala beispielsweise verseucht das kanadische Unternehmen Goldcorp Inc. durch die Goldmine Marlin das Wasser von 18 umliegenden indigenen Gemeinden mit Schwermetallen und verbraucht nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde.

„Es ist sehr bezeichnend und ein Skandal, dass sich Länder wie die Vereinigten Staaten und Kanada bei der Resolution Boliviens enthalten haben. Denn gerade diese sind mit ihren Unternehmen an vielen Menschenrechtsverletzungen aktiv beteiligt. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen, doch auch Kanada darf in einem solchen Fall nicht tatenlos zusehen”, fordert Sebastian Rötters, Bergbau-Referent von FIAN-Deutschland.

Die Aufnahme des Rechts auf Wasser in die Menschenrechtserklärung ist von hoher symbolischer Bedeutung. Einklagbar ist dieses Recht jedoch – noch – nicht. FIAN setzt sich dafür ein, dass das Recht auf Wasser ebenso wie alle weiteren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte völkerrechtlich verbindlich und damit einklagbar werden. „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich für die Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte einzusetzen. Wenn das Menschenrecht auf Nahrung oder Wasser verletzt wird, müssen die Betroffenen die Möglichkeit haben, dieses Recht einzuklagen” stellt Tim Engel heraus.

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FIAN: Gold um jeden Preis – Streit um größte Goldmine Guatemalas eskaliert

Kanadisches Unternehmen widersetzt sich Anordnungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission – Bergbaugegnerin von Unbekannten niedergeschossen

Mit großer Sorge beobachtet die Menschenrechtsorganisation FIAN die sich zuspitzende Lage in der Umgebung der Marlin-Goldmine in Guatemala. Die Mine ist seit ihrer Errichtung äußerst umstritten, weil die Rechte der dort lebenden indigenen Bevölkerung nicht respektiert werden. Vorläufiger trauriger Höhepunkt ist das Attentat auf Diodora Antonia Hernández Cinto, eine führende Vertreterin der Bewegung gegen die Marlin-Mine. Sie wurde am 7. Juli 2010 in ihrem Haus von Unbekannten niedergeschossen. Eine weitere Gewalteskalation ist nicht auszuschließen. FIAN hat daher eine internationale Briefaktion gestartet.

Seit dem 20. Mai 2010 hatten die indigenen Gemeinschaften von Sipakapa und San Miguel Ixtahuacán nach langem Kampf gegen das Bergbauprojekt Marlin wieder Hoffnung geschöpft. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH, Comisión Interamericana de Derechos Humanos) hatte einstweilige Verfügungen zugunsten des Lebens und der persönlichen Unversehrtheit der Gemeinschaften erlassen und den Stopp der Bergbauaktivitäten des kanadischen Unternehmens Goldcorp Inc. in der Marlin-Mine angeordnet. Am 23. Juni 2010 erklärte die Regierung Guatemalas, dass sie die von der CIDH erlassenen Maßnahmen umsetzen werde. Jedoch hat der kanadische Konzern verkündet, dass er den Goldabbau in Marlin nicht stoppen werde. Seitdem sind einige Wochen vergangen und die Umsetzung des Versprechens der Regierung steht noch aus.

Der Staat Guatemala hat die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte der indigenen Völker ratifiziert und damit anerkannt, dass alle Projekte, die sich auf das Leben und das Gebiet von indigenen Gemeinschaften auswirken, nur mit freier und informierter Zustimmung der indigenen Völker umgesetzt werden dürfen. 2010 haben der UN-Sonderberichterstatter für indigene Völker, James Anaya, sowie das Expertenkomitee der ILO festgestellt, dass die Regierung die Lizenz für die Marlin-Mine ohne eine solche Zustimmung erteilt hatte. Bei einer Befragung am 18. Juni 2005 hatten 97 Prozent der BewohnerInnen von Sipakapa das Marlin-Projekt abgelehnt.

Die Menschenrechtsverletzungen durch das Marlin-Projekt sind eindeutig. Besonders gravierend sind die Verschmutzung und der Verbrauch des von den Gemeinschaften verwendeten Wassers. Das Unternehmen benötigt nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde. Monitoring-Untersuchungen der Comisión Paz y Ecología (Friedens- und Umweltkommission) der Diözese von San Marcos haben ergeben, dass die Mine das Wasser der Flüsse mit Schwermetallen verunreinigt. Nach einer jüngst von der Universität von Michigan veröffentlichten Studie wurden in Blut- und Urinproben, die bei einigen Bewohnern aus der unmittelbaren Umgebung der Marlin-Mine genommen worden sind, toxische Metalle gefunden.

„Die Arbeit der Mine muss sofort eingestellt werden. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Anordungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission umgehend umzusetzen und so die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen”, fordert Martin Wolpold-Bosien, Zentralamerika-Referent von FIAN.


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Zweifelhafte Geschäftsgebaren im Zeichen von Freiheit und Abenteuer

Europas größte Outdoor-Messe: Branche in der Kritik

Die Hersteller von Outdoor-Funktionskleidung können sich freuen: Kaum eine andere Branche hat in den vergangenen Jahren trotz Wirtschaftskrise derart starke Zuwachsraten erzielt. Markenunternehmen wie The North Face, Schöffel oder Tatonka stehen für das Erleben der Natur, für die Sehnsucht nach fremden Ländern, für Freiheit und Abenteuer.

Das Image der Outdoor-Unternehmen ist entsprechend positiv besetzt. Zu Unrecht, wie jetzt die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign / CCC) feststellt.

Die Kampagne hat in den vergangenen Monaten Selbstbild und tatsächliches Geschäftsgebaren von 15 international tätigen Unternehmen der Outdoor-Bekleidungsbranche eingehend untersucht. Mit ernüchternden Resultaten. So trifft etwa der in Deutschland ansässige Hersteller Schöffel, wie auch andere VertreterInnen der Branche, keinerlei Vorkehrungen für eine Mitbestimmung von ArbeiterInnen in Produktionsländern, in denen Gewerkschaftsfreiheit nicht existiert. Wieder andere Unternehmen verzichten gänzlich darauf, sich für die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten bei der Herstellung ihrer Produkte zu engagieren. Löhne, die für ein Leben in Würde nicht ausreichen, verzeichnet die Kampagne für Saubere Kleidung ebenso wie im Fall des schwedischen Herstellers Fjällräven fehlende Obergrenzen für Überstunden, wodurch exzessiver Mehrarbeit in den Fertigungsstätten Tür und Tor geöffnet ist.

„Image und Realität der Outdoor-Branche klaffen zum Teil schmerzhaft auseinander“, bringt Kirsten Clodius die Ergebnisse der Untersuchung auf den Punkt. „Statt nachhaltiger sozialer Entwicklung wird allzu oft nachhaltige Ausbeutung praktiziert.“ Für die Referentin der Christlichen Initiative Romero (CIR), einer der TrägerInnen der Kampagne für Saubere Kleidung, ist es deshalb erfreulich, dass der deutsche Outdoor-Riese Jack Wolfskin sich künftig stärker um würdige Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette bemühen möchte: Jack Wolfskin hat Anfang Juli seinen Beitritt zur Fair Wear Foundation erklärt, einer Multi-
Stakeholder-Initiative, die sich für eine effektive Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt. „Dass sich ein Unternehmen wie Jack Wolfskin einem der am weitesten reichenden Verhaltenskodizes auf dem Markt verpflichtet, wird Signalcharakter für die Branche haben“, ist sich Clodius sicher.

Allein, bei solchen Schritten einzelner, wenngleich wichtiger Unternehmen soll es nach dem Willen von Berndt Hinzmann nicht bleiben: „Die gesamte Branche steht in der Pflicht. Alle Hersteller von Outdoor-Bekleidung sind aufgefordert, ihrer sozialen Verantwortung endlich in ausreichender Weise gerecht zu werden, Fairness zu entdecken und die entsprechende Herausforderungen anzugehen“, erklärt der Sprecher des INKOTA-netzwerk e.V., ebenfalls Kampagne für Saubere Kleidung.

„Grundlegende Arbeitsstandards im weltweiten Zulieferernetz müssen endlich umfassend umgesetzt und durch unabhängige externe Institutionen wirksam kontrolliert werden.“ Nur auf diese Weise, so Hinzmann und Clodius, könne sichergestellt werden, dass zwischen Image und Realität der Outdoor-Branche nicht länger mehr eine Lücke klaffe, die einen Skandal darstelle.

Die Kampagne für Saubere Kleidung hatte im vergangenen Jahr erstmalig Selbstbild und Realität der Outdoor-Bekleidungshersteller in einer eigenen Untersuchung überprüft.

Erfreulich für die Kampagne: In diesem Jahr präsentierten sich die Unternehmen der Branche transparenter als bei der Befragung 2009. Die aktuelle Studie wurde vor dem Hintergrund der vom 15. bis zum 18. Juli in Friedrichshafen stattgefundenen „OutDoor“ veröffentlicht, der größten Outdoor-Messe Europas.

www.saubere-kleidung.de

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Unterschriftenaktion für menschenwürdige Arbeitsbedingungen auf Blumenplantagen

Am 1. Juni 2010 hat die Kampagne fair flowers eine Unterschriftenaktion begonnen, mit der sie die EU auffordert, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion zu fördern. 33 Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben bereits unterzeichnet. Bitte unterstützen Sie die Forderungen der Kampagne mit Ihrer Unterschrift. Die vier Forderungen lauten:

1. Die EU möge eine Richtlinie erlassen, die Angaben über die Herkunft von Blumen zur Pflicht macht.
2. Die EU möge eine Richtlinie zur Untersuchung von Pestizidrückständen in Blumen erlassen, die in die EU importiert werden. Pestizide, die die Weltgesundheitsorganisation als höchst gefährlich (WHO Klasse I) einstuft, dürfen nicht auf den EU-Markt gelangen.
3. Die EU möge ein faires Beschaffungswesen in ihren Mitgliedsländern und in den Gremien der EU gemäß ihrer Richtlinien für die Vergabe öffentlicher Aufträge (2004/18/EC und 20004/17/EC) vorantreiben.
4. Die EU möge die Ratifizierung der ILO-Konvention Nr. 110 (Arbeitsbedingungen für PlantagenarbeiterInnen) unterstützen.

Bitte geben Sie die Unterschriftenliste auch an Ihre FreundInnen und KollegInnen weiter. Sie können auch online an der Aktion teilnehmen

Link zur online-petition: http://www.ipetitions.com/petition/fairflowers/

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FIAN und OXFAM: Neue Studie fordert fairen Welthandel statt Exportförderung

Exportförderung um jeden Preis

Neue Studie fordert fairen Welthandel statt Exportförderung

Berlin/Köln, 17. Juni 2010. “Fairer Welthandel statt Exportförderung” – das fordern Oxfam und FIAN von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner anlässlich des 2. Außenwirtschaftstags in Berlin. Die dort angekündigte ,globale Verantwortung’ werde nicht übernommen. Stattdessen setze die Ernährungsindustrie drei Jahre nach dem Beginn der Nahrungsmittelkrise mit Unterstützung der Politik noch stärker auf die Liberalisierung der Märkte und auf die Gentechnik. Zu diesem Schluss kommt die Studie “Grenzenlos und billig”, die Strategien und Positionen der Agrar- und Ernährungsindustrie nach der Nahrungsmittelkrise analysiert.

Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei der Hilfsorganisation Oxfam: “Den armen Ländern ist nicht geholfen, wenn mehr europäische Exporte ins Land kommen und damit die einheimische Nahrungsmittelproduktion zurückgedrängt wird. Volle Lebensmittelregale machen Hungernde noch nicht satt”. Roman Herre, Agrarexperte bei der Menschenrechtsorganisation FIAN: “Das Recht auf Nahrung zu fördern, bedeutet, die Hungernden in die Lage zu versetzen, sich selbst zu ernähren. Das A und O in der Hungerbekämpfung ist die Verbesserung der Einkommensgrundlagen, damit Hungernde sich Nahrungsmittel leisten können”.

Freihandelsabkommen und Gentechnik sind keine Lösung

Die Studie “Grenzenlos und billig” zeigt, dass die Ernährungsindustrie angesichts der stockenden WTO-Verhandlungen auf bilaterale Freihandelsabkommen setzt, um den Zollabbau in armen Ländern voranzutreiben und neue Absatzmärkte für Lebensmittel zu erschließen. Aber: “Eine wichtige Lehre aus der Nahrungsmittelkrise ist: Wir brauchen mehr Nahrungsmittelproduktion in den armen Ländern selbst, d.h. weniger Abhängigkeit vom Weltmarkt und mehr Schutzmöglichkeiten”, so Wiggerthale. Ein fairer Welthandel müsse das zerstörerische Agrardumping beenden und wirksam Schutz vor Billigimporten bieten. Die Ernährungsindustrie torpediere die Bemühungen in den armen Ländern, die eigene Nahrungsmittelproduktion zu steigern.

Zur Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung setze die Ernährungsindustrie zudem vor allem auf Gentechnik, so das Ergebnis der Studie. Die Studie widerlegt die Behauptung, Gentechnik sei das Patentrezept für den Kampf gegen Hunger und Armut. “Das Gegenteil ist der Fall”, stellt Roman Herre klar. “Neben negativen Auswirkungen auf die Umwelt führt Gentechnik zur Abhängigkeit und Verschuldung der Hälfte aller weltweit Hungernden, nämlich der Kleinbauern”.

Die Studie gibt es hier:

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Weltweiter Gedenktag für die Opfer der Selbstmordserie bei FOXCONN in China

Pressemitteilung

Weltweiter Gedenktag für die Opfer der Selbstmordserie bei FOXCONN in China:
Produktions-Stopp und sofortige Verbesserung bei Foxconn – Make iPhone fair!

Am Dienstag, 08. Juni 2010 hat eine Protestaktion vor Saturn am Alexanderplatz in Berlin stattgefunden, da am 8. Juni wird in Hongkong die vierte Generation des iPhones vorgestellt. Ein Bündnis aus Arbeitsrechtsaktivisten und Gewerkschaften aus Hongkong (SACOM, Asia Monitor Resource Centre, Globalization Monitor, Labour Action China und ITUC/GUF Hong Kong Liaison Office) rufen deshalb zum Aktionstag auf.

Mit der Aktion in Berlin geben wir den Forderungen der Partner Nachdruck. Erschreckende Arbeitsbedingungen und eine Reihe von Selbstmorden bei dem weltgrößten Elektronik-Hersteller Foxconn wurden berichtet. Dieser produziert in Shenzhen das Kultprodukt iPad von Apple, Notebooks von Dell und für Marken wie Nokia, HP, Sony, Sony Ericsson und Motorola. Foxconn unterhält in Shenzhen eine der größten Fabriken der Welt, in der etwa 250.000 Menschen arbeiten. Sechs Tage in der Woche wird für einen Monatslohn von rund 110 Euro im Akkord geschuftet. Auf Etagenbetten, in Schlafsälen mit bis zu hundert Menschen, versuchen sich die ArbeiterInnen zu erholen.

Als Ausweg aus der verzweifelten Lage stürzten sich mehrfach Menschen vom Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen. Bisher gab es neun Todesfälle und zwei Schwerverletzte. Der Vorstandsvorsitzende von Foxconn, Terry Gou, kommentiert diese schockierenden Ereignisse mit der zynischen Behauptung, nur weil das Unternehmen bereit sei, die Familien der Opfer großzügig zu entschädigen, käme es zu diesen Selbsttötungen. Die tragischen Ereignisse belegen jedoch erschreckend, dass im Bereich der Hoch-technologie, der Elektronikindustrie, ähnlich der Bekleidungsindustrie ein „Wettrennen nach Unten“ stattfindet – mit drastischen Folgen für die Arbeitsbedingungen. Elementare Rechte der ArbeiterInnen werden missachtet und Soziale Verantwortung sowie Transparenz werden nicht systematisch und effektiv umgesetzt. Die Metro Group, zu der auch Saturn und Media Markt gehören, starten derzeit ein Joint Venture im Einzelhandel mit Foxconn in Shanghai. Die ArbeiterInnen empfinden es als Hohn, dass seitens der Unternehmen nichts weiter als „Business as usual“ angesagt sind. „ Die Arbeiter brauchen Pausen, um sich psychisch und physisch zu erholen.“ Ebenso dringlich sind grundlegende Veränderungen besonders bei den einkaufenden IT-Marken, damit die inhumanen Bedingungen abgeschafft werden.
Gemeinsam unterstützen wir die Forderungen unserer Partner:

Salz in der Wunde – Gedenkt der Opfer – Arbeit in Würde: * einen Lohn zum Leben * Achtung der Kollektivverhandlung und demokratische Wahlen der Arbeitervertreter

Kontakt: Christoph Ernst, WEED, christoph.ernst@weed-online.org, (0176) 96 39 7807
Berndt Hinzmann, INKOTA-netzwerk, hinzmann@inkota.de, (0160) 94 69 87 70

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VENRO: Säulen gegen Armut

PRESSEEINLADUNG
11/2010

Säulen gegen Armut

Entwicklungspolitische Bündnisse fordern MDG-Aktionsplan

Fototermin und Interviewmöglichkeit
Termin: 15. Juni 2010, 11.00 Uhr
Ort: Pariser Platz, vor dem Brandenburger Tor, Berlin

Berlin, 11. Juni – Jedes Jahr sterben weltweit rund 350.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes. Die meisten dieser Todesfälle wären vermeidbar, wenn es eine ausreichende Gesundheitsfürsorge gäbe. Dabei hat die internationale Staatengemeinschaft sich verpflichtet, die Müttersterblichkeit bis 2015 um 75 Prozent zu verringern. Dies ist ein Ziel der acht Millenniumsentwicklungsziele (MDG). Der Weltarmutsgipfel in New York Ende September dieses
Jahres wird Bilanz über die bisherige Umsetzung der MDG ziehen. Eine Bilanz, die wohl ernüchternd
ausfallen wird.

Entwicklungspolitische Bündnisse wollen deshalb mit einer MDG-Säulenaktion Druck machen.

Aktivisten werden vor dem Brandenburger Tor in Berlin acht Plexiglassäulen von zwei Meter Höhe mit MDG-bezogenen Gegenständen, wie Reis, Schulhefte, Medikamentenschachteln und Wasserflaschen füllen – genau bis zu der Höhe, die dem Stand der MDG-Umsetzung in Afrika entspricht.

Mit dieser Aktion wollen sie ihrer Forderung nach einem MDG-Aktionsplan der Bundesregierung Nachdruck verleihen. Empfehlungen für einen solchen Aktionsplan sind in dem Bericht „5 vor 2015“ dargelegt, der am selben Tag veröffentlicht wird.

Alle im Aktionsbündnis beteiligten Kampagnen und Zusammenschlüsse eint das gemeinsame Ziel, die Verwirklichung der MDG bis zum Jahr 2015 zu realisieren. Beteiligt sind: Action for Global Health, Aktionsbündnis gegen Aids, Deine Stimme gegen Armut, Globale Bildungskampagne, „Mutternacht“-Bündnis, StopEPA-Kampagne, Stop Malaria Now und VENRO.

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ECCHR: Schneller juristischer Erfolg der Klage gegen Lidl

Eine Koalition zwischen dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), der Verbraucherzentrale Hamburg (VZ) und der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) hat einen juristischen Erfolg gegen einen der marktführenden deutschen Discounter Lidl errungen.

Das ECCHR hat zusammen mit der CCC eine am 6.4.2010 von der Verbraucherzentrale Hamburg eingereichte Klage gegen Lidl unterstützt. In dieser Klage wird Lidl vorgeworfen, in irreführender Weise mit der Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards in Zulieferbetrieben zu werben. Hierdurch täusche Lidl die Verbraucher und verschaffe sich einen unlauteren Wettbewerbsvorteil. Mit dieser Klage wird zum ersten Mal in Deutschland ein deutsches Unternehmen wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben verklagt.

Bereits 10 Tage nach Klageeinreichung lenkt Lidl nun ein. Das Unternehmen hat die Unterlass ungserklärung abgegeben, die beanstandeten Werbeversprechen bezüglich weltweit fairer Arbeitsbedingungen bei Textilzulieferern in Bangladesch. Damit hat Lidl die in der Klage gemachten Vorwürfe faktisch zugegeben.

Das programm Wirtschaft und Menschenrechte

Im Programm Wirtschaft und Menschenrechte, mit der Programmdirektorin Dr. Miriam Saage-Maaß, bekämpft das ECCHR die Sanktionslosigkeit von Unternehmensunrecht. Die krasse Waffenungleichheit zwischen den Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen durch ökonomische Akteure einerseits und transnationalen Unternehmen andererseits soll durch professionelles juristisches Vorgehen und Kooperation mit Menschenrechtsorganisationen zumindest verringert werden. Drei Themenbereiche sind hierbei besonders relevant: Beteiligung von Unternehmen an Völkerstraftaten (Beispiele: Militärdiktatur Argentinien, Apartheidssystem Südafrika), massive Arbeitsrechtsverletzungen (wie in den Zulieferbetrieben von Lidl oder der Baumwollproduktion in Usbekistan) und die Verletzung von wirtschaftlichen, sozialen und kulturelle n Menschenrechten im Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten oder in den extraktiven Industrien.

Um einen Überblick über die bisher gegen Unternehmen geführten Verfahren in Europa zu erlangen, wertete das ECCHR 69 Fälle von Unternehmensunrecht in Europa systematisch aus. Parallel hierzu stellten unsere Mitarbeiterinnen gezielte Recherchen zu Klagemöglichkeiten gegen Unternehmen, unter anderem dem in der Lidl-Klage relevanten Verbraucher- und Wettbewerbsrecht an. Die im Herbst 2008 veranstaltete Konferenz zum Thema “Transnationale Unternehmen und Menschenrechte” brachte Menschenrechtlerinnen und Anwältinnen aus Europa, den USA, Lateinamerika, Asien und Afrika zusammen und diente als Grundlage des mittlerweile weltweiten Netzwerkes des ECCHR. Über 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern diskutieren über Möglichkeiten transnationaler Zusammenarbeit bei der Haftbarmachung von Unternehmen wegen Menschenrechtsverletzungen. Der dort angestoßene D iskussionsprozess wird von uns in regionalen Seminaren in Zusammenarbeit mit Misereor und Brot für die Welt fortgesetzt.

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben von Lidl in Bangladesh

Auf die Diskussion über die Verantwortung der europäischen Unternehmen für die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben und den Druck der Kunden reagieren viele Unternehmen mit Initiativen freiwilliger Selbstverpflichtung. Auch Lidl ist seit 2006 Mitglied einer solchen Initiative, der Business Social Compliance Initiative (BSCI), um „Corporate Social Responsibility” (CSR) zu demonstrieren. Diese internationale Initiative des Einzelhandels hat zum erklärten Ziel, die Arbeitsbedingungen entlang der Lieferketten zu verbessern. Der BSCI-Verhaltenskodex enthält unter anderem Regelungen zur maximalen Arbeitszeit, zu Löhnen, zur Diskriminierung und zur Gewerkschaftsfreiheit, in Anlehnung an die Arbeitsrechtskonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Lidl erweckt bei Verbrauchern den Eindru ck, dass die Arbeitsnormen, auf die sich der BSCI ausdrücklich bezieht, nicht nur als Zielvorstellung in der Zukunft erreicht werden sollen, sondern bei den Zulieferern Lidls bereits tatsächlich nachhaltig verbessert seien. So erklärt das Unternehmen Lidl, es „bestehe” als wesentliche Entscheidung beim Warenkauf auf diese Einhaltung bei seinen Zulieferern. Auch habe es dem BSCI-Kodex entsprechende Sozialstandards gegenüber den Zulieferern verbindlich („mandatory”) gemacht und überprüfe deren Einhaltung. Wenn Lidl weiterhin auf der Unternehmens-Webseite von der „Sicherstellung von sozialen Mindeststandards” spricht, dann beschreibt dies Arbeitsbedingungen, die schon bestehen und durch Maßnahmen – wie z.B. der Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) – nur noch gesichert werden.

Um diese Aussagen Lidls zu überprüfen, hat das ECCHR zusammen mit der Clean Clothes Campaign eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bei der Beschäftigte der Lieferanten von Lidl in Bangladesch befragt wurden. Dabei wurden gerade solche Zulieferbetriebe ausgewählt, die an den Trainingsprogrammen von Lidl bereits teilgenommen haben oder diesen Prozess gerade durchlaufen. Es handelt sich also um „Vorzeigefabriken”, deren Management in Sozialstandards aus- und weitergebildet wurde.

Die Ergebnisse der Recherche, die erst kürzlich unter dem Titel „Die Schönfärberei der Discounter” veröffentlicht wurde, zeichnen ein erschreckendes Bild: überlange Arbeitszeiten, Lohnabzüge als Strafmaßnahmen, Verhinderung von Gewerkschaftsarbeit und Diskriminierung von Frauen verstoßen gegen die ILO-Konventionen, gegen die Standards des BSCI-Verhaltenskodex und gegen die Selbstverpflichtung Lidls.

Die Arbeitszeiten sind in vielen Fällen von 8 bis 22 Uhr an 7 Tagen in der Woche; dies ergeben zusätzlich zu den 48 Stunden regulärer Wochenarbeitszeit Überstunden von bis zu 35 Stunden pro Woche. Obwohl nach int ernationalen Standards wie auch dem Code of Conduct der BSCI Arbeitnehmer nicht zu Überstunden gezwungen werden dürfen, sind die täglichen Überstunden in den untersuchten Betrieben in keinem Falle freiwillig. Freiwillig würde bedeuten, dass eine Arbeiterin Überstunden ablehnen kann, ohne Repressalien wie Beleidigungen, Lohnabzug oder Entlassung befürchten zu müssen. Genau diese Maßnahmen werden jedoch in aller Regel bei der Weigerung, Überstunden zu leisten, von den Arbeitgebern ergriffen. Urlaub wird nicht gewährt, bereits das Gesuch um Urlaub wird mit Beschimpfungen und Einschüchterungen bis hin zu Lohnabzügen geahndet. Wer wegen Krankheit nicht zur Arbeit erscheint, wird für diese Zeit nicht bezahlt. Der durchschnittliche Monatslohn liegt – je nach Stellung der Arbeiter im Betrieb – zwischen 1600 und 3000 Taka (ca. 16,80-31,50 EUR) und wird häufig nicht vollständig ausgezahlt. Ein Lohn, der in vielen Fällen nicht ausreicht, um eine Familie zu versorgen, w ie die Arbeiterinnen immer wieder betonen. Jeder Lohnabzug ist also ein existenzieller Einschnitt für die Arbeiterinnen und ihrer Familien.

Jeder Versuch, eine Gewerkschaft zu initiieren, wird im Keim erstickt, mit Drohungen und Gewalt, sowie mit Entlassungen. Daher gibt es nicht ohne Grund in keiner der Fabriken bisher eine Gewerkschaft. In allen untersuchten Fabriken werden Erfahrungen mit Schlägertrupps geschildert. Jedes Gespräch zwischen Arbeitern ist generell unter Strafe gestellt. Wer bei der Arbeit oder in den Pausen spricht, wird der Agitation bezichtigt.
Auf die Schutzbedürfnisse schwangerer Frauen wird keine Rücksicht genommen. Sie müssen Überstunden bis spät in die Nacht hinein leisten wie ihre Kolleginnen und Kollegen. Der gesetzlich vorgesehene Mutterschutz von vier Monaten bei vollem Lohnausgleich wird oft nicht gewährt. Wer ihn einfordert, riskiert seinen Job. Glücklich schätzen sich die Frauen, die – ohne Bezahlung – freigestellt und nicht entlassen werden. Weiterhin kommen sexuelle Übergriffe des Managements gegen Arbeiterinnen regelmäßig vor.

Vor allem Arbeiterinnen sind betroffene des “discountering” – Lidl ist nur ein beispiel

Rund 85 % der Beschäftigten der Bekleidungsindustrie in Bangladesch sind Frauen. Daher sind insbesondere Arbeiterinnen den unwürdigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Auch wenn Frauen in Bangladesch zunehmend erwerbstätig sind, spielen tradierte Geschlechternormen bei der Marktintegration von Frauen eine ambivalente Rolle und prädestinieren Frauen durch ihre Rolle als „Zuverdienerin” für Niedriglohnjobs und prekäre Beschäftigung. Wenn überhaupt arbeiten erwerbstätige Frauen in ganz Südasien in unsicheren Beschäftigungen (vulnerable employment) (84 % im Jahr 2009 laut ILO). Dabei ist gerade der Zugang zu angemessen bezahlter Lohnarbeit ein wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frauen. Durch den Ausbau der Produktion im globalen Süden durch Firmen wie Lidl wird nicht nur gegen absolute Mindeststandards verstoßen, diese Praxis unterstützt vielmehr die anhaltende marktökonomische Diskriminierung von Frauen weltweit.

Die KLage

Unternehmen wie Lidl lagern die Last der Produktionskosten und -risiken aus. Gleichzeitig gehen sie Selbstverpflichtungen ein, mit denen Kundinnen und Kunden suggeriert wird, das betreffende Unternehmen nehme seine soziale Verantwortung wahr und sorge dafür, dass die angebotene Ware unter Einhaltung internationaler Sozialstandards produziert werde. Nicht nur die Arbeiterinnen haben ein Recht auf Achtung ihrer Würde und ihrer Rechte. Auch europäische Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht zu wissen, was genau sie einkaufen und wofür sie bezahlen. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Angaben des Verkäufers über die Herkunft und Herstellung des Produkts richtig und unmissverständlich sind.

Mit einer Klage nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sollte eingeklagt werden , dass Unternehmen rechtlich an das gebunden sind, was sie in ihrer Werbung unter Verweis auf ihre Selbstverpflichtungen versprechen. Dies, so die Argumentation der Klage, ist aber nicht der Fall bei Lidl: Unter Hinweis auf die BSCI und deren Verhaltenskodex wirbt Lidl mit der nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern – die Kundinnen und Kunden bekommen den Eindruck,
- dass die Einhaltung von Sozialstandards von den Lieferanten verbindlich eingefordert wird,
- dass Lidl seinen Einkauf beim Hersteller von der Einhaltung der Standards abhängig macht, so dass der Verbraucher sich darauf verlassen kann, dass die ihm angebotenen Waren ohne die Verletzung der internationalen Arbeitsnormen hergestellt worden sind,
- dass die Einhaltung der Sozialstandards nachhaltig gesichert ist und
- dass wenn es hier zu Mängeln kommen sollte, dies durch Kontrollsyste me auch tatsächlich festgestellt und Abhilfe geschaffen wird.
Demgegenüber zeigt aber die genannte Studie, dass trotz Audits und Trainings massive arbeitsrechtliche Verstöße in allen untersuchten Zulieferbetrieben weiter an der Tagesordnung sind. Ein Kunde von Lidl kann sich also keineswegs darauf verlassen, dass gekaufte Textilien ohne die Verletzung von Arbeitsrechten hergestellt worden sind oder, dass zumindest in dem Herstellerbetrieb sichtbare Verbesserungen im Gange sind.

Der Erfolg im juristischen Verfahren

Lidl muss Werbung zurückziehen

Lidl gibt eine Unterlassungserklärung ab. In dieser erklärt Lidl, künftig den Verbrauchern nicht mehr zu suggerieren, dass die Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Initiative zur Einhaltung von Sozialstandards verbindlich verpflichte und Lidl dieser Verpflichtung auch tatsächlich nachkomme.

Situation der Arbeiterinnen in Zulieferbetrieben deutscher Unternehmen wurde der deutschen Öffentlichkeit vor Augen geführt

Ziel dieser Klage war es nicht allein gegen die Schönfärberei Lidls vorzugehen und die deutschen Verbraucher vor irreführender Werbung durch Lidl zu schützen. Es ging dem ECCHR insbesondere auch darum, die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in Bangladesch vor Gericht zu bringen und z u verbessern.

Durch die enorme Presseresonanz (siehe Medienspiegel) konnte die Klage verdeutlichen, dass die bisherigen Methoden, mit denen Unternehmen ihrer so genannten sozialen Verantwortung (corporate social responsibility, CSR) gerecht werden wollen, ineffektiv sind. Deutsche Verbraucher profitieren nach wie vor auf Kosten der Arbeiterinnen in Bangladesch und anderen Ländern des globalen Südens von den Schnäppchen-Angeboten der Discounter. Von den Unternehmen vorgegebene Standards und Trainings ändern nichts an den Arbeitsbedingungen, so lange nicht mehr für die Waren gezahlt wird und die Unternehmen das lokale Management wie auch die Arbeiter zusammenbringt und mit diesen Verbesserungen von Arbeitsbedingungen aushandelt. Ob Klagen wie die n un erhobene Wettbewerbsklage dauerhaft zu Verhaltensänderungen bei Unternehmen und zu einer Verbesserung der Situation der Arbeiterinnen in Bangladesch führen, hängt aber wesentlich von den Reaktionen von Politik und Gesellschaft ab.

Ob sich die Arbeitsbedingungen nun unmittelbar verändern werden, ist fraglich. Lidl kann auf diese Klage reagieren und allein seine Werbetexte ändern, um damit zukünftige Klagen nach dem UWG zu verhindern. Lidl kann aus demselben Grund auch die freiwilligen Standards, denen sich das Unternehmen verpflichtet hat, verwässern. Sollte dies der Fall sein, würde die Schwäche aller Corporate Social Responsibility (CSR)-Maßnahmen, aller Maßnahmen, mit denen Unternehmen freiwillig ihrer sozialen Verpflichtung nachkommen wollen, offensichtlich. Zum einen ist die Freiwilligkeit all dieser Initiativen und der damit einhergehenden Beliebigkeit problematisch: Wird es unangenehm, kann das Unternehmen jeder Zeit von den verbrieften Standards Abs tand nehmen. Zum anderen wird deutlich: diese Initiativen und Maßnahmen im Rahmen der CSR orientieren sich letzten Endes an den Interessen der Unternehmen. Sie sind allein vom Unternehmen und seinen Bedürfnissen ausgedacht. Die Perspektive der betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter wird nicht berücksichtigt. Ihre Interessen an Standards, auf die sie sich berufen können und die sie einfordern können, werden völlig übergangen.

Das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG):

Innovatives juristisches Vorgehen gegen unwürdige Arbeitsbedingungen

Angesichts der wenigen juristischen Instrumente, mit denen in Europa gegen Unternehmen wegen der Verletzung von Menschenrechten vorgegangen werden kann, ist es aus Sicht des ECCHR notwendig, auch neue Rechtswege zu nutzen. Um diese ausschöpfen zu können, stellt das ECCHR umfangreiche Recherchen an und konsultiert juristische Experten zu den verschiedenen Rechtsgebieten.

Auch wenn der gesetzliche Verbraucherschutz nach dem Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) primär dem lauteren Wettbewerb und dem Verbraucherschutz dienen soll, bietet es doch eine Möglichkeit, die Verletzung arbeitsrechtlicher Mindeststandards vor Gericht zu bringen.

Das UWG erlaubt – ähnlich wie in anderen EU-Ländern – Verbraucherverbänden gegen Werbemaßnahmen vorzugehen, die den Verbraucher durch Irreführung zum Kauf verleiten. Dabei sind all jene Angaben zu prüfen, die für die Kaufentscheidung erheblich sind. Für den sozial bewussten Verbraucher ist entscheidend, ob die Waren, die er kaufen möchte, unter Verstoß gegen absolute Mindeststandards produziert wurden. Dabei muss der Verkäufer zwar nicht die Einhaltung dieser Standards durch Dritte, die Lieferanten, garantieren. Entscheidend ist aber, dass er diesbezüglich keine irreführenden Angaben macht. Der Verbraucher darf erwarten, dass der Discounter Lidl, wenn er die Einhaltung der Arbeitsnormen nicht sicherstellen kann, darauf hinweist und jedenfalls nicht den fälschlichen Eindruck erweckt, er habe sie sichergestellt oder könne sie sicherstellen.
Vordergründig ist die Klage nach UWG darauf gerichtet, die irreführenden Werbemaßnahmen zu unterlassen. Es wäre allerdings zynisch, würde sich ein Unternehmen, das sich seiner sozialen Verantwortung rühmt, damit begnügen, diese nicht länger zu versprechen. Überzeugen wird ein Unternehmen seine Kunden nur dann, wenn es zeigt, dass unter sozialer Verantwortung einen ehrlichen und transparenten Umgang mit der Situation versteht; wo Trainings und Audits sich als unwirksam erweisen, müssen konkrete Verbesserungen a ngestrebt werden, die den Näherinnen direkt zugutekommen.
Dieser Weg über die Gerichte leistet einen Beitrag im Kampf um menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben europäischer Unternehmen. Mit solchen Gerichtsverfahren kann deutlich gemacht werden, dass die Verletzung elementarer Arbeitsrechte, nicht allein eine Frage freiwilliger unternehmerischer Verantwortung ist. Wenn Unternehmen die Einhaltung von Arbeitsrechten in Kodizes zusichern, schaffen sie mit diesen Selbstverpflichtungen auch rechtlich verbindliche Pflichten.

Wie kann die Rechtslage für die betroffenen Arbeiterinnen verbessert werden?

Für die von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen betroffenen Arbeiterinnen und Arbeitern gibt es vor deutschen Gerichten keinen Rechtsweg, ihre Ansprüche auf Entschädigung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen direkt durchzusetzen. In Zeiten globaler Wirtschaftstrukturen ist es ein Skandal, dass Unternehmen zwar global agieren können, betroffene Arbeiter und Arbeiterinnen aber keine Möglichkeit haben, rechtlich ihre Interessen gegen ein Unternehmen in seinem Heimatstaat geltend zu machen.
Aus Sicht des ECCHR muss der europäische wie auch der deutsche Gesetzgeber diesem Mangel an Rechtschutz Abhilfe schaffen. Es müssen adäquate Anspruchsgrundlagen geschaffen werden, die es ermöglichen, erlittene Schäden beim europäischen Unternehmen geltend zu machen. Zudem müssen prozessuale Voraussetzungen geschaffen werden, die überhaupt gangbare Rechtswege eröffnen.

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Aktionsworkshop
»Jeans unter Beschuss«

von Freitag, 04. Juni 2010, 17 Uhr
bis Samstag, 05. Juni 2010, 18 Uhr
Seddiner See bei Potsdam

Einige unserer schicken Jeans im Used-Look werden unter extrem gesundheitsgefährdenden Bedingungen veredelt. Das sogenannte Sandblasting schädigt vor allem die Lungen der ArbeiterInnen, die nicht ausreichend gegen den gefährlichen Staub geschützt sind. Auf dem Workshop wollen wir uns über verschiedene Aktionsformen austauschen, mehr über das Thema Sandblasting erfahren und eine kreative Aktion planen.

Mehr Informationen und
Anmeldung bis 17. Mai
bei Julia Thimm: thimm@inkota.de.

Tagungsort:
Heimvolkshochschule am Seddiner See
Seeweg 2
14554 Seddiner See bei Potsdam

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VENRO: Entwicklungspolitik muss eigenständig bleiben

PRESSEMELDUNG
6/2010

NRO fordern Einhaltung des Lissabon-Vertrages
Entwicklungspolitik muss eigenständig bleiben

Bonn, 26. April 2010 – Die europäische Entwicklungspolitik muss ein eigenständiges Politikfeld bleiben und darf nicht von außen- und sicherheitspolitischen Interessen dominiert werden. Dies fordert der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) von den EU-Außenministern, die heute in Luxemburg über den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) beraten.

„Der Lissabon-Vertrag verlangt, dass entwicklungspolitische Strategien sich auf die Armutsbekämpfung ausrichten. Sie dürfen sich nicht an kurzfristigen außenpolitischen Interessen orientieren“, so VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. „Wenn dieses Prinzip nicht eingehalten wird, dann ist das ein klarer Vertragsbruch.“

VENRO fordert zudem, dass die politische Steuerung und Durchführung von entwicklungspolitischen Strategien in einer Hand liegen soll. „Hierfür muss der Kommissar für Entwicklungspolitik mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden“, fordert Post. Die politischen Richtlinien des EAD müssten ausdrücklich Bezug auf das Kohärenzgebot nehmen.

Der Lissabon-Vertrag erfordert auch von anderen Politikfeldern, dass sie sich kohärent zu entwicklungspolitischen Zielen verhalten. „Dies ist eine große Chance für eine wirksamere Entwicklungspolitik – aber nur, wenn sich alle daran halten“, sagt Post.

Mit Unverständnis reagiert der Verband zudem auf die „Politik der verschlossenen Türen“ beim Aufbau des EAD. So wurde die Öffentlichkeit über den Stand der Verhandlungen kaum informiert.

Auch dies entspricht nicht dem Geist des Lissabonner Vertrags. Er fordert mehr Transparenz und
zivilgesellschaftliche Beteiligung.

Der Lissabon-Vertrag, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat, sieht für die Europäische Union einen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) vor, einen diplomatischen Dienst mit der Zielsetzung, eine echte europäische Außenpolitik zu entwickeln.

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FIAN: Deutsche EZ tut nichts gegen Landraub

Freitag, den 16. April 2010

fian_landpolitik_150Köln (epo.de). – In Kambodscha wurden in den letzten Jahren rund drei Millionen Hektar Land an nationale Eliten und Investoren verteilt. Landkonflikte und Vertreibungen seien Alltag, im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) würden Menschenrechte bei Landfragen aber ausgeblendet, kritisierte die Menschenrechtsorganisation FIAN am Freitag in Köln. FIAN hat eine aktuelle Studie zu dieser Problematik erstellt.

Der großflächige Ausverkauf von Land in Entwicklungsländern, auch “Land Grabbing” genannt, ist mit Menschenrechten, insbesondere dem Recht auf Nahrung, unvereinbar. Auf internationaler Ebene habe sich auch die Bundesregierung immer wieder gegen die negativen Folgen dieser Entwicklung positioniert, so FIAN. In der konkreten Länder- und Projektarbeit spiegele sich dies jedoch nicht wider. Die Studie von Roman Herre, Agrarreferent von FIAN, offenbare, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Menschenrechte bei Landfragen ausblendet. “Das Entwicklungshilfeministerium muss endlich den Menschenrechtsansatz, insbesondere das Recht auf Nahrung, auch auf Projektebene umsetzen”, sagte Herre. “Dass die Landpolitik ein schwarzes Loch in Sachen Menschenrechte bleibt, ist nicht hinnehmbar.”

Ein trauriges Beispiel ist FIAN zufolge Kambodscha. Hier könne die Bundesregierung, die sich seit vielen Jahren im Landsektor engagiere, dem Ausverkauf von Land und damit der Verteibung von Bauern- und Fischerfamilien akiv entgegentreten. “Kambodscha ist einer der ‘Hot Spots’ des weltweiten Land Grabbing. Der Schutz von Menschen, die Gefahr laufen vertrieben zu werden, wird in der aktuellen Landpolitik aber aktiv ausgeklammert”, kritisierte Roman Herre, der gerade vor Ort Vertreibungen dokumentierte.

Die deutsche Durchführungsorganisation GTZ unterstütze die Vergabe von Landtiteln vor Ort, erklärte FIAN. Hätten Investoren und Eliten ein Auge auf ein Stück Land geworfen, werde es jedoch von der Vergabe ausgeklammert. “Dort wo solche Titel gebraucht würden, werden sie nicht vergeben. Bei drohender Vertreibung dreht sich die GTZ weg. Damit muss der Nutzen der Titelvergabe grundsätzlich in Frage gestellt werden”, sagte Roman Herre.

FIAN sieht die “große Gefahr, dass sich die Bundesregierung mit dieser Politik unfreiwillig zum Gehilfen von Landraub und Vertreibung in Kambodscha machen lässt”. Auch Menschenrechtsorganisationen vor Ort richteten den Vorwurf an die Geberorganisationen, durch ihre Stillhaltetaktik den Ausverkauf des Landes zu legitimieren. “Die deutsche Politik muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten diesem Ausverkauf aktiv und konsequent entgegentreten. Nur so wird sie ihrem eigenen Mandat, der Hunger- und Armutsbekämpfung, gerecht”, betonte Herre.

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Gender in der Entwicklungszusammenarbeit


Frauen in den Entwicklungsländern sind am meisten von Armut betroffen. Fast 70 Prozent der ärmsten Menschen sind weiblich. Die meisten Frauen arbeiten  im Niedriglohn- oder informellen Sektor. Zudem werden sie beim Zugang zu Wasser, technischen Know-How und Krediten oft diskriminiert und können ihre Rechte häufig nicht einfordern. Doch ohne Geschlechtergerechtigkeit kann die weltweite Armut nicht bekämpft noch soziale Gerechtigkeit erreicht werden.

Das neuaufgelegte Gender-Handbuch "Gewusst wie - Gender in der Entwicklungszusammenarbeit"  von VENRO stellt Gender-Konzepte in der Entwicklungszusammenarbeit vor und zeigt erfolgreiche Praxisbeispiele zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Das Handbuch gibt es hier

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Zehn VENRO-Vorschläge für eine bessere Entwicklungspolitik

1. Bekämpfung von Hunger und Armut:

Die zentralen politischen Herausforderungen Die Zahl der Hungernden in der Welt ist auf über eine Milliarde Menschen angestiegen. In Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise droht 89 Millionen Menschen zusätzlich die absolute Armut. Weltweit mobilisierten die Regierungen in den letzten Monaten zehnmal mehr Mittel zur Rettung systemrelevanter Banken und Unternehmen als für die gesamte Entwicklungshilfe. Aber gerade die Überwindung von Hunger und Armut ist systemrelevant, weil eine dauerhafte Trennung von arm und reich im Weltmaßstab weder moralisch noch wirtschaftlich noch politisch aufrechtzuerhalten ist. Deshalb muss die Armutsbekämpfung stärker in den Mittelpunkt nicht nur der Entwicklungspolitik, sondern des gesamten politischen Handelns der Bundesregierung gerückt werden.

2. Eigenständige Entwicklungszusammenarbeit stärken

Die Existenz eines Ministeriums, das die Armutsbekämpfung und die gerechte Gestaltung der Globalisierung als Kernaufgabe verfolgt, ist eine Grundvoraussetzung für einen höheren Stellenwert der Entwicklungspolitik. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) muss gestärkt werden und die Koordination aller entwicklungsrelevanter Aktivitäten der Bundesregierung übernehmen. Die Außen-, Wirtschafts-, Handels-, Landwirtschafts- und Umweltpolitik müssen kohärent entwicklungsförderlich ausgerichtet werden.

3. Qualität der Entwicklungszusammenarbeit erhöhen

Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) hat viel erreicht, aber sie kann noch besser werden. Die Qualität, die Effizienz und die Wirksamkeit der deutschen EZ können durch eine verbesserte Kooperation sowohl der deutschen EZ-Organisationen als auch der anderen bi- und multilateralen Geber, durch eine stärkere Ausrichtung der EZ an den Schwerpunkten der Partnerländer und eine verstärkte Partizipation der Menschen vor Ort erhöht werden. Die Reform der EZ-Durchführungsorganisationen muss vorangebracht werden, um Synergien, Wirksamkeit und Effizienz der Entwicklungspolitik zu verbessern.

4. Finanzierungszusagen einhalten

Eine qualitativ bessere Entwicklungszusammenarbeit setzt eine angemessene Mittelausstattung voraus. Die Folgen der Krise für die Menschen in den ärmeren Entwicklungsländern müssen auch durch erhöhten Mitteleinsatz gemildert werden.

Notwendig ist die Einhaltung der Zusage des EU-Stufenplans, im Jahr 2010 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommen (BNE) für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen und diesen Anteil bis zum Jahr 2015 auf 0,7 Prozent zu erhöhen.

5. Mehr Einsatz für die Millenniumsziele

Die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG), auf die sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 verständigt hat, ist aufs Höchste gefährdet. Im Zuge der Krise werden Erfolge bei der Bekämpfung von Armut und Hunger zunichte gemacht. Deshalb sollte die Bundesregierung im Jahr 2010 einen deutschen „MDG–Aktionsplan“ erarbeiten und verabschieden, der ressortübergreifend festlegt, welche Initiativen Deutschland – national wie international – in den verbleibenden fünf Jahren bis zur Frist der MDGErreichung
ergreifen will.

6. Klare Schwerpunkte setzen

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Entwicklungspolitik müssen in den Sektoren liegen, die die drängendsten Probleme der Menschen in unseren Partnerländern betreffen. Deutlich mehr als bisher ist in die ländliche Entwicklung und die Sicherung der Welternährung zu investieren. Der Aufbau leistungsfähiger Bildungssysteme und eine Stärkung des Gesundheitswesens müssen ebenso eine hohe Priorität haben, wie der Ausbau der zivilen Krisenprävention und die Förderung von Demokratie und Menschenrechten.

7. Klimawandel eindämmen

Die ärmeren Entwicklungsländer, die am wenigsten für den globalen Klimawandel verantwortlich sind, sind am härtesten von dessen Folgen betroffen. Deshalb müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um die Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels ebenso zu unterstützen, wie bei der Nutzung von erneuerbaren Energien und der Einführung umweltschonender Technologien. Die Unterstützungen für die Anpassung an den Klimawandel müssen zusätzlich zu den Entwicklungshilfeleistungen erbracht werden.

8. Finanztransaktionssteuer einführen

Für die Regulierung von Finanzmärkten und die Verhinderung von spekulativen Kapitaltransfers ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer notwendig. Aus deren Erlösen können Maßnahmen zur weltweiten Armutsbekämpfung und der Anpassung an den Klimawandel finanziert werden. Um die finanziellen Ressourcen der Entwicklungsländer zu erhöhen, muss sich die Bundesregierung für wirksame Schritte zur Verhinderung von Steuer- und Kapitalflucht sowie die sofortige Schließung von Steueroasen einsetzen.

9. Unfaire Handelspraktiken einstellen

Die Verluste, die die Entwicklungsländer durch unfaire Handelspraktiken jährlich erleiden, übersteigen die weltweite Entwicklungshilfe um ein Vielfaches. Deshalb muss sich die Bundesregierung auf allen Ebenen für gerechte Welthandelsregeln einsetzen, die eine armutsorientierte Handels- und Wirtschaftspolitik unterstützen und nicht verhindern. Ein wichtiger Schritt dabei ist die sofortige und dauerhafte Abschaffung aller EUAgrarexportsubventionen.

10. Arbeit der Nichtregierungsorganisationen (NRO) stärken

Zivilgesellschaftliche Organisationen im Norden wie im Süden leisten wichtige Beiträge bei der Armutsbekämpfung und der Förderung von Demokratie und Menschenrechten. Diese Arbeit sollte nicht nur finanziell stärker, sondern auch administrativ weniger aufwendig gefördert werden, zum Beispiel durch Programmförderung oder Globalzuschüsse. Um den Informationsstand und die Akzeptanz von Entwicklungspolitik in der Öffentlichkeit zu erhöhen, müssen für die entwicklungspolitische Inlands- und Bildungsarbeit mehr Mittel bereitgestellt werden.

VENRO e. V. ist der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 120 deutsche NRO an, die in der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind.

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