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Initiative freedom roads!: Polizeieinsatz gegen postkoloniale Kunstperformance in Hamburgs Lettow-Vorbeck-Kaserne
P R E S S E M I T T E I L U N G
15.12.2011

Die Begehung “Kasernenechos: Widerstand und Widerhall”, die am 9.12.
anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit Tansanias in
Hamburg-Jenfeld stattfand, wurde durch ein größeres Polizeiaufgebot
abgebrochen.
Den Veranstaltern droht nun eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und wegen einer “unangemeldeten Demonstration”.
Im so genannten „Tansania-Park“ und auf dem Gelände der heute frei
zugänglichen ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld hatten
sich ca. 40 Menschen, unter ihnen Politiker aus Bezirk und Stadt, zu
einer performativen Begehung in 14 Szenen eingefunden. Die
veranstaltende Initiative freedom roads! wollte kritisch an den
deutschen Kolonialismus erinnern und den Widerstand der afrikanischen
Bevölkerung würdigen.
Mit Wasser und Asche, Verhüllung und Offenlegung, Flüsterung und
Aufforderung, mit lebenden Skulpturen und „weißen Flecken der
Erinnerung“ rückten sie den NS-Kolonialdenkmälern zu Leibe und kreierten
Momentaufnahmen einer würdevollen postkolonialen Erinnerungskultur. Die
gemeinsame Kunstaktion von Tansaniern und Deutschen forderte die Stadt
Hamburg, seit dem letzten Jahr Partnerstadt von Dar es Salaam in
Tansania, zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem kolonialen
Erbe auf.
“Wer einen umzäunten Kleingarten mit Nazi-Kolonialdenkmälern als
‚Tansania-Park’ bezeichnet“, so der Tansanier M.S. Mboro, „ist
respektlos und verhöhnt die zahlreichen Opfer des deutschen
Kolonialregimes. Ich bin schockiert darüber, dass bis heute Häuser nach
Kriegs- und Kolonialverbrechern wie Lettow-Vorbeck, Wissmann und Trotha
benannt sind.
Wie kann es sein, dass die ‚Schutztruppen-kommandeure’
‚Deutsch-Ostafrikas’ hier noch immer mit wuchtigen Terrakotta-Porträts
geehrt werden?”
Erst 2003 wurde der „Tansania-Park“ mit den zwei Reliefs des
„Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmals“ angelegt und inszeniert. Aus dem
Beirat, der ein erinnerungskulturelles Konzept erarbeiten sollte, traten
mehrere kolonialkritische ExpertInnen unter Protesten aus. Der kleine
Rest des fachlich überforderten Beirats hat nun ein fragwürdiges
Tafeltext-Exposé erarbeitet, das der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial
kürzlich kritisierte. Der Arbeitskreis reagierte mit einer Reihe von
Alternativvorschlägen, die postkoloniales Erinnern und Globales Lernen
in Hamburg-Jenfeld ermöglichen sollen. „Das vom Beirat vorgelegte
Exposé“ so die bildende Künstlerin HMJokinen, „kann dies jedenfalls
nicht leisten, denn es ist eurozentrisch und lässt zudem das Denkmal-
und Bauensemble als Ganzes außen vor.“
Der Historiker Christian Kopp fügt an: “Stadt und Bezirk sollten nun
endlich allen interessierten Fachleuten – vor allem aus Tansania und aus
Hamburgs Black Community – ermöglichen, an einem umfassenden
postkolonialen Konzept für das denkmalgeschützte Bauensemble
mitzuwirken.“
Während der Performance benannten die Teilnehmenden den „Kleinen
Exerzierplatz“ symbolisch in „Mohamed-Husen-Platz“ um – in Erinnerung an
den Kindersoldaten der deutschen „Schutztruppe“ in Ostafrika, der
später nach Deutschland kam und von den NS-Rassisten im KZ Sachsenhausen
ermordet wurde. Gerade bei dieser temporären „Umbenennung“ wurde die
Performance von der Polizei jäh unterbrochen. Die Einsatzkräfte waren
von Studierenden der benachbarten Bundeswehrhochschule – den heutigen
Bewohnern der Gebäude – herbeigerufen worden. Die gleich mit mehreren
Fahrzeugen anrückende Polizei drohte den Veranstaltern ein
Strafverfahren an.
Kontakt:
Christian Kopp
Initiative freedom roads!
info@freedom-roads.de
Tel.: 01799100976
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VENRO: Durban – Arme Länder werden zum Spielball der Reichen
PRESSEMELDUNG
28/2011
Festgefahrene Verhandlungen in Durban
Arme Länder werden zum Spielball der Reichen
Bonn, 1. Dezember 2011 -
Die Verhandlungen auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen im
südafrikanischen Durban erweisen sich schon jetzt als festgefahren.
Wieder einmal drohen politische Interessen die Frage zu überlagern, wie
der fortschreitende Klimawandel eingedämmt werden soll, kritisiert der
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
(VENRO).
„Entwicklungsländer
drohen mal wieder zum Spielball der großen Verschmutzer USA, China, EU,
Russland, Japan und Kanada zu werden – die jeder für sich andere
Strategien verfolgen. In Durban wird deutlich, dass die meisten
Entwicklungsländer eine ab 2013 zu vereinbarende zweite
Verpflichtungsperiode des Kyoto-Abkommens befürworten“, so
VENRO-Vorstandsmitglied Jürgen Reichel, der den Klimagipfel vor Ort
beobachtet.
VENRO
stimmt mit der Bundesregierung und der EU darin überein, dass es
rechtlich verbindliche Regelungen braucht, um C02-Emissionen auf Dauer
zu vermindern. „Die EU sollte deutlich Flagge zeigen, damit das
Kyoto-Protokoll nicht zerredet wird“, sagt Reichel. „Wenn die EU in
Durban nicht öffentlich aktiver wird und sich nicht deutlicher auf die
Seite der Entwicklungsländer stellt, droht ein Propagandagewinn der
Verweigererstaaten.“
„Hier
in Durban entsteht bei den vom Klimawandel schwer getroffenen
Entwicklungsländern der Eindruck, der EU gehe es vor allem darum, im
eigenen Interesse weltweit den Kohlenstoffausstoß zu reduzieren. Die
Entwicklungsländer warten aber auch auf Unterstützung für die gewaltigen
Anpassungsmaßnahmen, die sie tätigen müssen“, betont Reichel. Den
Entwicklungsländern erwachsen immense Schäden aus dem Klimawandel.
Deshalb sieht VENRO in der Einrichtung eines „Green Development Fund“
den Hauptindikator dafür, ob die Industriestaaten zu ihrer Verantwortung
stehen. Die weltweite Zivilgesellschaft werde darauf sehen, ob es sich
um neues, zusätzliches Geld handelt oder um eine Umetikettierung schon
bestehender Programme.
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Hamburg braucht keinen „Askariweg“!
Hamburg braucht keinen „Askariweg“!
Pressemitteilung vom 18.03.2011
Im Hamburger Stadtteil Wandsbek-Jenfeld hat die AG „ Wohnen und
Verkehr“ dem Bezirksamt die Anlegung eines „Askariwegs“ vorgeschlagen.
Gemeinsam mit einem ebenfalls projektierten „Tansaniaring“ soll die
Straße den so genannten „Tansania-Park“ flankieren. Der seit Jahren
umstrittene Gedenkort, der noch immer auf ein von der Öffentlichkeit
getragenes postkoloniales Erinnerungskonzept wartet, enthält zwei große
nationalsozialistische „Askari-Reliefs“ sowie ein Ehrendenkmal für die
koloniale „Schutztruppe“ und für das Afrika-Korps der deutschen
Wehrmacht.
„Mit einer solchen Benennung“, kritisiert der Historiker Christian
Kopp von der Kampagne freedom roads! koloniale straßennamen /
postkoloniale erinnerungskultur den Antrag, „würde nahtlos angeknüpft
werden an die Denkmäler der NS-Kolonialpropaganda, die den Mythos von
‚Deutschlands treuen Askari’, von seinen ‚anhänglichen’ afrikanischen
Kolonialsoldaten und Hilfstruppen pflegte. Auch ein Tansaniaring wäre in
diesem Kontext nicht passend.“
Die Legende von den „treuen Askari“ sollte Deutschlands Anspruch auf
die im Ersten Weltkrieg verlorenen Kolonien untermauern und die Mär von
der vermeintlichen „Beliebtheit“ der Deutschen in Afrika verbreiten. In
Wirklichkeit wurden die oft ortsfremden, von der Bevölkerung
gefürchteten Askarisoldaten benutzt, um in zahlreichen Kriegszügen
Millionen von Menschen unter das koloniale Joch zu zwingen. Allein
während des Maji-Maji-Krieges (1905-07) im Süden der ehemaligen Kolonie
„Deutsch-Ostafrika“ mordeten sie im Auftrag ihrer weißen Kommandeure
mehr als 100 000 Männer, Frauen und Kinder. Während des Ersten
Weltkriegs kostete der jahrelange Kampf der so genannten „Schutztruppe“
unter Lettow-Vorbeck gegen die Alliierten bis zu einer halben Million
ostafrikanischer Zivilisten das Leben.
„Die Opfer haben weder eine angemessene Entschädigung erhalten, noch
haben sie einen verantwortlichen Umgang der Bunderepublik Deutschland
erfahren in Bezug auf die kolonialen Verbrechen des Deutschen Reiches,
dessen Rechtsnachfolgerin die BRD ist“, so Sharon Otoo vom Vorstand der
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.). „Es ist an
der Zeit, dass sich Deutschland seiner Kolonialzeit und deren
Auswirkungen endlich selbstkritisch stellt und für die dadurch
entstandenen Schäden aufkommt.“
Eine aktuelle Resolution (www.freedom-roads.de/frrd/resoluti.htm) zur
Dekolonisierung des öffentlichen Raums und zu Formen der symbolischen
Wiedergutmachung wird von mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen
unterstützt. Ihnen geht es um die Würdigung von Opfern, Gegnerinnen und
Gegnern der deutschen Kolonialherrschaft, die anstelle der so genannten
„Kolonialhelden“ mit Straßennamen geehrt werden sollen. „Alternativ zu
diesem absolut schrecklichen Straßennamen, der die Opfer des
Kolonialismus verspottet,“ so die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst,
„möchten wir dem Bezirk Hamburg-Wandsbek einen Mohamed-Husen-Weg
vorschlagen.“
Die Universitätsprofessorin hat 2007 das Buch „Treu bis in den Tod“,
die weithin beachtete Biografie des von den Nationalsozialisten
ermordeten Ostafrikaners Bayume Mohamed Husen, veröffentlicht. Geboren
wurde er als Mahjub bin Adam Mohamed 1904 in Dar es Salaam, das seit
neuestem Hamburgs Partnerstadt ist. Im Weltkrieg diente Husen als
Kindersoldat der deutschen Kolonialmacht in Ostafrika.
In den späten 1920er Jahren kommt er nach Deutschland, um den Sold
einzufordern, den man ihm schuldig geblieben ist. Hier gründet er eine
Familie und steht als Filmschauspieler u.a. mit Zarah Leander und Hans
Albers vor der Kamera. Doch im NS-Staat hängt das Leben Schwarzer
Menschen am seidenen Faden. 1941 wird Bayume Mohamed Husen festgenommen
und verschleppt. Nach mehr als drei Jahren Haft kommt er im
Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben.
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Christliche Initiative Romero: adidas es reicht! Schluss mit Hungerlöhnen in den Nähfabriken!
Kampagne für Saubere Kleidung – Sport
adidas es reicht! – Schluss mit Hungerlöhnen in den Nähfabriken!
Aktiv zur Frauen-Fußball Weltmeisterschaft
Vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 wird in Deutschland die
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen ausgetragen. 16
Nationalmannschaften treten gegeneinander an. Wir wollen dieses
sportliche Ereignis dazu nutzen, auf die Schattenseiten der
Sportbekleidungsindustrie aufmerksam zu machen.
Arbeitsrechtsverletzungen sind Alltag
Während die Gewinnsummen der Sportartikelhersteller immer weiter in
den Himmel steigen, wissen Tausende von Näherinnen nicht, wie sie im
Monat über die Runden kommen sollen. Der Lohn der ArbeiterInnen in den
Produktionsländern für Sportbekleidung ist so niedrig, dass für sie kein
Weg aus der Armut führt, so hart sie auch schuften.
Machen Sie mit!
Wir werden zur Fußball-WM der Frauen zahlreiche Aktionen und
Veranstaltungen auf die Beine stellen. Zum Beispiel zur
adidas-Aktionärsversammlung am 12. Mai 2011 in Fürth.
Ihre Stadt ist Austragungsort der Frauen-Fußball-WM? Organisieren Sie
einen Infotisch und sammeln Sie Unterschriften auf Protestpostkarten
für einen existenzsichernden Lohn in den Nähfabriken von adidas!
Rundreise
Vom 23. Mai bis zum 5. Juni ist Marlyn Sanchez aus El Salvador auf
Einladung der Christlichen Initiative Romero in Deutschland zu Besuch.
Sie berichtet über die Missstände in der Nähfabrik Ocean Sky. Hier wird
u.a. für Puma und adidas/reebok produziert. Veranstaltungstermine ab
April auf unserer Homepage.
Infomaterialien
Bestellen Sie kostenlos (gegen Porto) Protestpostkarten und unsere kostenlose Aktionszeitung Anpfiff zur Frauen-Fußball-WM 2011!
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Christliche Initiative Romero: Gründungsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur als Genossenschaft
Demokratische Alternative
Gründungsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur als Genossenschaft
Der
Rüstungsinvestor Carlyle hat sich verstrickt: Eine Übernahme des
öko-sozialen Textilunternehmens Hess Natur hinter dem Rücken der
Öffentlichkeit wird seit Dezember immer wieder durch pressewirksame
Aktionen von attac u.a. verhindert. Doch ob er tatsächlich gänzlich vom
Verkaufstresen verschwunden ist, bleibt ungewiss. Fest steht: Niemand
wird ergeben auf den (nächsten) renditeorientierten Großinvestor warten.
Darum entschloss sich das Unternehmen jetzt selbst die Fäden in die
Hand zu nehmen.
Hintergrund
Durch die Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor (ehemals
Karstadt-Quelle) steht Hess Natur zum Verkauf. Der Pionierbetrieb im
Bereich Naturtextilien und Sozialstandards ist wirtschaftlich gesund.
Mitte Dezember wurde bekannt, dass ausgerechnet Carlyle – einer der
weltweit größten Rüstungs- u. Finanzinvestoren – sich gern mit dem
alternativen Versandunternehmen schmücken würde. Doch bevor Hess Natur
in den Einkaufskorb wanderte, hagelte es Boykott-Androhungen von fast
10.000 KundInnen!
Das Netzwerk Solidarische Ökonomie und die gleichnamige attac AG
luden am 10. Januar nach Frankfurt ein, um ein demokratisches
Alternativkonzept zur Weiterführung von Hess Natur vorzustellen. Der
Betriebsrat von Hess Natur und erste KundInnen schlossen sich an, sogar
LieferantInnen meldeten großes Interesse an der Idee. Auch die Kampagne für Saubere Kleidung
ist inzwischen Mitglied der Initiative. Die Gruppe wird u.a. von
mehreren ExpertInnen des Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften
und der innova eG juristisch und ökonomisch begleitet. Seit Januar
erreichen uns stetig Anfragen von weiteren
Genossenschafts-Interessierten und UnterstützerInnen.
Vorteile einer Genossenschaft
Die Rechtsform der Genossenschaft (eG) bietet u.a. den Vorteil, dass
KundInnen in Form einer Rückvergütung (nachträglicher Rabatt) steuerfrei
am Gewinn der Firma beteiligt werden können. Ähnliches gilt für die
MitarbeiterInnen. Denn Genossenschaften sind quasi wirtschaftliche
Selbsthilfe-Einrichtungen, die grundsätzlich nicht auf Gewinn
ausgerichtet sind. Vor allem gilt in Genossenschaften das
Demokratieprinzip „one person – one vote“. Anders als in
Aktiengesellschaften hat jedes also Mitglied eine Stimme, unabhängig von
der jeweiligen Einlagenhöhe. Damit könnte Hess Natur als Kooperative
praktisch nicht mehr von Fremdinvestoren übernommen werden.
Mitglied werden und den Ausverkauf verhindern!
Werden auch Sie Mitglied der hnGeno
– der Kooperative zur Weiterführung von Hess Natur. Damit ermöglichen
Sie, das öko-faire Textilunternehmen Hess Natur gemeinsam demokratisch
weiterzuführen! Werden Sie Teil eines Unternehmens, das Ökologie, faire
Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften zum Ziel hat und nicht
die Spekulationsspielchen und Superrenditen einiger Weniger.
Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Genossenschaftsinitiative zur Weiterführung von Hess Natur, auch eine Liste mit Fragen und Antworten sowie das Betriebsfortführungskonzept zur Weiterführung von Hess Natur als Kooperative stehen dort zur Verfügung.
Verhindern wir gemeinsam, dass der US-Private Equity Fonds Carlyle
oder andere rein renditeinteressierte Großinvestoren den
Vorreiterbetrieb für Ökotextilien aufkaufen und ausplündern. Nur wenn
sich Tausende einmischen und Mitglied der Genossenschaft werden, können
wir Carlyle etwas entgegensetzen!
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Internationaler Aufruf zu sofortigen Maßnahmen gegen Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln
Finanzwetten auf Nahrungsmittel und Hunger stoppen
Internationaler Aufruf zu sofortigen Maßnahmen gegen Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln
17.2.2011
In den vergangenen Jahren haben Preissteigerungen bei
Grundnahrungsmitteln immer wieder zu dramatischen Verknappungen in
vielen der weltweit ärmsten Länder geführt. Im Jahr 2008 erlebte die
Welt eine ernsthafte Krise, weil die Preise für Reis, Weizen und Mais
empor schnell-ten. In 25 Ländern brachen Hungerrevolten aus, und die
weltweite Gesamtzahl der hungernden Menschen wuchs um 100 Millionen.
Angesichts der derzeitig erneut steigenden Nahrungsmittelpreise
könnte eine ähnliche Krise bereits vor der Tür stehen. Wir fordern daher
die Politiker und Regierungschefs der Europäi-schen Union, der USA und
anderer Staaten auf, sofort zu handeln um eine erneute
Nahrungs-mittelkrise zu verhindern.
Hunger und Unterernährung zu beseitigen ist eine riesige
Herausforderung, aber ein konkreter Schritt wäre es, die
Finanzspekulation mit Agrarprodukten zu zügeln. Die unruhigen Zeiten auf
den Finanzmärkten machen Termingeschäfte (‚futures’) mit Agrarprodukten
für Finanzinvesto-ren und Spekulanten attraktiv. Enorme Kapitalmengen
fluten diese Märkte. Damit verursachen sie plötzliche Preisanstiege, die
für gering verdienende Familien in Entwicklungsländern tödliche
Konsequenzen haben können. Hinzu kommt die steigende Preisvolatilität,
da „heißes Geld“ in die Märkte ein- und wieder herausströmt. Dies hat
verheerende Wirkungen für BäuerInnen, denn sie können selbst kurzfristig
nicht vorhersehen, welche Preise ihre Ernte erzielen wird.
Momentan wird die Regulierung von exzessiver Rohstoffspekulation in den
USA und der EU erwogen. In beiden Fällen existieren Möglichkeiten,
Reformen umzusetzen und so die Nah-rungsmittelpreise zu stabilisieren.
Auch die Regierungen der G20 haben dieses Thema als eine Hauptpriorität
ausgemacht. Dieses politische Umfeld bedeutet eine historische
Möglichkeit, ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Finanz- und
Agrarmärkten zu sichern.
Doch die Finanzindustrie hat bereits Milliarden Euros investiert, um
bei den Regierungen gegen Spekulationsgrenzen zu lobbyieren. Diese
Lobbyisten vertreten eine kleine, aber überaus mächtige
Interessengruppe, die von Geschäften profitieren, die für die Mehrheit
der Menschen desaströs ist.
Wir fordern daher Regierungen und Abgeordnete auf, stattdessen den
vielen VerbraucherInnen, ArbeiterInnen, BäuerInnen, Unternehmen,
religiösen Gruppen, WissenschaftlerInnen, internationalen
EntwicklungsaktivistInnen und allen anderen zuzuhören, die davon
überzeugt sind, dass nur eine wirkungsvolle Kontrolle von
Rohstoffspekulation die NahrungsmittelproduzentInnen und die weltweit
ärmsten Menschen vor plötzlichen Preisspitzen und –schwankungen schützen
kann.
Wir brauchen Regeln für mehrere Schlüsselbereiche. So müssen
vollständige Transparenz und Aufsicht der Finanzmärkte für
Nahrungsmittel gewährleistet werden. Der Beteiligung rein
fi-nanzwirtschaflicher Akteure in Warenterminmärkten für Rohstoffe
müssen enge Grenzen ge-setzt werden. Zudem muss der Aufkauf von
physischen Lagerbeständen durch Finanzakteure verboten werden.
Das Anliegen ist dringend. Nicht nur, weil es derzeit lebhafte
Diskussionen auf US-, EU- und G20-Ebene gibt, sondern vor allem weil die
Preise auf den Agrar- und Finanzmärkte mit jedem Monat stärker
schwanken. Wenn keine Maßnahmen getroffen werden, um die exzessive
Spekulation zu unterbinden, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis
wir das nächste Kapitel der globalen Hungerkrisen erleben.
Unterzeichnende Organisationen:
Action Consommation (France)
Africa Development Interchange Network – ADIN (Cameroon)
Africa Europe Faith & Justice Network – AEFJN (Brussels)
Agricultural Christian Fellowship (UK)
Alianza Mexicana por la Autodeterminación de los Pueblos – AMAP (Mexico)
Antenne Italienne – AEFJN (Italy)
Arthur Rank Centre, the Churches’ Rural Resources Unit for England (UK)
Association of Forest Schools (Hungary)
Association of Local Communities, World Tree (Hungary)
Associazione di promozione sociale – Association of social promotion -ARCI (Italy)
Associazione di solidarietà e cooperazione internazionale- LIVA (Italy)
Associazione Michele Mancino (Italy)
Associazione Rurale Italiana – A.R.I. (Italy)
Associazioni cristiane lavoratori italiani – ACLI (Italy)
Attac Austria (Austria)
Attac Finland (Finland)
Attac France (France)
Attac Norway (Norway)
Attac Spain (Spain)
ATTAC Spain (Spain)
Campagna per la Riforma della Banca Mondiale Campaign for the reform of the World Bank-
CRBM (Italy)
CCFD-Terre solidaire (France)
Center for Women’s Global Leadership
Centro Nuovo Modello di Sviluppo – New Center Model of Development (Italy)
Civil Watch Association of Financial Institutions (Hungary)
Clear Water Society (Hungary)
Company of the Daughters of Charity of St. Vincent de Paul
Concord Denmark (Denmark)
Congregation of Saint Jospeh (USA)
Consorzio Ctm altromercato (Italy)
Consumers Association (India)
Consumers International
Corporate Europe Observatory (Belguim)
Cultural and Environmental Association of Keresztur (Hungary)
Dominican Leadership Conference
ECA Watch Austria (Austria)
Ecologistas en Acción (Spain)
ELTE Environmental Sciences Club (Hungary)
E-misszió Environmental Association (Hungary)
Eurodad – European Network on Debt and Development
European Attac Network
Fair, Fair Trade Organization in Italy (Italy)
Fairtrade Foundation (UK)
Federazione Italiana Bancari e Assicurativi – Italian Federation of Bankers and Insurance
FIBA- CISL (Italy)
Focus on the Global South
Food & Water Europe
Food Ethics Council (UK)
Foundation Oyugis Integrated Project (Netherlands)
Friends of the Earth (Europe)
Friends of the Earth (France)
Friends of the Earth (US)
Gender Action (US)
Green Action Association (Hungary)
Green Answer (Hungary)
Green Island Circle (Hungary)
Green Umbrella Project (Hungary)
Hungarian Climate Alliance (Hungary)
Hungarian Union for Climate Protection (Hungary)
Institute for Agriculture and Trade Policy – IATP
Institute for Policy Studies, Global Economy Project (USA)
International Grail Movement (Netherlands)
JNM, jeugdbond voor natuur en milieu – youth movement for nature and environment
(Belgium)
Jubilee Debt Campaign (UK)
Kairos Europe (Belguim)
Kenya Debt Relief Network – KENDREN (Kenya)
La Gabbianella Coordinamento per il Sostegno a distanza onlus (Italy)
Leadership Conference of Women Religious (USA)
Living Houses (Hungary)
M.A.I.S. Ngo (Italy)
Magosfa Foundation for Environmental Education and Ecotourism (Hungary)
Mani Tese (Italy)
Marianists International (USA)
Maryknoll Office for Global Concerns (USA)
Medical Mission Sisters (USA)
Mexican Action Network on Free Trade (Mexico)
Mill Hiill Missionary (Netherlands)
Missionaries of Africa (Netherlands)
Missionaries of the Society of the Divine Word in Teteringen (Netherlands)
Missionary Holy Ghost Sisters (Netherlands)
Moccantó Society (Hungary)
New Economics Foundation (UK)
New Rules for Global Finance Coalition (USA)
ÖBV – Via Campesina Austria (Austria)
People & Planet (UK)
PLANT – Partners for the Land & Agricultural Needs of Traditional Peoples (USA)
Platform Aarde Boer Consument – Earth, Farmer, Consumer (Netherlands)
Red Mexicana de Acción frente al Libre Comercio – RMALC (Mexico)
Religious Sisters of Charity (UK)
Savona Province Administration (Italy)
Second Chance Foundation, NYC (USA)
Share The World’s Resources
Silvavitae Conservation society (Hungary)
Sisters of Charity (Netherlands)
Soil Association (UK)
SoL Hungary (Hungary)
SOMO – Centre for Research on Multinational Corporations (Netherlands)
SWISSAID (Switzerland)
SZIKE Enviromental & Health Association (Hungary)
Terra Nuova centro per il Volontariato – New earth center for the Voluntary service (Italy)
The Affording Hope Project (USA)
The Corner House (UK)
The Seed Institute (Kenya)
The Spiritan Province Congregation of the Holy Spirit (USA)
ThuzeuszFoundation (Hungary)
Traidcraft Exchange (UK)
Védegylet – Protect the Future (Hungary)
War on Want (UK)
Waste Reduction Alliance (Hungary)
Welthaus Diocese Graz-Seckau (Austria)
WhyHunger (USA)
WIDE Network (Belgium)
World Development Movement (UK)
World Economy, Ecology & Development (Germany)
WOWS – Wide Open World Security, Open Society (Hungary)
Xarxa de l’Observatori del Deute en la Globalització (ODG, Spanish State)
Zoldtars Envionrmental Foundation (Hungary)
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Spenden für die Unterstützungsarbeit der lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz
Bitte um Spenden für die Unterstützungsarbeit der
lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz an der
Bucht von Sepetiba, Rio de Janeiro.
Das
bundesweite Netzwerk der Brasilien-Solidaritätsgruppen Kooperation
Brasilien (KoBra) bittet dringend um Spenden zur Unterstützung der
lokalen Opfer des Stahlwerks ThyssenKrupp CSA an der Bucht von Sepetiba.
Mit den Spenden werden die von unserer Partnerorganisation PACS
koordinierten Aktivitäten wie Informationsvermittlung, Rechtsberatung,
Bildung, Vernetzung, Mobilisierung sowie Organisation der
Stadtteilversammlungen der AnwohnerInnen und der FischerInnen
finanziert. Diese sind angesichts der sich aktuell zuspitzenden
Situation dringend notwendig.
Denn nur wer seine Rechte kennt, kann sich auch zur Wehr setzen.
Bankverbindung/Spende: Kooperation Brasilien e.V.
Postbank Karlsruhe (BLZ 66010075)
Kto.-Nr. 301011-752 Stichwort: “Bucht von Sepetiba”
KoBra leitet die Gelder abzugsfrei nach Brasilien an die
Nichtregierungsorganisation PACS weiter, die den Widerstand der lokalen
AnwohnerInnen unterstützt. KoBra setzt sich allgemein für die als
besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Zwecke “Förderung
der Völkerverständigung” ein, die laut Abschnitt A, Nr.10 der Anlage 1
zu § 48 Abs.2 EStDV als besonders förderungswürdig anerkannt sind. KoBra
ist berechtigt, für Spenden Zuwendungsbestätigungen nach amtlich
vorgeschriebenem Vordruck (§ 50 Abs. 1 EStDV) auszustellen.
Zum Hintergrund:
Der Konflikt um den Fall des Stahlwerkes ThyssenKrupp CSA in Santa Cruz an der Bucht von Sepetiba, Rio de Janeiro.
ThyssenKrupp CSA ist wegen wiederholten Umweltverstößen von den
Behörden mit Geldbußen und Entschädigungszahlungen belegt worden. Zudem
hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Gesundheitsgefährdung der
Anwohner erhoben.
Die 8.000 lokalen FischerInnen der Bucht von Sepetiba mussten seit
Beginn der Bauarbeiten im Jahre 2006 massive Einkommensverluste von bis
zu 80 Prozent hinnehmen. Ihre Lebensgrundlage wurde ihnen geraubt.
AnwohnerInnen und FischerInnen leiden massiv unter den
Umweltauswirkungen dieses größten Stahlwerks Lateinamerikas. Dagegen
setzt unsere Partnerorganisation PACS in Brasilien vor Ort auf
Informationsvermittlung, Rechtsberatung, Bildung, Vernetzung und
Mobilisierung.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage:
http://www.kooperation-brasilien.org/
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Arbeitskonflikt zwischen Triumph und asiatischen Gewerkschaften: Schweizer OECD-Kontaktpunkt als schlechter Schlichter
Berlin, 31.01.2011 – Ohne dass es je zu einem Mediationstreffen kam,
hat der Schweizer Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für Multinationale
Unternehmen überraschend das Beschwerdeverfahren gegen den
Dessous-Produzenten Triumph International beendet, das nach der
Einreichung einer Beschwerde von Gewerkschaften aus Thailand und von den
Philippinen begonnen hatte. Ohne vorherige Gewerkschaftsverhandlung
hatte Triumph International im Sommer 2009 3600 Arbeiterinnen in
Thailand und auf den Philippinen entlassen, worauf die Gewerkschaften
eine Beschwerde eingereicht hatten. Die Entscheidung des Nationalen
Kontaktpunkts (NKP) in der Schweiz wirft ernsthafte Fragen bezüglich der
Mediationsbereitschaft von Triumph und der Bereitschaft des NKP auf,
seiner Rolle als unparteiischer Vermittler gerecht zu werden.
Obwohl Triumph zu Beginn Offenheit für eine Vermittlung durch den NKP
signalisierte hatte, hat das Unternehmen später Mediationstreffen
abgelehnt, in denen Kernpunkte der Beschwerde besprochen werden sollten.
Der NKP beugte sich der Unternehmenshaltung und ließ damit zu, dass der
Mediationsversuch endete, noch bevor es je zu einem Treffen mit den
Gewerkschaften kam.
Melona Daclan von Defend Job Philippines sagt über das
Beschwerdeverfahren: „Der NKP hat kaum Arbeit geleistet und die
Korrespondenz zwischen Triumph und den Gewerkschaften hin- und
hergeschickt, nie jedoch mit einem konstruktiven Vorschlag die
Organisation eines Mediationstreffens unterstützt oder den Fall
unabhängig untersucht.“ Defend Job Philippines ist eine der
Organisationen, welche die Beschwerde eingereicht hatten.
In der Schlusserklärung gibt der NKP keine Einschätzung ab, ob die
OECD- Leitsätze von Triumph verletzt wurden und spricht auch keine
Empfehlung für die bessere Implementierung der Leitsätze aus, wie es dem
NKP eigentlich vorgeschrieben ist. „Der Beschwerdemechanismus verkommt
zu einem zahnlosen und unnützen Instrument, wenn der NKP sich nicht
einmal dazu äussert, ob es zu einer Verletzung der OECD-Leitsätze kam“,
sagt Julia Thimm von INKOTA/Kampagne für Saubere Kleidung. „Die
Schlusserklärung trägt nichts zur Lösung des Arbeitskonfliktes bei. Im
Gegenteil: Die Erklärung sendet Firmen das Signal, dass sie machen
können, was sie wollen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden.“
„Die minimalistische Art, wie der Schweizer NKP die Beschwerde
abgewickelt hat, zeigt, wie nötig Mindeststandards für die Bearbeitung
von Beschwerden sind, damit sich derartige Mängel in Zukunft nicht
wiederholen“, so Joseph Wilde-Ramsing vom internationalen ‚Corporate
Accountability‘-Netzwerk OECD Watch. „Die aktuelle Überarbeitung der
OECD-Leitsätze bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Richtlinien
für die NKPs und damit deren Funktionieren zu verbessern. Regierungen
müssen jetzt aktiv werden und die nötigen Anpassungen anpacken.“
Der NKP hat sich geweigert, notwendige Mediationstreffen in Thailand
oder den Philippinen abzuhalten und war auch nicht gewillt, die
Beschwerdeführerinnen finanziell für eine Reise in die Schweiz oder für
die Übersetzung von Schlüsseldokumenten zu unterstützen. Dies erschwerte
den Zugang zum Beschwerdemechanismus und machte es für die
Gewerkschafterinnen schwierig, sich an diesem Prozess zu beteiligen.
Heiner Köhnen von TIE Internationales Bildungswerk e.V. ergänzt: „Es ist
sehr unbefriedigend zu sehen, dass der Schweizer NKP nicht gewillt war,
den Gewerkschaften eine echte Chance zu geben und Triumph die Freiheit
gab, die Agenda zu diktieren.“ TIE hatte den Gewerkschaften bei der
Einreichung der Beschwerde beratend zur Seite gestanden.
Für weitere Informationen:
Julia Thimm
Kampagne für Saubere Kleidung
c/o INKOTA-netzwerk e.V., Chrysanthemenstr. 1-3, 10407 Berlin
Mobil: +49 (0) 179 90 93 684
thimm@inkota.de
www.inkota.de/triumph
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Kampagne „Daimler – Star of Apartheid“: Übergabe von Protestunterschriften an Daimler in Stuttgart
Konzern übernimmt keine Verantwortung für Geschäfte mit Apartheidregime
Anlässlich
des südafrikanischen Tages der Versöhnung am 16. Dezember überreichten
Menschenrechtsaktivisten, die sich in der Kampagne „Daimler – Star of
Apartheid“ zusammengeschlossen haben, mehrere Tausend
Protest-Unterschriften an Daimler. Die Kampagne sammelte während der
Fußball-Weltmeisterschaft Unterschriften, um Daimler zu einer
angemessenen Entschädigung für die Überlebenden des Apartheidregimes zu
bewegen.
Die Daimler AG machte profitable Geschäfte mit dem Regime. Dem
Unternehmen wird in einem laufenden Gerichtsverfahren vorgeworfen, damit
Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen geleistet zu haben.
Bereits 1966 wurde das Apartheidsystem in Südafrika von der
Vollversammlung der UN als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnet.
„Trotzdem verkaufte Daimler Fahrzeuge und Maschinen an das Regime.
Fahrzeuge mit denen die Sicherheitskräfte den politischen Protest
bekämpften“, erläutert das Kampagnenbündnis von
Nichtregierungsorganisationen (darunter medico international, Kirchliche
Arbeitsstelle Südliches Afrika, Koordination Südliches Afrika,
Solidaritätsdienst-international). „Daher soll die Daimler AG ihre
Mitverantwortung gegenüber den Opfern endlich übernehmen“ fordert das
auch von attac, der Bundeskoordination Internationalismus, IG Metall
Vertrauensleuten, und Betriebsräten des Daimler-Werkes in Bremen und
vielen Einzelpersonen unterstützte Bündnis.
In Südafrika wird die Kampagne von dem größten Apartheid-Opferverband
des Landes, der Khulumani Support Group getragen. „Ohne die Beteiligung
internationaler Unternehmen an der dringend benötigten finanziellen
Entschädigung der Opfer wird der Versöhnungsprozess nicht abgeschlossen
werden können“, so Marjorie Jobson, Direktorin von Khulumani.
Am Donnerstag, den 16. Dezember wurden die Unterschriften um 11 Uhr
vor den Toren des Stuttgarter Werkes in der Mercedesstraße 137
stellvertretend an einen Daimler-Betriebsrat übergeben, da die
Konzernzentrale sich weigert, diese persönlich entgegen zu nehmen.
Georg Rapp, Betriebsrat im Daimler-Werk Untertürkheim, sagt dazu:
„Diese Haltung des Daimler-Vorstands ist nicht akzeptabel. Die Bilder
der militärisch aufgerüsteten Daimler-Unimogs, die in den Townships
sogar gegen demonstrierende Schüler eingesetzt wurden, sind nicht
vergessen. Der Konzern muss sich seiner Verantwortung für diese
Unterstützung des Apartheidregimes stellen!“
KHULUMANI STATEMENT FOR HANDING-OVER CEREMONY:
Twelve years after the Human Rights Hearings of the South African
Truth and Reconciliation Commission (TRC) concluded in 1998, the issue
of delivering on redress for the victims and survivors of apartheid
gross human rights abuses, has been mainstreamed in the South African
media.
Just over one month ago, the South African Department of Justice and
Constitutional Development acknowledged that government had failed to
adequately embrace the urgent needs of victims and survivors of
apartheid gross human rights atrocities through reparative and
rehabilitative measures. The department expressed the view that their
stringent adherence to the very limited number of some 17,000 victims
identified by the South African TRC, had left those who had made some of
the greatest sacrifices in the achievement of a democracy in South
Africa in situations of destitution and exclusion. Government
acknowledged both its legal and its moral obligation to provide
reparative justice to victims and survivors, especially given the
several opportunities created for perpetrators to be pardoned or to be
given immunity from prosecution.
While South African officials take stock of the measures still needed
to redress a horrendous and costly past, Daimler as the lead defendant
in the South Africa Apartheid Litigation, has stubbornly refused to
acknowledge its complicity in the perpetration of the crimes of
apartheid.
As Khulumani’s German partners submit their calls to Daimler today,
demanding that Daimler come clean on its past complicity with the
apartheid regime, which it equipped with the the commodities used to
kill and severely injure opponents of the hated apartheid state,
Khulumani also calls on Daimler AG to take a stand to assist in
redressing this abhorrent past.
By instituting actions to make amends for its complicity in
committing harms against civilians in South Africa during apartheid,
Daimler AG would counter the serious reputational damage it has
sustained for its contribution to the commission of these historical
crimes.
Daimler’s STAR continues to be associated with this history of
apartheid death and destruction. This is a memory that has not been
erased in South Africa whose citizens experienced its own Holocaust
aided and abetted by the corporate complicity of Daimler AG amongst
others.
Issued by Marjorie Jobson, National Director of Khulumani Support Group,
a national membership organisation of 65,000 victism and survivors of apartheid atrocities
Rückfragen und Interviews:
*
Dieter Simon, Koordination Südliches Afrika, Tel. 0178 3488719
*
Anne Jung, medico international, Tel. 0179 1230719
*
Simone Knapp, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika, Tel. 0163 7302888
Mehr Informationen zur Kampagne unter:
www.star-of-apartheid.de
www.kosa.org/thema_entschaedigung.html ---------------------------------------------------------------------------------
Kommuniqué der ägyptischen Kommunistischen Partei
Die Revolution geht weiter bis zur Verwirklichung der Forderungen des Volkes
Die Stunde der Wahrheit naht. Die Stunde in der das ägyptische Volk den Sturz Mubaraks und seines Regimes durchsetzen wird.
Das Unterdrückungsregime erlebt seinen letzten Augenblick, vor allem
nach dem es seine US-Sponsoren, in der Folge der Volksrevolution, die
stetig anwachsend alle Städte und Regionen Ägyptens erfasst, verlassen
haben.
Die heutigen Demonstrationen haben Millionen Bürger hinter der der
Forderung nach einer Abreise Mubaraks versammelt. Sie garantieren, dass
jeder Komplott des Diktators und seiner Bande, die Revolution zu
zerstören, zum Scheitern verurteilt sein wird.
Das Abkommen zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien zur
Gründung eines Wohlfahrtsausschusses, dass die Forderungen der
Volksmassen, und im besonderen der Demonstranten aufnimmt, ist ein
wesentlicher Punkt um die politischen, ökonomischen und sozialen
Forderungen der Revolution zu erfüllen.
Deshalb bestehen wir auf den wesentlichen Forderungen, die von allen
patriotischen Kräften, die im konstituierten Volksparlament vertreten
sind, akzeptiert werden:
- 1. Den Sturz Mubaraks durchsetzen und einen Präsidialrat für eine zeitlich begrenzte Periode bilden;
- Eine Koalitionsregierung bilden, die sich der Führung des Landes während einer Übergangsperiode annimmt;
- Den Appell für eine verfassungsgebende Versammlung, die gewählt wird
mit der Aufgabe der Ausarbeitung einer neuen Verfassung auf der
Grundlage des Prinzips der nationalen Souveränität und die diesen
Wechsel im Rahmen eines laizistischen, demokratischen und gerechten
Staates garantiert;
- Die Verantwortlichen der Massaker, die hunderten Märtyrern das Leben
gekostet haben und Tausende Verletzte gefordert haben, vor Gericht
stellen, aber auch die Verantwortlichen für die Korruption, die die
Reichtümer, die vom ägyptischen Volk geschaffen wurden, gestohlen haben.
Es lebe die Revolution des ägyptischen Volkes!
Kairo, den 1. Februar 2011
Übersetzung aus dem Französischen: Martin Hantke
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Zeitungsanzeige für die Cuban Five in “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald”
Am 24. Januar 2011 wurde eine Anzeige für die Cuban Five in “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald” veröffentlicht.
Die
Organisation der Alianza Martiana haben diese Anzeige organisiert. In
der anzeige wird die für die Cuban Five gefordert. Die Anzeige ist in
der gedruckten Ausgabe von “The Miami Herald” und “El Nuevo Herald”
erschien. Schon am 11. Januar hatte Alianza Martiana die gleiche Anzeige
auf einer Plakatwand in Miami plakatiert.
Anlässlich der Einschüchterung des rechtsradikalen Flügels hatte die
Firma, der die Plakatwand gehörte, das Plakat 24 Stunden nach ihrer
Errichtung wieder entfernt. Dies zeigt einmal mehr den intoleranten,
zornigen und antidemokratischen Charakter der kubanisch-amerikanischen
Rechten in Miami.
Die von der Alianza Martiana heute veröffentlichten Anzeigen in The
Miami Herald und El Nuevo Herald zeigen, dass sich die Menschenrechtler
in Miami nicht einschüchtern lassen und die Forderung, dass den Cuban
Five unverzüglich durch eine präsidiale Begnadigung Freiheit gewährt
werden muss, weiterhin öffentlich machen.
Die nationale Kampagne in den Vereinigten Staaten und die weltweite
Kampagne in Ländern aller Kontinente weitet sich aus und vertieft sich.
Den Organisatoren kann man nur äußersten Respekt entgegenbringen, da die
politische Rechte in Miami massiv gegen Aktivisten Stimmung macht und
diese auch bedroht.
Gemeinsam werden wir weiterhin dafür kämpfen, bis unsere Forderung “Freiheit für die Cuban Five” endlich umgesetzt wird!
(Quelle: Andres Gómez, Leiter von Areítodigital- http://www.freethefive.org/updates/Comuniques/COAlianzaAd012411.htm
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OXFAM: Spekulanten setzen Menschenleben aufs Spiel
Oxfam begrüßt Aigners Vorstoß gegen Nahrungsmittelspekulation
“Spekulanten setzen Menschenleben aufs Spiel”
Berlin, 20. Januar 2011. Zu Beginn der Internationalen Grünen Woche
diskutieren am Samstag Agrarminister aus aller Welt die angespannte Lage
auf den Weltgetreidemärkten und die Rolle der Spekulation.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner will die Spekulation mit
Grundnahrungsmitteln eindämmen. Oxfam begrüßt den Vorstoß der
Ministerin. “Wenn Spekulanten auf steigende Preise wetten, setzen sie
Menschenleben aufs Spiel”, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.
“Mehr als 100 Millionen Menschen mussten im Jahr 2008 hungern, weil
Spekulanten den Preisanstieg anheizten und auf hohe Gewinne setzten”, so
Wiggerthale. Oxfam fordert daher von der Bundesregierung, bei den
anstehenden EU-Finanzmarktreformen und im G20-Prozess Regeln zu
formulieren, die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln unterbinden.
Hedgefonds, Indexfonds und Banken treiben die Preise hoch
“Gelockerte Finanzmarktregeln in den USA haben die Spekulation mit
Getreide angeheizt und die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln
befördert”, erklärt Wiggerthale. Die von Banken aufgelegten Indexfonds
im Agrarbereich entwickelten sich zur attraktiven Anlage, insbesondere
für Pensionsfonds, Versicherungen und Staatsfonds. “Wer auf Indexfonds
setzt, will von steigenden Agrar- bzw. Getreidepreisen profitieren”, so
Wiggerthale. Auch Hedgefonds mischten kräftig mit. Als Marktkenner
setzten sie je nach Trend auf steigende oder fallende Preise, um
kurzfristige Profite zu erzielen.
Lage auf den Weltgetreidemärkten sehr angespannt
“Die Mais- und Weizenpreise sind bereits im letzten halben Jahr stark
gestiegen”, warnt Wiggerthale. Die Maispreise lägen nur 10 Prozent
unterhalb des Höchstwertes im Juni 2008, während der
Nahrungsmittelkrise. Bei Weizen sei der Preisanstieg noch nicht
bedrohlich (31 Prozent unterhalb des Höchstwertes im März 2008), aber
die Wettervorhersagen gäben Anlass zur Sorge um die Ernten. In stark von
Weizenimporten abhängigen Ländern wie Sudan, Mauretanien, Afghanistan
und Mongolei verursachen die Weltmarktpreise bereits Preissteigerungen
im Inland.* “Die Preisentwicklung bei Weizen und Mais lässt sich nicht
allein mit den fundamentalen Marktdaten – Angebot, Nachfrage,
Lagerbestände – erklären”, stellt Wiggerthale klar.
Hier ein Dokument in Englisch von der FAO
Weitere Informationen zum Download:
Hintergrundpapier zur Nahrungsmittelspekulation:www.oxfam.de/publikationen/Nahrungsmittelspekulation
Entwicklung und Geschichte der Warenterminmärkte:www.oxfam.de/publikationen/Geschichte-Warenterminmaerkte
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INKOTA: Killer Jeans: Aufruf zum globalen Produktionsstopp
Sandgestrahlte Jeans
Killer Jeans: Aufruf zum globalen Produktionsstopp
INKOTA
und die Kampgane für Saubere Kleidung fordern ein Produktionsverbot für
sandgestrahlte Jeans, die unter extrem gesundheitsgefährdenden
Bedingungen hergestellt werden.
Einige der schicken Jeans im Used-Look oder Vintage-Style werden
unter extrem gesundheitsgefährdenden Bedingungen veredelt. Damit die
brandneuen Kleidungsstücke aussehen, als wären sie schon lange getragen
worden, werden sie von ArbeiterInnen in Ländern wie der Türkei,
Bangladesch, Ägypten, China, Brasilien oder Mexiko sandgestrahlt.
Dieses sogenannte Sandstrahlen schädigt vor allem die Lungen von
ArbeiterInnen, die nicht ausreichend gegen den gefährlichen Staub
geschützt sind. Schätzungsweise 4.000 bis 5.000 ArbeiterInnen erkrankten
bisher alleine in der Türkei an der aus dem Bergbau bekannten Krankheit
Silikose (Staublunge), 46 sind daran bereits verstorben. Die weltweite
Dunkelziffer jedoch liegt viel höher, da Sandstrahlen sehr oft in der
informellen Wirtschaft stattfindet. Für die Lungenkrankheit Silikose
gibt es keine Heilung, ihr Ausgang ist häufig tödlich.
Die Kampagne für Saubere Kleidung arbeitet deshalb seit 2009 mit dem
türkischen Solidaritätskomitee für SandstrahlerInnen (The Solidarity
Committee of Sandblasting Labourers) zusammen, das im Juni 2008 in der
Türkei gegründet wurde.
Das Komitee führt breit angelegte Sensibilisierungskampagnen zum
Thema Sandstrahlen durch und versucht, die meist aus dem informellen
Sektor stammenden ArbeiterInnen (sehr oft auch MigrantInnen) zu
organisieren. Darin tätig sind ehemalige SandstrahlerInnen, ÄrztInnen,
JuristInnen und GewerkschafterInnen.
Nach einem ersten Teilerfolg in der Türkei, bei dem die
Sandstrahltechnik im März 2009 verboten wurde, unterstützt das Komitee
vor allem ehemalige SandstrahlerInnen beim Kampf um ihre Rechte, und
engagiert sich gegen immer wieder vorkommende, illegale
Sandstrahlaktivitäten in der Türkei.
Da mit dem türkischen Verbot das Problem nicht gelöst, sondern nur
verlagert wurde, ruft das Solidarity Committee of Sandblasting Labourers
gemeinsam mit der Clean Clothes Campaign und ihren Bündnispartnern zum
globalen Stopp der Sandstrahlaktivitäten in der Jeansindustrie auf.
Die CCC und ihre Bündnispartner fordern von allen Jeans-Markenfirmen,
auf die Verwendung von Sandstrahlen unverzüglich zu verzichten. Durch
geeignete Verifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit einer
Multistakeholder-Initiative soll die Durchsetzung dieses Stopps in der
gesamten Produktionskette sichergestellt werden. Wir fordern außerdem,
dass Markenfirmen die Verantwortung für ArbeiterInnen übernehmen, die
bereits an Silikose erkrankt sind. Sie sollen eine angemessene
Wiedergutmachung leisten.
Nationale Regierungen sollen die Sandstrahltechnik in der
Jeansproduktion rechtlich unterbinden. Wir fordern außerdem , dass die
Arbeitsschutzbestimmungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
durchgesetzt werden. Zusätzlich fordern wir, dass die bereits an
Silikose erkrankten ArbeiterInnen Unterstützung, soziale und
medizinische Leistungen sowie eine Arbeitsunfähigkeitsrente vom Staat
erhalten – ungeachtet der Tatsache, ob sie in der formellen oder
informellen Wirtschaft tätig waren.
KonsumentInnen sollen nach sandstrahlfreien Jeans fragen und den Firmen rückmelden, dass sie keine Killer-Jeans kaufen wollen.
Vom 22. bis 26. November fand in Istanbul eine viertägige Konferenz
der CCC und ihrer Bündnispartner statt, an der über 100
Arbeitsrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Frauenorganisationen aus
der ganzen Welt vertreten waren. Auf der Konferenz wurde ein Manifest
zum globalen Bann der Sandstrahltechnik in der Jeansproduktion
verabschiedet. Dieses wird auf einer Pressekonferenz am 27.11. in
Istanbul vorgestellt.
Beteiligen Sie sich hier und unterzeichnen Sie das Manifest!
Hier könnt Ihr unterschreiben
Organisationen können das Manifest unterzeichnen, indem sie eine formlose E-Mail an Julia Thimm: thimm@inkota.de schreiben.
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Nächtliche antikoloniale Aktion im Afrikanischen Viertel
Nächtliche antikoloniale Aktion zu deutsch zum kritisch sein…
(aus Indimedia übernommen: link hier )
In
der letzten Nacht (vom 13. auf den 14. Dezember) erfolgte eine groß
angelegte Straßenumbenennung im Norden von Berlin. Die Bewohner_Innen
des sogenannten „afrikanischen Viertels“ wohnen seither in einer Gegend,
in der an jeder Ecke an Akteur_innen und die Praxis des antikolonialen
und antirassistischen Widerstandes erinnert wird.
Das „afrikanische Viertel“ war bislang dominiert durch Straßennamen,
die die deutsche koloniale Vergangenheit an jeder Ecke wieder aufleben
ließen. Persönlichkeiten wie Gustav Nachtigal, Alfred Lüderitz und Carl
Peters wurden für ihre blutigen Verdienste in nicht unbeachtlicher Höhe
ausgewiesen. Auch eine Gartenanlage mit dem treffenden Namen „Kolonie
Togo“ befand sich in dieser illustren Gesellschaft, die durch zahlreiche
schwarz-rot-goldene Stofffetzen zusätzlich aufgewertet wurde.
Bislang gab es kaum öffentlich Diskussionen über die mehr als
gewichtige historische Symbolik dieser Straßen. Zwar war die Petersallee
offiziell nicht mehr Carl Peters gewidmet, eine Umbenennung wurde
allerdings nicht durchgeführt, da diese kurzerhand dem CDU Politiker
Hans Peters (sic!) überholfen wurde.
Dieser koloniale und rassistische Konsens wurde in der letzten Nacht
mehr als nur symbolisch durchbrochen. Aktivist_Innen überklebten alle
vorhandenen Straßenschilder der weiter unten aufgeführten Straßen. Dazu
wurden diese mit Namen von Persönlichkeiten des antikolonialen,
antirassistischen und antikapitalistischen Kampfes versehen. Die Namen
stehen dabei symbolisch für alle Menschen, die unter der täglichen
Unterdrückung und Ausbeutung leiden, litten und weiter leiden werden.
Sie sollen aber auch zeigen, dass Revolutionen und fortschrittliche
Bewegungen in den sogenannten „Kolonien“ und den nationalen Konstrukten
der (post)kolonialen Zeit existierten, auch wenn unsere so aufgeklärte
westlich geprägte Wahrnehmung diese allzu oft negierte oder schlicht
nicht beachtete.
Neben den Umbenennungen wurden großflächig Plakate angebracht, die an
die Anwohner_Innen gerichtet sind und die Hintergründe der Aktion
beleuchten. Der Text dieser Plakate ist nachfolgend dokumentiert:
Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,
wir möchten ihnen mitteilen, dass in diesem Gebiet kürzlich
Straßenumbenennungen stattgefunden haben. Zur besseren Orientierung
möchten wir sie kurz über die Hintergründe und die Bedeutung der neuen
Namen in Kenntnis setzen.
Viele der Straßen im Wedding erhielten ihren Namen während der
brutalen Kolonisierung afrikanischer Regionen durch die Deutschen
zwischen 1884 und 1918. Daher sind diese Straßen nach Ländern und
„Persönlichkeiten“ benannt, die diese Ungerechtigkeiten zu verantworten
hatten. Deutschland hat seine kolonialen Verbrechen bis heute weder
richtig aufgearbeitet, noch die Verantwortung für deren Folgen
übernommen. Stattdessen profitiert die deutsche Bevölkerung fortwährend
von den politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die von den
europäischen Ländern in der Kolonialzeit geschaffen wurden. Es ist
Menschen verachtend, wenn Straßennamen, die der grausamen
Eroberungspolitik der Deutschen gewidmet sind, bis heute unhinterfragt
existieren können. Aus diesem Grund werden folgende Straßen umbenannt:
LUMUMBAPLATZ gewidmet Patrice Lumumba, dem ersten
Ministerpräsidenten des Kongo, ermordet vom belgischen Geheimdienst und
der CIA (ehemals Nachtigalplatz, 1910 benannt nach Gustav Nachtigal,
mitverantwortlich für die Kolonisierung Südwestafrikas, dem heutigen
Namibia)
BANTU-BIKO-STR. gewidmet dem südafrikanischen Freiheitskämpfer
Steve biko, der 1977 von den in Südafrika lebenden europäischen
Rassisten zu Tode gefoltert wurde (ehemals Swakopmunder Str., 1910
benannt nach einer Stadt in der deutschen Kolonie Südwestafrika)
RODNEYALLEE gewidmet dem Afrikahistoriker Walter
Rodney, der für die geistige Freiheit Afrikas kämpfte und vom CIA
ermordet wurde (ehemals Petersallee, benannt nach Carl Peters,
verantwortlich für die Kolonisierung Deutsch-Ostafrika; später an den
CDU-Politiker Peters umgewidmet)
KEN-SARO-WIWA-STR. gewidmet dem hingerichteten Umweltschützer
Ken Saro-Wiwa, der in Nigeria gegen die Zerstörung seiner Heimat durch
den Ölkonzern Shell gekämpft hatte (ehemals Kolonie Togo, benannt nach
der deutschen Kolonie Togo)
HENDRIK-WITBOOI-STR. gewidmet dem Widerstandskämpfer Hendrik
Witbooi, führte die Nama im Kampf gegen die deutsche „Schutztruppe“
(ehemals Lüderitzstr., benannt nach dem Kolonialbefürworter Alfred
Lüderitz)
LILIAN-NGOYI-STR: gewidmet der südafrikanischen
Freiheitskämpferin Lilian Ngoyi (ehemals Otawistr., 1911 benannt nach
einer Ortschaft in der deutschen Kolonie Südwestafrika)
MUMIA-ABU-JAMAL-STR. gewidmet dem politischen Gefangenen
Mumia-Abu-Jamal, der seit 1981 aus rassistischen Gründen unschuldig im
Gefängnis sitzt (ehemals Windhuker Str., 1910 benannt nach der
Hauptstadt der deutschen Kolonie Südwestafrika)
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DIE LINKE: Zum Protest der Sahrauis
Zum Protest der Sahrauis in der besetzten Westsahara
Beschluss des Parteivorstandes vom 31. Oktober 2010
DIE LINKE ist solidarisch mit den gut 14.000 Sahrauis, die ihre
Wohnorte verlassen und außerhalb von Al Aaiun, Smara und Boujdar
Zeltstädte errichtet haben, um auf ihre unerträgliche Lebenssituation
in dem durch das Königreich Marokko besetzten Teil der Westsahara
aufmerksam zu machen. Die Sahrauis werden in dem marokkanisch
kontrollierten Landesteil nicht nur sozial stark benachteiligt – der
Besitz von Häusern und das Betreiben von Geschäften ist ihnen verwehrt,
der Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen wird erschwert – sie sehen
sich auch massiven Menschenrechtsverletzungen durch die marokkanischen
Sicherheitsbehörden ausgesetzt, wie die Hohe Kommissarin für
Menschenrechte, das Europäische Parlament und amnesty international in
verschiedenen Berichten feststellen.
DIE LINKE verurteilt die von den marokkanischen Sicherheitskräften
ausgehende Gewalt gegen die Demonstranten, bei der ein 14 Jahre alter
Junge ums Leben kam und mehrere schwer verletzt wurden. Weiterhin
verurteilen wir die Blockade der Protestcamps durch die
Sicherheitskräfte und fordern den freien Zugang der Demonstranten zu
Wasser, Nahrung und Medikamenten.
DIE LINKE sieht in der Besatzung und Ausbeutung der Westsahara durch
das Königreich Marokko das ursächliche Problem für die angespannte
Situation und die Perspektivlosigkeit der rund 300.000 Sahrauis: Seit
1991, dem Jahr der Einsetzung der UN-Mission “zur Gewährleistung eines
Referendums in der Westsahara” (MINURSO) warten die Sahauris auf die
Möglichkeit, sich für die Unabhängigkeit von, oder die Integration in
Marokko zu entscheiden. Seit dieser Zeit blockiert das Königreich
Marokko die Abhaltung des als Teil des Waffenstillstandsabkommens
beschlossenen, ergebnisoffenen Referendums und verstößt mit der seit
nunmehr 33 Jahren anhaltenden Besetzung der Westsahara gegen zahlreiche
UN-Resolutionen und ein Urteil des Internationalen Gerichtshof.
DIE LINKE teilt die Rechtsauffassung des Juristischen Dienstes des
Europaparlaments, dass der Fischfang im Rahmen des Fischereiabkommens
zwischen der EU und Marokko, weder in Konsultation mit der sahrauischen
Bevölkerung der Westsahara stattfindet, noch die Bevölkerung die
Einnahmen aus der Verwertung ihrer eigenen reichen Fischbestände
erhält. Bereits 2002 stellte der UN-Rechtsberater Hans Corell die
Rechtswidrigkeit der EU-Fischereiabkommen mit Marokko fest. Damit wird
einer Festlegung des völkerrechtlichen Status der Westsahara
vorgegriffen, indem die unveräußerlichen Rechte der Völker der Gebiete
ohne Selbstregierung auf ihre natürlichen Ressourcen durch die Abkommen
nicht gesichert und garantiert seien.
DIE LINKE lehnt das Projekt DESERTEC ab. Dieses Projekt deutscher
Großunternehmen wie z.B. Münchener Rück, Siemens, Eon, RWE und Deutsche
Bank wirft neben umweltpolitischen vor allem auch außenpolitische,
menschenrechtlich und entwicklungspolitische Fragen auf, die auch mit
der von Marokko völkerrechtswidrig besetzten Westsahara zusammenhängen.
Denn auch hier will man in Kooperation mit Marokko aktiv werden. Zudem
würden Tatsachen geschaffen, die einer Festlegung des
völkerrechtlichen Status der Westsahara vorgreifen
Der verzweifelte Versuch der Demonstranten, die dringend notwendige
Öffentlichkeit für die Überwindung dieses nun schon über 30 Jahre
anhaltenden Konfliktes zu schaffen illustriert das fehlende Engagement
der Europäischen Union und Ihrer Mitgliedsstaaten, in der
Westsaharafrage zu einer Lösung zu kommen und dem sahrauischen Volk
eine Perspektive zu geben. Konkret fordern wir die EU und die
Bundesregierung auf:
- Für die Unversehrtheit der Demonstranten einzutreten
- in ihren Beziehungen zum Königreich Marokko die marokkanische
Besetzung der Westsahara auf den Tisch zu bringen und sich für eine
Lösung im Einklang mit den bestehenden VN-Resolutionen einzusetzen.
- Gegen die illegale Ausbeutung der Ressourcen der Westsahra aktiv
zu werden und das Fischereiabkommen zwischen der EU und Marokko nicht
zu verlängern
- sich für die Aussetzung des fortgeschrittenen Status (advanced
status) der Beziehungen zwischen der EU und Marokko einzusetzen, bis
Marokko die politische Verfolgung der Sahrauis einstellt und all jene
Personen freilässt, die wegen des Versuchs, ihre bürgerlichen und
politischen Grundrechte wahrzunehmen, willkürlich verhaftet wurden
sowie bis zu dem Zeitpunkt, bis Marokko die Umsetzung der vom
UNO-Sicherheitsrat geforderten Durchführung eines Referendums
gewährleistet.
DIE LINKE wird weiterhin für eine friedliche Lösung des
Westsaharakonflikts eintreten und sich in internationalen
Zusammenhängen für das Recht auf Selbstbestimmung des sahrauischen
Volkes engagieren.
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Heike Hänsel: Keinen Kolonialismus durch Hintertür
“Es ist ein Skandal, dass die EU-Regierungschefs mit ihrer
neoliberalen Handelspolitik bewusst in Kauf nehmen, dass in Afrika
regionale Märkte zerstört und regionale Handelsstrukturen zugunsten der
Profite der transnationalen Konzerne zerschlagen werden”, erklärt Heike
Hänsel, die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
anlässlich des heute beginnenden EU-Afrika-Gipfels in Tripolis, Libyen.
Hänsel weiter:
“Mit der “Gemeinsamen EU-Afrika-Strategie” setzt die EU ihre
bisherige Politik der einseitigen Verfolgung von Wirtschafts- und
Rohstoffinteressen großer Konzerne massiv fort. Gleichzeitig wird über
Militär- und Polizeikooperationen der Kontinent weiter militarisiert. Es
zeigt sich überdeutlich, dass bei den Verhandlungen über die
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) mit den AKP-Staaten nicht die
Entwicklungsinteressen dieser Staaten im Mittelpunkt der
Verhandlungsstrategie der EU stehen, sondern einseitig die weitgehende
Liberalisierung des Güterhandels zur Erschließung von neuen Märkten. Die
Verhandlungen werden von Seiten der EU mit einem massiven politischen
und wirtschaftlichen Druck, sogar mit offenen Drohungen gegen die
AKP-Staaten geführt. Damit wird der koloniale und imperiale Charakter
der Europäischen Union immer deutlicher.
Die Beziehungen zwischen der EU und Afrika müssen zugunsten einer
wirklichen Partnerschaft verändert werden. Der EU-Afrika-Gipfel steht
hierfür jedoch unter völlig falschen politischen Vorzeichen durch die
EU. DIE LINKE unterstützt daher den Protest sozialer Bewegungen in den
afrikanischen Staaten, die sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass
sich die Staaten Afrikas gegen diese Bevormundung durch die EU zur Wehr
setzen können. Wir wollen solidarische Beziehungen und eine wirkliche
Entwicklungspartnerschaft zwischen Afrika und der EU erreichen, die auf
selbstbestimmte Armutsbekämpfung, Ernährungssouveränität, Klimaschutz
sowie regionaler sozialer und ökonomischer Integration fokussiert.”
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VENRO: Drastische Kürzungen bei Humanitärer Hilfe
PRESSEMELDUNG
33/2010
Entwicklungsetat 2011: Internationale Verpflichtungen nicht erreichbar
Drastische Kürzungen bei Humanitärer Hilfe
Bonn, 26. November 2010 – Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
(VENRO) begrüßt, dass der Entwicklungsetat trotz knapper Kassen von
Kürzungen verschont geblieben ist. Er weist aber gleichzeitig darauf
hin, dass die Bundesregierung ohne Erhöhungen in den nächsten Jahren
ihre internationalen Verpflichtungen nicht erfüllen kann. Besonders
besorgniserregend sind laut VENRO die drastischen Kürzungen bei der
Humanitären Hilfe im Haushalt des Auswärtigen Amtes.
Für das kommende Jahr stehen nur noch 84,2 Millionen Euro für
Humanitäre Hilfe zur Verfügung. Das entspricht im Vergleich zu 2010
einer Kürzung von rund 13,8 Prozent. In diesem Jahr waren die Mittel
bereits im September ausgeschöpft. Die Bundesregierung selbst spricht in
ihrem gerade veröffentlichten Bericht zur Humanitären Hilfe von
2006-2009 von einem weltweit steigenden Bedarf.
Der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) wird im nächsten Jahr 6,22 Milliarden Euro
aufweisen. Bis 2013 plant die Bundesregierung, den BMZ Haushalt auf 5,69
Milliarden Euro abzusenken.
„Notwendig ist aber nicht nur ein Anstieg des BMZ-Etats, sondern der
gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe“, fordert
VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. Zudem sei es wichtig, dass die
einzelnen Ministerien sich untereinander besser abstimmen. „Wir brauchen
mehr Kohärenz und Transparenz, etwa bei den Umschichtungen von
Geldern“, so Post.
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Spendet für die Wiedererrichtung des Lumumba-Denkmals!
Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Leipzig e.V. (DAFRIG),
gemeinsam mit der Gesellschaft für Völkerverständigung e.V. und dem
Friedenszentrum Leipzig e.V.
Spendenaufruf
Spendet für die Wiedererrichtung des Lumumba-Denkmals!
Wir bemühen uns um die Neuerrichtung einer Stele mit einer Büste von
Patrice Lumumba in der Lumumbastrasse 4. Lumumba war der erste
Ministerpräsident des unabhängigen Kongo und eine herausragende
Persönlichkeit der nationalen Befreiungsbewegungen Afrikas. Er wurde
1961 von belgischen Kolonialisten und ihren Helfern ermordet. Das
Denkmal, das an ihn erinnerte und Jahrzehnte für die internationale
Verbundenheit Leipzigs stand, wurde 1997 vandalistisch zerstört und die
Büste geraubt. Unser Ziel ist es, bis zum 17. Januar 2011, dem
50.Todestag Lumumbas, das Denkmal mit einem Kostenaufwand von 6 000 Euro
wieder erstehen zu lassen.
Hierzu benötigen wir solidarische Unterstützung. Für freuen uns über
Ihren/ Deinen Beitrag in Form einer Spende.
Bankverbindung: Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Leipzig e.V.
Konto-Nr. 1100177775, BLZ 86055592
Sparkasse Leipzig.
Verwendungszweck: Lumumba-Denkmal.
(Spendenbescheinigungen sind erhältlich.)
Anfragen bei Dr. H.-J. Wienhold (0341/4801189)
DAFRIG Leipzige.V.,Sternwartenstr .4,04103 LeipzigTel. 0341-4929152
www.dafrig-leipzig.de, Fax032223713596, e-mail:dafrigleipzig@t-online.de
Registriert beim Amtsgericht Leipzig: VR2442
Gemeinnützigkeit unter Steuernummer 23114016446
Mitglied des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V (ENS)
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Katholische Jugend: Coca-Cola-Boykott geht weiter
Coca-Cola-Boykott geht weiter
Katholische Jugend setzt sich für konsequente Umsetzung von
Menschenrechten ein.
Düsseldorf, 26. Oktober. Die katholischen Jugendverbände halten am
Boykott von Coca-Cola-Produkten fest. Das hat der Hauptausschuss des
Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) heute in Düsseldorf
beschlossen. Der BDKJ fordert von Coca-Cola und allen weltweit tätigen
Unternehmen die Sicherung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen und den
nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
„Wir werden unsere Macht als Konsumentinnen und Konsumenten weiter
nutzen“, so BDKJ-Bundesvorsitzender Dirk Tänzler. „Wir rufen dazu auf,
Produkte von multinational agierenden Unternehmen mit kritischem Blick
auf deren Herstellungsbedingungen zu prüfen. Denn kein Mensch sollte
leiden müssen, damit wir günstig und gut einkaufen können“, so Tänzler.
Der BDKJ empfiehlt, alternative Angebote zu nutzen, die regional
produziert oder fair gehandelt sind. Informationen dazu gibt es auf www.bdkj.de/kritischerkonsum.
Bereits 2007 hatte der BDKJ die 660.000 Mitglieder seiner
Mitgliedsverbände zu einem Boykott von Coca-Cola-Produkten aufgerufen.
Der Grund: Der Gertränkehersteller ignoriert nach BDKJ-Ansicht
Menschenrechtsverletzungen an Mitarbeitenden in Kolumbien und ist für
Umweltzerstörung in Indien verantwortlich. „Unser Boykott hat Wirkung
gezeigt und Kreise gezogen“, bilanziert Tänzler. Zahlreiche nicht nur
katholische Bildungshäuser haben den Getränkeanbieter gewechselt. Die
Arbeitsgemeinschaft der Jugendpastoral der Orden (AGJPO), der
Landesjugendring Baden-Württemberg und einige weitere Verbände und
Organisationen haben sich dem Boykott angeschlossen oder unterstützen
ihn.
Zwar habe es in den vergangenen drei Jahren einen intensiven Dialog
mit der Coca Cola GmbH in Deutschland gegeben. „Leider hat sich die
grundsätzliche Unternehmenspolitik auch im Hinblick auf die Umsetzung
der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in Kolumbien und Indien
nicht wesentlich verbessert“, heißt die Begründung im heute gefassten
BDKJ-Beschluss „Kritisch Konsumieren für die weltweite Umsetzung von
Menschenrechten“. Noch immer würden Mitarbeitende in Kolumbien mit dem
Tode bedroht, weil sie ihre Interessen in einer Gewerkschaft vertreten
wollten, so Tänzler. Weiterhin hätte das Unternehmen keine Verantwortung
für die Absenkung des Grundwasserspiegels in Indien übernommen oder
Betroffene dafür entschädigt.
Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und
-organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen
von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Politik, Kirche
und Gesellschaft. Weitere Infos unter www.bdkj.de.
Pressekontakt: Michael Kreuzfelder, 0176 1 7956099, presse@bdkj.de
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VENRO: Bundeshaushalt 2011: Erhebliche Kürzungen für
Opfer von Katastrophen
PRESSEMELDUNG
26/2010
Bonn, 26. Oktober – Hilfsorganisationen haben die von der
Bundesregierung im Haushalt 2011 geplanten Kürzungen bei der Humanitären
Hilfe heftig kritisiert. Die 118 Mitgliedsorganisationen des Verbandes
Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO)
fordern die Bundesregierung auf, die vorgesehenen Einschnitte für das
kommende Jahr zurückzunehmen.
„Uns sind die Sparzwänge bewusst. Deshalb haben wir auch Verständnis
für notwendige Haushaltskürzungen – wenn aber bei Energieunternehmen
geplante Kürzungen zurückgenommen werden können, dann sollte das auch
für die Opfer von humanitären Katastrophen machbar sein, “ so
VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. „Gemeinwohlorientierung und die
Übernahme internationaler Verantwortung sehen anders aus als
ausgerechnet bei den Allerschwächsten zu sparen.“
Schon jetzt, so Post, stehe Deutschland bei den Ausgaben für
humanitäre Hilfe im internationalen Vergleich schlecht da. Deshalb
fordere die OECD in ihrem neuen, noch unveröffentlichten Bericht zur
deutschen Entwicklungspolitik eine Aufstockung der humanitären Hilfe.
Nach dem Haushaltsentwurf 2011 wird dem Auswärtigen Amt für die
Nothilfe im Krisen- oder Katastrophenfall nur noch bis zu 76,8 Millionen
Euro zur Verfügung gestellt. 2010 waren es noch 96 Millionen Euro.
Zudem sind zwei weitere Haushaltstitel des Auswärtigen Amtes im Bereich
Demokratisierung, Menschenrechte und Internationale Krisenprävention
von Kürzungen betroffen. Die drei Titel machen insgesamt 40 Prozent der
Gesamtkürzung des Haushaltes des Auswärtigen Amtes aus. Andere Titel,
wie Personalkosten, Investitionen, Auswärtige Kulturpolitik, Vereinte
Nationen, werden gar nicht oder prozentual sehr viel geringer gekürzt.
„ Die Kürzungen gefährden die Glaubwürdigkeit deutscher Außenpolitik
aufs Neue. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes leisten unsere
Mitgliedsorganisationen weltweit wichtige Nothilfe, die direkt den
Betroffenen zugutekommt – insbesondere auch in so genannten
„vergessenen“ Konflikten, für die kaum Spendenmittel mobilisierbar
sind“, sagt Post.
Zudem stelle der gerade von der Bundesregierung veröffentlichte
Bericht zur deutschen Humanitären Hilfe 2006-2009 einen weltweit
wachsenden Bedarf an humanitärer Hilfe fest. Grund hierfür sind
Klimaveränderungen, wachsende Armut sowie politische Instabilität. Für
2010 waren die Mittel für humanitäre Hilfe schon Mitte September mit der
Naturkatastrophe in Pakistan ausgeschöpft.
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Oxfam: Land Grabbing – allein 2009 wurden 45 Millionen Hektar Land
verkauft
Bilanz des UN-Welternährungsauschusses
Oxfam: Positive Signale für mehr Zusammenarbeit bei
Hungerbekämpfung
Land Grabbing – allein 2009 wurden 45 Millionen Hektar Land verkauft
Berlin/Rom, 15. Oktober 2010. In dieser Woche wurden erstmals auf
UN-Ebene das Land Grabbing sowie seine negativen Auswirkungen auf die
Ernährungssicherheit in den armen Ländern diskutiert. Politische
Differenzen und starke Eigeninteressen behinderten zwar kurzfristige
Maßnahmen, es konnten aber Fortschritte bei der Entwicklung von
gemeinsamen Richtlinien für die großflächigen Landkäufe von Investoren
und reichen Ländern erzielt werden. “Das Problem ist erkannt, die Gefahr
für die Menschen in armen Ländern aber noch nicht gebannt. Wir brauchen
dringend Regeln, die den weltweiten Ausverkauf von Agrarland in die
Schranken weisen – sonst wird der Hunger in den nächsten Jahren wieder
zunehmen”, warnt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Allein im Jahr
2009 sei zehn Mal mehr Land gekauft oder gepachtet worden als in den
Jahren zuvor – insgesamt rund 45 Millionen Hektar. Zwei Drittel des Land
Grabbings betreffe Afrika.
Ebenfalls besprochen wurden vom UN-Ausschuss die Preisschwankungen
auf den Weltagrarmärkten, die gerade wieder besorgniserregende Ausmaße
annehmen. “Maßlose Spekulation wurde allseits als Problem anerkannt”,
begrüßt Wiggerthale. Ein hochrangiges Expertengremium soll nun
wissenschaftlich basierte Empfehlungen für die politische Diskussion im
nächsten Jahr erarbeiten, die auch die Auswirkungen des Klimawandels auf
die Ernährungssicherheit berücksichtigen.
UN-Welternährungsausschuss: Konstruktive Zusammenarbeit
In dem im Jahr 2009 neu gegründeten UN-Welternährungsauschuss sind
erstmals alle mit der Hungerbekämpfung befassten Akteure inklusive
sozialer Bewegungen und NGOs unter einem Dach vereinigt. Die
Arbeitsweise des Ausschusses sei wesentlich ergebnis- und
entscheidungsorientierter als vor der Reform 2009, begrüßt Oxfam. “Der
UN-Welternährungsauschuss ist jetzt zu einem echten Arbeitsgremium
geworden. Er muss sich aber noch beweisen. Am Ende zählt, ob genügend
politischer Wille vorhanden ist, um die vereinbarten Maßnahmen auch
umzusetzen”, so Wiggerthale. Es blieben nur noch fünf Jahre, um das
erste Millenniumsziel, die Halbierung des Hungers bis 2015, zu
erreichen.
Globale Rechenschaftsberichte nicht ausreichend
Im UN-Welternährungsausschuss berichteten Vertreter von Geberländern
und Institutionen über globale Initiativen diese Woche u.a. über die von
Deutschland unterstützte G8 “Aquila Food Security Initiative”. Mehrere
arme Länder bemängelten fehlende Informationen über die Auszahlung und
die Verwendung der zugesagten Finanzmittel. Zu Recht findet Oxfam. “Es
ist unklar, wer wofür wie viel Geld in welchen Länder ausgibt. Deshalb
ist es im Moment fast unmöglich festzustellen, wo Gelder geflossen sind
und wo Entwicklungshilfedefizite bestehen. Auch die Wirksamkeit der
Entwicklungshilfe kann so nicht gemessen werden “, sagt Wiggerthale. Die
Geberländer, die UN und die Weltbank müssten detailliert und umfassend
berichten.
Für weitere Infos wenden Sie sich bitte an:
Marita Wiggerthale, Handy: 0162-138 63 21, E-Mail: mwiggerthale@oxfam.de
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Heike Hänsel: Recht auf Nahrung endlich durchsetzen
15.10.2010 von- Heike Hänsel
Recht auf Nahrung endlich durchsetzen
“Wer Hunger ernsthaft bekämpfen will, muss das
herrschende Weltwirtschaftssystem ändern”, erklärt Heike Hänsel
anlässlich des morgigen Welternährungstags. “Freihandel und neoliberale
Wirtschaftsstrukturen produzieren Hunger. Dazu gehören auch die
Spekulation mit Nahrungsmitteln und der weltweite Aufkauf großer
Landflächen zur Produktion von Agrokraftstoffen.” Die
entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:
“Ernährungssouveränität der Entwicklungsländer, d.h. Produktion für
den eigenen Markt statt für den Weltmarkt, und das Recht auf Nahrung
müssen endlich durchgesetzt werden. Die aggressive Freihandelspolitik
der EU gegenüber den Ländern des Südens verschärft die
Nahrungsmittelsituation vor Ort zusätzlich. Deshalb setzt sich DIE LINKE
für die Stärkung regionaler Märkte, die Entwicklung ländlicher Regionen
und umfassende Landreformen ein. Wir wollen die Spekulation mit
Nahrungsmitteln verbieten und die tödlichen Agrarexportsubventionen
streichen.
Immer mehr Landflächen sind durch den Klimawandel von Überschwemmung
und Verwüstung bedroht. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf,
sich für die Einrichtung eines Kompensationsfonds für die Länder des
Südens einzusetzen. Dieser Fonds soll bis 2020 gemäß Berechnungen von
Weltbank, UN-Gremien, Umwelt- und Entwicklungsverbänden auf jährlich 110
Milliarden Euro anwachsen. Die Bundesregierung beteiligt sich daran mit
sieben Milliarden Euro.”
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Welternährungsgipfel in Rom: Oxfam kritisiert verhängnisvolles
Schwarzer-Peter-Spiel
Weltweit hungern 925 Millionen Menschen
Berlin, 8. Oktober 2010. Ab Montag tagt in Rom der
UN-Welternährungsausschuss. Gegenseitige Schuldzuweisungen von
Entwicklungs- und Geberländern erschweren bislang die Koordinierung der
Programme zur Hungerbekämpfung. Oxfam fordert die Regierungen in Nord
und Süd, vor allem Großbritannien, USA, Kanada, Indien, Äthiopien und
Ägypten, auf, dieses verhängnisvolle Schwarzer-Peter-Spiel zu beenden.
“Schuldzuweisungen machen die Hungernden nicht satt”, sagt Oxfams
Agrarexpertin Marita Wiggerthale.
Die zwei wichtigsten Punkte: Land Grabbing und
Nahrungsmittelspekulation
Oxfam fordert verbindliche Investitionsregeln für Industriestaaten
und Investoren bezüglich Land Grabbings in Entwicklungsländern. Allein
in den letzten beiden Jahren wurden 45 Millionen Hektar in armen Ländern
aufgekauft. Das entspricht etwa der Größe Schwedens. “Die bislang
vorgesehenen freiwilligen Regeln der Welternährungsorganisation FAO und
der Weltbank reichen angesichts der Auswirkungen von Land Grabbing auf
in Armut lebende Menschen nicht aus “, sagt Wiggerthale. Die Diskussion
über verbindliche Regeln zu Land Grabbing müsse im
UN-Welternährungsausschuss erfolgen, da nur in diesem Gremium
Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und UN-Institutionen
sowie Weltbank, WTO und IWF vertreten seien. “Bis dahin brauchen wir ein
befristetes Aussetzen jeglichen Land Grabbings”, sagt Wiggerthale.
Bei der Frage der Preisschwankungen auf den Weltagrarmärkten müsse
die Nahrungsmittelspekulation stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.
“Spekulanten haben 2007/2008 die Preise für Nahrungsmittel nach oben
getrieben. Und die Spekulation mit Agrarrohstoffen hat deutlich
zugenommen”, erklärt Wiggerthale. “150 Millionen Menschen mussten
hungern, weil Spekulanten auf steigende Preise und kurzfristige Profite
setzten.” Der UN-Welternährungssauschuss müsse sicherstellen, dass die
Ursachen der Preisexplosion analysiert und Gegenstrategien entwickelt
werden.
UN-Welternährungsausschuss verbessern
Ende 2009 wurde der UN-Welternährungsausschuss neu gegründet, um die
verschiedenen Anstrengungen zur Hungerbekämpfung unter einem Dach zu
vereinen. Wiggerthale: “Das Gremium muss in Zukunft effektiver arbeiten,
Rollen klar festlegen, eine globale Strategie entwickeln und die
Transparenz bei Finanzzusagen und Förderprogrammen zur Hungerbekämpfung
verbessern.” Nur so könne eine Welt ohne Hunger Wirklichkeit werden.
Länderranking:
- Sehr engagierte Länder: Frankreich, Italien, Deutschland,
Brasilien
- Nicht ausreichend engagierte Länder: Großbritannien, USA,
Australien, Niederlande, Kanada
- Wenig aktive Länder (aus Mangel an Ressourcen oder politischem
Willen): Indonesien, Niger, Indien, Kambodscha, China.
- Ermutigend: Teilnahme der Minister aus Bangladesch, Mosambik,
Angola und Malawi
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ALDI: Kein Maulkorb für KritikerInnen
Kein Maulkorb für KritikerInnen
Die Christliche Initiative Romero verbreitet aktuell eine Persiflage
eines ALDI-Prospektes. In dieser weist sie auf menschenrechtlich und
arbeitsrechtlich bedenkliche Aspekte der von ALDI angebotenen
Billigangebote hin. Die Kritik der Christlichen Initiative Romero an
ALDI: Durch seine Billigpreis-Politik fördere das Unternehmen Ausbeutung
in Produktionsländern im globalen Süden, etwa in Form von Hungerlöhnen.
Statt sich um diese grundlegenden Probleme der Geschäftspolitik des
Discounters zu kümmern, setzten Aldi die KritikerInnen juristisch unter
Druck. Wir fordern das Unternehmen daher auf:
* Stellen Sie unverzüglich alle juristischen Maßnahmen gegen die
Christliche Initiative Romero ein.
* Setzen Sie den Verhaltenskodex der Kampagne für Saubere Kleidung
bei Ihren Zulieferern um und lassen Sie dies durch eine externe
unabhängige Instanz kontrollieren.
* Verändern Sie Ihre Einkaufspraktiken, so dass Ihre Lieferanten
Sozialstandards einhalten können.
* Stellen Sie Transparenz her: Nennen Sie Ihre Lieferanten in den
Produktionsländern und berichten Sie regelmäßig über die unternommenen
Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
* Sozialstandards müssen in Produktion (z.B. in Bangladesch) und
Verkauf (bei uns) eingehalten werden.
Wenn
auch Sie diese Forderung stützen, schicken Sie die folgende Protestmail
an ALDI Nord – hier
Das
Faltblatt zum Download Sie hier
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Kampagne für Saubere Kleidung zu Vaude, Columbia und Tatonka
Kampagne für Saubere Kleidung – Clean Clothes Campaign
informiert über Rechercheergebnisse in Zulieferbetrieben von Vaude,
Columbia und Tatonka zur Aktionswoche Discover Fairness! Aktiv für
Menschenrechte
Berlin (ots) – Die CCC befragte im Sommer 2010 die Outdoor-Firmen zu
ihrem sozial Engagement bei der Herstellung von Produkten und
veröffentlichte deren Profile zu folgenden Kategorien: Transparenz,
Verhaltenskodex, Kodexumsetzung und Kontrolle. Unterdessen wurden auch
Beschäftige in Zulieferbetrieben in Vietnam befragt. Die durch die
Firmenbefragung festgestellten Mängel bestätigt die Recherche in den
Produktionsstandorten.
Vietnam, attraktives Zulieferland in Asien
Für internationale Investoren gilt das Land als Niedrigkosten
Alternative in Asien. Die Lohnkosten sind im Vergleich zu
Produktionsstandorten in China etwa um das Zwei- bis Dreifache
niedriger. Vietnam mit seinen ca. 1,6 Millionen Beschäftigten in der
Textil- und Bekleidungsindustrie gilt auch für die Outdoor-Branche als
attraktive Niedrigkosten Produktionsstandort in dem auch die
Gewerkschaft keinen großen Ärger bereitet.
Exzessive Überstunden und minimales Einkommen bei den ArbeiterInnen
Partner der CCC interviewten ArbeiterInnen bei Vaude, Columbia und
Tatonka Zulieferbetrieben. Die Befragten berichten, dass der staatlich
avisierte Mindestlohn von 38 Euro nur bei durchgehender Arbeit und
Überstunden in einer sechs Tagewoche erreicht wird. In der
Textilindustrie werden bei offiziell erlaubten 48 Stunden die Woche
durchschnittlich vier Überstunden über die gesetzlich zugelassene Anzahl
pro Tag geleistet. ” Die Überstunden liegen meistens zwischen 18.00 und
22.00 Uhr. Mindestens aller zwei Monate ist auch sonntags zu arbeiten.
Dann geht es durch bis nächsten Tag Mittag.” Festgestellt wurde auch,
dass die Mehrarbeit nur einen Tag vorher bekannt gegeben wird.
“Sollten wir uns verspäten, dann wird uns der Lohn eines ganzen Tages
gestrichen und wir verlieren alle zusätzlichen Boni zum Lohn.” In
diesen Phasen werden “immer wieder zusätzlich befristete Zeitarbeiter
beschäftigt. Für diese wird keine Sozialversicherung gezahlt.” wurde
berichtet.
Keine der Befragten konnte beantworten, in welcher Höhe ihnen der
Lohn zu steht. Fast einstimmig wurde dagegen geäußert: Eins ist sicher,
selbst mit umgerechnet etwa 46 Euro bei Normerfüllung, ist kein
Auskommen möglich.
“Es ist schwierig damit klar zu kommen. Es reicht für einige
Schüsseln Fleisch oder Gemüse.” Eine andere junge Arbeiterin meint: “Was
wir hart verdienen, reicht gerade so.” Alle der befragten Personen
teilen sich mit drei bis fünf Personen eine Unterkunft, um die Kosten
decken zu können. Gängige Praxis scheint auch, dass mindestens die
Hälfte des ersten Lohns der Arbeiter vom Management einbehalten bleibt,
“damit die Arbeiter nicht einfach fortbleiben können”. Davon berichtete
ein Gesprächspartner der Tatonka eigenen Produktionsstätte.
ArbeiterInnen von anderen Fabriken sagten dazu: “Manche bleiben trotzdem
einfach fort, da die Fabrik sie krank gemacht hat.”
Mangel an Rechten
Berichtet wurde auch von Beleidigungen, “wird mal ein Einzelner nicht
beschimpft, dann bestimmt alle zusammen. Sie tun dies, weil sie denken
sie haben das Recht dazu, da sie der Boss sind.” Wegen des Unmuts kommt
es immer wieder zu spontanen Protesten. Im März 2010 fühlten sich
Arbeiter bei einem Zulieferer für Vaude und Columbia aufgrund des
niedrigen Lohns unfair behandelt. Nach 29 Tagen Arbeit im Monat plus
Überstunden bekam diese umgerechnet etwa 60 Euro ausgezahlt.
Von der offiziellen Gewerkschaft fühlten sie sich nicht vertreten, da
nur “gute Arbeiter” durch das Management für diese ausgewählt werden.
Häufiger kommt es zu so genannten wilden Streiks. Seit 2006 ist die
Anzahl in Vietnam auf etwa 400 im Jahr gestiegen. Dies bestätigt auch
die Internationale Arbeitsorganisation (ILO).
Der sozialen Spannung wird seitens der Regierung versucht zu
begegnen. Für Exportzentren mit ausländischen Investitionen wie in Hanoi
und Ho Chi Minh City avisierte die Regierung seit 2009 einen
Mindestlohn von 38 Euro. Diese erste Erhöhung um 28 Prozent seit sechs
Jahren ist ein Zugeständnis an die Beschäftigten anlässlich der Streiks
und aufgrund von gestiegenen Lebenshaltungskosten und extremen
Überstunden.
“Arbeit in Würde und einen Lohn, von dem der Mensch leben kann,
müssen bei einer Branche mit diesem Nachhaltigkeitsimage
Selbstverständlichkeit sein.”, sagt Berndt Hinzmann von INKOTA.
Nur wenn Sozialstandards in der Einkaufspraxis Eingang finden, kann
glaubwürdig von Nachhaltigkeit gesprochen werden.”, sagt Julia Thimm,
Koordinatorin von Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung.
Pressegespräch: Dienstag, den 05.10.2010, um 11.00 Uhr
Haus der GKKE, Berlin-Mitte, Charlotten Str. 53-54
Protestaktion Street Climbing, Discover Fairness! Aktiv für
Menschenrechte.
Pressekontakt:
Berndt Hinzmann und Julia Thimm
Koordinatorin von Eilaktionen der CCC
INKOTA-netzwerk, Chrysanthemenstraße 1-3, 10407 Berlin,
Tel. 030 42 08 202 52, Mobil: 0160 94 69 87 70 hinzmann@inkota.de,
www.inkota.de
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Erklärung zivilgesellschaftlicher Organisationen zur
Yasuní-ITT-Initiative
Erkärung von Klima-Allianz, Forum Umwelt und
Entwicklung, VENRO:
Die ecuadorianische Regierung hat der Weltgemeinschaft vor Jahren mit
der Yasuní-ITT-Initiative ein innovatives Angebot unterbreitet, welches
den Biodiversitäts- und Klimaschutz, den Respekt vor indigenen Rechten
sowie die Förderung der nachhaltigen menschlichen Entwicklung
miteinander verbindet. Ein im Yasuní-Nationalpark entdecktes Ölfeld soll
unberührt in der Erde bleiben, der Regenwald des Amazonas nicht
angetastet und indianische Lebensformen nicht zerstört werden – sofern
die Weltgemeinschaft sich verpflichtet, den Menschen in Ecuador eine
Kompensation für die entgangenen Einnahmen zu gewähren.
Der fortschreitende Verlust der Biodiversität und der Klimawandel
zwingen zu einem radikalen Kurswechsel. Wir müssen wegkommen von der
Nutzung fossiler Energieträger hin zu umweltverträglichen erneuerbaren
Energien, wir müssen wegkommen von der rücksichtslosen Ausbeutung und
Verschwendung natürlicher Ressourcen hin zu einer nachhaltigen Nutzung,
die dem Klimaschutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt dient.
Die Yasuní-ITT-Initiative stellt sich dieser Herausforderung und die
ecuadorianische Regierung hat damit einen bislang einzigartigen
Vorschlag unterbreitet, welcher Nachahmer finden könnte. Dieses Angebot
anzunehmen, wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer globalen
Zukunftsfähigkeit, der mit dem gängigen „business-as-usual“ bricht.
Auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung hat der Vorschlag seither
zahlreiche Hürden genommen. Mit der Vereinbarung über die Einrichtung
eines Treuhandfonds zwischen der ecuadorianischen Regierung und dem
Entwicklungswerk der Vereinten Nationen (UNDP) in diesem Jahr wurde die
Voraussetzung geschaffen, dass die internationale Gemeinschaft
Kompensationsmittel zur Verfügung stellen kann. Letztlich kann darin
auch eine Chance liegen, Impulse zu setzen, die Entwicklungsgelder auf
Dauer überflüssig machen.
Das Gebiet Ishpingo-Tambococha-Tiputini (ITT) ist ein Teil des
Nationalparks Yasuní in der nordwestlichen Amazonas-Region. Er gilt
aufgrund seiner einzigartigen Artenvielfalt als Weltnaturschutzerbe und
wurde 1989 von der UNESCO ins Biosphärenschutzprogramm aufgenommen.
Auf einem Hektar finden sich im Yasuní-Nationalpark fast genauso
viele Baumarten, wie in ganz Nordamerika zusammen, auf einem Baum finden
sich mehr Käferarten als in ganz Europa. Von 1300 Vogelarten des
gesamten Amazonasbeckens sind 567 im Yasuní beheimatet. Im Nationalpark
leben indigene Völker, deren Kultur und Lebensweise eng mit dieser
Naturvielfalt und dem Wald verbunden sind. Unter ihnen sind die Tagaeri
und Taromenane, die bis heute ohne Kontakt zur Zivilisation leben.
Im Amazonasraum Ecuadors wird seit Jahrzehnten Öl gefördert.
Ausgewiesene Ölfördergebiete (Blocks) reichen inzwischen bis hinein in
das Gebiet des Yasuní. Der ITT-Block liegt fast zur Gänze auf dem Gebiet
des Nationalparks. Schätzungen gehen von etwa 846 Millionen Barrel aus.
Die Förderung des Öls in dieser Gegend wäre mit hohen ökologischen
Schäden verbunden und würde den Lebensraum der dort lebenden
indianischen Völker/Kulturen vernichten.
Unterstützung durch den Deutschen Bundestag
Der Deutsche Bundestag hat die Initiative am 25. Juni 2008 in einem
übergreifenden Antrag ausdrücklich und einstimmig begrüßt. Er hat die
Bundesregierung u.a. aufgefordert den ITTVorschlag zu unterstützen und
sich bereit zu erklären, einen angemessenen Finanzierungsmechanismus zu
entwickeln und sich gemeinsam mit anderen Gebern im Rahmen der geltenden
Haushaltsplanung des Bundes finanziell zu beteiligen.
Weiterhin hat der Bundestag die Regierung gebeten, in einer Studie
die noch offenen Fragen hinsichtlich des Kompensationsfonds zu klären.
Grundlage für die Leistungen von Kompensationszahlungen soll dabei die
Erhaltung der biologischen Vielfalt in dem Gebiet sein. Ein
Kompensationsmodus soll nachhaltig, transparent, effizient und im Sinne
der lokalen Bevölkerung gerecht gestaltet sein und von etwaigen
politischen Veränderungen vor Ort unangetastet bleiben.
In seinem Antrag forderte der Deutsche Bundestag die Bundesregierung
ebenso dazu auf,
„6. einen Schuldenerlass für Ecuador als Beitrag zu den
Kompensationszahlungen nochmals zu prüfen und bei den Partnern innerhalb
der Europäischen Union bzw. des Pariser Clubs für ein
debt-for-nature-swap zu werben;
7. innerhalb der EU und der OECD diese Initiative zu befördern und
möglichst viele Partnerregierungen
für ein finanzielles und politisches Engagement zu gewinnen;
8. in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuwirken, dass der Schutz des
Yasuní-Nationalparks insgesamt politisch gestärkt und Ecuador technisch
dabei unterstützt wird, dieses Gebiet wirkungsvoll zu schützen bzw.
nachhaltig zu nutzen, um alternative Einnahmequellen für die örtliche
Bevölkerung zu erschließen;
9. darüber hinaus zu prüfen, inwieweit der ITT-Vorschlag bzw. der
gefundene Finanzierungs- und Verteilungsmechanismus grundsätzlich
Erfahrungswerte für den Schutz vergleichbarer sensibler Ökosysteme in
Entwicklungsländern liefern kann und inwieweit dieser Mechanismus dann
in ein künftiges internationales Finanzierungsregime überführt werden
könnte, um singuläre Fonds-Lösungen zu überwinden.“
Bundesminister Niebel kündigt die deutsche Unterstützung auf
Aufgrund der Entscheidung des Bundestages untersuchte die GTZ die
Initiative hinsichtlich der Durchführbarkeit im Rahmen der bestehenden
Klimaverhandlungen. Auch sonst waren die Bundesregierung und der
Deutsche Bundestag wichtige Ansprechpartner für die ecuadorianische
Regierung. Kirchliche Hilfswerke und zivilgesellschaftliche
Organisationen haben die Yasuní-ITT-Initiative ebenfalls begrüßt und für
den Vorschlag geworben. Alberto Acosta, der ehemalige Energieminister
Ecuadors und Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, war als
einer der Yasunì-Initiatoren zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009
und zum Ökumenischen Kirchentag 2010 eingeladen, um die Initiative
vorzustellen.
In seiner Antwort vom 14.09.2010 auf ein Schreiben der Abgeordneten
Ute Koczy vom 4. August teilte Bundesminister Niebel mit, „dass (wir)
aufgrund dieser Überlegungen und der immer noch unzureichend
beantworteten Fragen (…) die Einzahlungen in den Treuhandfonds für die
ITT-Initiative nicht in Betracht ziehen.“ Diese Ankündigung dürfte
weitreichende Folgen für den Erfolg der Initiative haben, da der
bisherige Vorreiter Deutschland sich plötzlich zurückzieht. Es steht zu
befürchten, dass die Bemühungen zur Auffüllung des Treuhandfonds schon
gescheitert sind, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist.
Mit seiner einsamen Entscheidung setzt sich Minister Niebel aber auch
über die bisherige Unterstützung des Deutschen Bundestages für dieses
in Eigenverantwortung von Ecuador entwickelte Projekt hinweg. Ohne
vorherige Konsultation mit den Abgeordneten und ohne ausreichende
Begründung verkündet der Minister in einem Brief, dass viele Bedenken
nicht ausgeräumt sind und daher eine Beteiligung am Treuhandfonds nicht
erfolgen soll. Damit brüskiert er die Abgeordneten des Bundestages.
Aber auch auf internationaler Ebene und im Verhältnis zur
ecuadorianischen Regierung wird diese Entscheidung des Ministers von
vielen als Affront empfunden, welche Regeln des gegenseitigen Respekts
und eines partnerschaftlichen Verhältnis verletzt. Auf diese Weise kann
das in Kopenhagen verloren gegangene Vertrauen zwischen Industrie- und
Entwicklungsländern nicht zurück gewonnen werden.
Erwartungen der Zivilgesellschaft
Die unterzeichnenden Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Kirchen
und andere zivilgesellschaftliche
Akteure halten die Entscheidung von Bundesminister Niebel in der Sache
für falsch und in der Form für nicht angemessen. Das Ansehen
Deutschlands als Vorreiter in der Biodiversitäts-, Klima- und
Nachhaltigkeitspolitik und sein Ansehen als solidarischer Partner wird
aufs Spiel gesetzt.
Wir appellieren daher an den Bundestag,
• in den Bundeshaushalt 2011 die Einzahlung in den Treuhandfonds sowie
für die Folgejahre eine Verpflichtungsermächtigung für die weiteren
Einzahlungen in den Treuhandfonds einzustellen,
• den bisherigen Dialog und die Kooperation mit der ecuadorianischen
Regierung fortzusetzen, und
• die vom Ministerium aufgeführten Fragen aufzugreifen und
lösungsorientiert sowie partizipativ zu diskutieren.
Wir appellieren an die Bundesregierung,
• öffentlich darzulegen, welches Ergebnis die Prüfung eines
Schuldenerlasses und der Gestaltung eines debt-for-nature swaps ergeben
hat,
• zu einem Fachgespräch mit internationaler Beteiligung einzuladen, um
die Umsetzung der Yasuní-ITT-Initiative weiter zu befördern.
Berlin, den 28.09.2010
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VENRO: Bundeskanzlerin Merkel enttäuscht in New York
PRESSEMELDUNG
24/2010
Große Worte – leere Hände
Bundeskanzlerin Merkel enttäuscht in New York
Bonn, 22. September – Mit Enttäuschung hat der Verband
Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) auf
den Auftritt von Bundeskanzlerin Merkel beim Weltarmutsgipfel in New
York reagiert. „Die Bundeskanzlerin ist mit großen Worten, aber leeren
Händen nach New York gereist“, erklärte VENRO- Vorstandsvorsitzender
Ulrich Post.
„Frau Merkel hat Recht: Viele Entwicklungsländer müssen ihre
Eigenanstrengungen zur Erreichung der Millenniumsziele verstärken“, so
Ulrich Post. Dies dürfe aber kein Argument für die Bundesregierung sein,
um sich aus ihrer – auch finanziellen – Verantwortung zu stehlen. Die
plötzliche Betonung von Eigenanstrengungen und ergebnisorientierter
Hilfe nähre genau diesen Verdacht.
Bundeskanzlerin Merkel hatte in ihrer Rede vor den Vereinten Nationen
erklärt, dass nicht alle Ziele bis 2015 erreicht werden. Deutschland
strebe aber weiterhin an, ein verlässlicher Partner zu sein – die
Verantwortung für den Entwicklungsprozess liege jedoch in erster Linie
bei den Regierungen der Entwicklungsländer.
“VENRO und seine Mitgliedsorganisationen werden in den kommenden
Jahren sehr genau beobachten, wie verlässlich die Bundesregierung
tatsächlich sein wird“, so Post.
Zudem kritisiert VENRO, dass Merkel in New York keine konkreten
Zusagen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose
und Malaria gegeben hat. Bereits im Vorfeld der UN –Konferenz war
Deutschland wegen mangelnder Zusagen zur Auffüllung des Fonds in die
Kritik geraten. http://www.venro.org
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Armutsbekämpfung hat keine Lobby bei Kanzlerin der Atomkonzerne
Anläßlich des UN-Millenniumsgipfels in New York erklärt
die entwicklungspolitischer Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike
Hänsel:
“Angela Merkel reist mit leeren Taschen nach New York. Die Aussage
der Kanzlerin, beim Entwicklungsetat lediglich nicht sparen zu wollen,
ist schlichtweg beschämend. Die Kanzlerin hat zahlreiche auf dem
Klimagipfel und G8-Gipfeln gemachte Geldzusagen nicht erfüllt und macht
sich völlig unglaubwürdig. Bei fast einer Milliarde hungernder Menschen
zeigt das:
Armutsbekämpfung hat bei der Kanzlerin der Atomkonzerne keine Lobby!
Die Bilanz der Millenniumsentwicklungsziele ist durchwachsen, denn
Entwicklungsfortschritte werden durch eine neoliberale
Wirtschaftsordnung, weltweit forcierten Freihandel und die Folgen des
Klimawandels wieder zunichte gemacht. Die Linke fordert deshalb, dass
endlich die Profiteure der Finanz- und Wirtschaftskrise zahlen müssen
für Armutsbekämpfung und eine soziale und ökologische Entwicklung in den
Ländern des Südens.”
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VENRO: 740.000 Stimmen gegen Armut
PRESSEMELDUNG
23/2010
740.000 Stimmen gegen Armut
Mehr Einsatz der Bundesregierung gefordert
Berlin, 16. September – Mehr als 740.000 Menschen in Deutschland
haben von der Bundesregierung mehr Einsatz im Kampf gegen die weltweite
Armut gefordert. Die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ hatte im Vorfeld
des Weltarmutsgipfels in New York vom 20. bis 22.September
Unterschriften gesammelt, um die Erreichung der
Millenniumsentwicklungsziele (MDG) zu forcieren. Die Stimmen wurden im
Rahmen einer Pressekonferenz auf einer überdimensional großen
Deutschlandkarte präsentiert.
„740.000 Stimmen gegen Armut dürfen nicht überhört werden. Die
Bundesregierung muss alles dafür tun, um in New York ein starkes
Aufbruchsignal zu setzen – jedenfalls stärker als bisher geplant. Wir
brauchen aber keine neuen Versprechen, sondern einen verbindlichen Plan,
wie die bisherigen Versprechen umgesetzt werden“, so
VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post, der insgesamt 118 deutsche
Nichtregierungsorganisationen vertritt. In New York müsse ein konkreter
Aktionsplan für arme und reiche Länder verabschiedet werden.
Unterstützt wird „Deine Stimme gegen Armut“ von
Tatort-Kommissaren, internationalen Aktivisten und Künstlern.
„Armut in Indien bedeutet, dass jedes Jahr 1,95 Millionen Kinder vor
ihrem fünften Geburtstag sterben. Ohne ein stärkeres Engagement wird das
Ziel, die weltweite Kindersterblichkeit zu senken, nicht erreichbar
sein“, sagt der indische Kinderrechtsaktivist George Chira.
Die Sängerin Joana Zimmer weist darauf hin, dass über 80 Prozent der
Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern leben. „Sie sind
besonders von Armut betroffen und müssen bei der Verwirklichung der
Entwicklungsziele berücksichtigt werden.“
„Tatort“-Kommissar Sebastian Bezzel sieht in der Bekämpfung
weltweiter Armut und der Bekämpfung des Klimawandels die zwei zentralen
Aufgaben der Menschheit. „Nur wenn wir diese Probleme in den Griff
bekommen, werden wir in Zukunft in Frieden und Wohlstand leben können.
Ich selbst kann dazu beitragen, in dem ich als Bürger meine Stimme gegen
Armut erhebe und andere Menschen auf diese Themen aufmerksam mache.“
Vom 17.-19. September finden in Deutschland und weltweit Stand Up
–Aktionen gegen Armut statt. Jeder kann sich daran beteiligen: auf
Marktplätzen, in Schulen, Universitäten, Kirchen, auf Sportplätzen oder
in Firmen. Mehr Informationen unter www.deine-stimme-gegen-armut.de
Auf dem Weltarmutsgipfel in New York vom 20. bis 22. September wird
Bilanz über die Umsetzung der MDG gezogen. Im Jahr 2000 verabschiedeten
189 Staaten die Millenniumserklärung, deren oberstes Ziel die Halbierung
der weltweiten Armut bis 2015 ist. http://www.venro.org
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VENRO: Globaler Fonds: Aufstocken statt kürzen
PRESSEMELDUNG
22/2010
Globaler Fonds: Aufstocken statt kürzen
Verbindliche Zusagen von Deutschland gefordert
Berlin, 15. September 2010 – Die Bundesregierung muss sicherstellen,
dass die diesjährige Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds
gegen Aids, Malaria und Tuberkulose Anfang Oktober ein Erfolg wird.
Voraussetzung hierfür ist, dass Deutschland von seinen Kürzungsplänen
Abstand nimmt. Dies haben der Verband Entwicklungspolitik deutscher
Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und das Aktionsbündnis gegen AIDS
gefordert.
Zivilgesellschaftliche Organisationen protestierten vom 9.-15.
September gemeinschaftlich vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gegen die
geplanten Kürzungen. „Eine Kürzung des deutschen Beitrags beim Globalen
Fonds ist nicht hinnehmbar. Das würde einen herben Rückschlag für die
internationale HIV/Aidsbekämpfung bedeuten“, sagt Sonja Weinreich,
Sprecherin der VENRO-AG Gesundheit. Millionen Menschenleben seien davon
betroffen, vor allem Mütter und ihre Kinder.
Der Globale Fonds ist ein grundlegendes Instrument zur Erreichung der
UN-Millennium-Entwicklungsziele bis 2015, da er wichtige Aktivitäten im
Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose ermöglicht. Derzeit erhalten
2,8 Millionen Menschen eine HIV-Behandlung. Seit seiner Gründung im Jahr
2002 konnte der Globale Fonds bereits 5,7 Millionen Menschenleben
retten.
„Um die bislang erzielten Erfolge in der Bekämpfung von Aids, Malaria
und Tuberkulose zu sichern und weitere Menschenleben zu retten fordert
das Aktionsbündnis gegen AIDS, dass Deutschland verbindliche finanzielle
Zusagen von bis zu 400 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre
macht“, so Karl-Heinz Hein-Rothenbücher, Sprecher des Aktionsbündnis
gegen AIDS.
Die Protestaktionen wurden organisiert vom Aktionsbündnis gegen AIDS
und VENRO. Mitveranstalter von einzelnen Aktionen während der
Aktionswoche waren Action for Global Health, Ärzte ohne Grenzen, der
Evangelische Entwicklungsdienst (EED), die Deutsche Aids-Hilfe, die
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Misereor, Save the Children,
World Vision und One.
Informationen zur Aktionswoche und zu den einzelnen Veranstaltungen
auf www.aids-kampagne.de und www.venro.org
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Annette Groth: Humanitäre Hilfe ausbauen statt kürzen
13.09.2010 von– Annette Groth
Humanitäre Hilfe ausbauen statt kürzen
“Jedes Jahr sterben rund 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten, die auf
verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind.
Angesichts dieser katastrophalen Situation fordere ich die
Bundesregierung auf, die angekündigten Mittelkürzungen im Bereich der
humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen“,
erklärt Annette Groth, menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion
DIE LINKE, anlässlich der Weltwasserwoche in Stockholm. Diese
beschäftigt sich mit Lösungsmöglichkeiten für das Problem der weltweiten
Wasserknappheit. Groth weiter:
„Weltweit haben laut UNICEF 884 Millionen Menschen kein sauberes
Trinkwasser, darunter 125 Millionen Kinder unter fünf Jahren. 2,6
Milliarden Menschen leben ohne Latrinen oder hygienische
Abwasserentsorgung. Auch die Menschen in den besetzten palästinensischen
Gebieten leiden an schlechter Wasserversorgung. Besonders schlimm wirkt
sich die mangelnde Wasserversorgung im Gazastreifen aus. Weil die
israelische Seite den ausreichenden Bau von Abwasseranlagen blockiert,
fließen täglich zwischen 50-80 Millionen Liter Abwasser in das
Mittelmeer, in dem die Menschen baden und fischen. So verursacht die
Meeresverschmutzung gehäuft Krankheiten. Wasserknappheit ist weltweit
ein wesentlicher Konfliktfaktor, so auch zwischen Israel und den
Palästinensern, weil Israel die totale Kontrolle über die gemeinsamen
Wasserressourcen ausübt. Den Palästinensern stehen täglich nur etwa 70
Liter Frischwasser zur Verfügung und damit 30 Liter weniger als die
Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.“
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FIAN begrüßt die Anerkennung des Rechts auf Wasser und fordert schnelle Umsetzung
FIAN fordert Einklagbarkeit des Rechts auf Wasser
Die Menschenrechtsorganisation FIAN begrüßt die Anerkennung des
Rechts auf Wasser und sanitäre Grundversorgung auf Initiative Boliviens
durch die UN-Vollversammlung am Mittwochabend in New York. Weltweit
haben 884 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem
Wasser und mehr als 2,6 Milliarden keinen Zugang zu sanitären Anlagen.
Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen
Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.
„Die Anerkennung des Rechts auf Wasser ist ein wichtiges Signal für
die UN-Mitgliedsstaaten. Mit der Verabschiedung der Resolution sind sie
dazu verpflichtet, den ärmeren Ländern bei der Gewährleistung des Rechts
auf Wasser für alle Menschen zu beizustehen. Doch weitere Schritte wie
vor allem die Umsetzung des Rechts auf Wasser in die nationale
Gesetzgebung der einzelnen Staaten sind notwendig,” betont Tim Engel,
Vorstandsmitglied von FIAN Deutschland.
Neben den Staaten müssen aber auch die Privatunternehmen stärker in
die Verantwortung genommen werden. In Guatemala beispielsweise verseucht
das kanadische Unternehmen Goldcorp Inc. durch die Goldmine Marlin das
Wasser von 18 umliegenden indigenen Gemeinden mit Schwermetallen und
verbraucht nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde.
„Es ist sehr bezeichnend und ein Skandal, dass sich Länder wie die
Vereinigten Staaten und Kanada bei der Resolution Boliviens enthalten
haben. Denn gerade diese sind mit ihren Unternehmen an vielen
Menschenrechtsverletzungen aktiv beteiligt. Die guatemaltekische
Regierung ist verpflichtet, die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und
Gesundheit zu schützen, doch auch Kanada darf in einem solchen Fall
nicht tatenlos zusehen”, fordert Sebastian Rötters, Bergbau-Referent von
FIAN-Deutschland.
Die Aufnahme des Rechts auf Wasser in die Menschenrechtserklärung ist
von hoher symbolischer Bedeutung. Einklagbar ist dieses Recht jedoch –
noch – nicht. FIAN setzt sich dafür ein, dass das Recht auf Wasser
ebenso wie alle weiteren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Menschenrechte völkerrechtlich verbindlich und damit einklagbar werden.
„Wir fordern die Bundesregierung auf, sich für die Ratifizierung des
Zusatzprotokolls zum Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Menschenrechte einzusetzen. Wenn das Menschenrecht auf
Nahrung oder Wasser verletzt wird, müssen die Betroffenen die
Möglichkeit haben, dieses Recht einzuklagen” stellt Tim Engel heraus.
---------------------------------------------------------------------------------FIAN: Gold um jeden Preis – Streit um größte Goldmine Guatemalas eskaliert
Kanadisches Unternehmen widersetzt sich Anordnungen der
Interamerikanischen Menschenrechtskommission – Bergbaugegnerin von
Unbekannten niedergeschossen
Mit großer Sorge beobachtet die Menschenrechtsorganisation FIAN die
sich zuspitzende Lage in der Umgebung der Marlin-Goldmine in Guatemala.
Die Mine ist seit ihrer Errichtung äußerst umstritten, weil die Rechte
der dort lebenden indigenen Bevölkerung nicht respektiert werden.
Vorläufiger trauriger Höhepunkt ist das Attentat auf Diodora Antonia
Hernández Cinto, eine führende Vertreterin der Bewegung gegen die
Marlin-Mine. Sie wurde am 7. Juli 2010 in ihrem Haus von Unbekannten
niedergeschossen. Eine weitere Gewalteskalation ist nicht
auszuschließen. FIAN hat daher eine internationale Briefaktion
gestartet.
Seit dem 20. Mai 2010 hatten die indigenen Gemeinschaften von
Sipakapa und San Miguel Ixtahuacán nach langem Kampf gegen das
Bergbauprojekt Marlin wieder Hoffnung geschöpft. Die Interamerikanische
Menschenrechtskommission (CIDH, Comisión Interamericana de Derechos
Humanos) hatte einstweilige Verfügungen zugunsten des Lebens und der
persönlichen Unversehrtheit der Gemeinschaften erlassen und den Stopp
der Bergbauaktivitäten des kanadischen Unternehmens Goldcorp Inc. in der
Marlin-Mine angeordnet. Am 23. Juni 2010 erklärte die Regierung
Guatemalas, dass sie die von der CIDH erlassenen Maßnahmen umsetzen
werde. Jedoch hat der kanadische Konzern verkündet, dass er den
Goldabbau in Marlin nicht stoppen werde. Seitdem sind einige Wochen
vergangen und die Umsetzung des Versprechens der Regierung steht noch
aus.
Der Staat Guatemala hat die Konvention 169 der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte der indigenen Völker
ratifiziert und damit anerkannt, dass alle Projekte, die sich auf das
Leben und das Gebiet von indigenen Gemeinschaften auswirken, nur mit
freier und informierter Zustimmung der indigenen Völker umgesetzt werden
dürfen. 2010 haben der UN-Sonderberichterstatter für indigene Völker,
James Anaya, sowie das Expertenkomitee der ILO festgestellt, dass die
Regierung die Lizenz für die Marlin-Mine ohne eine solche Zustimmung
erteilt hatte. Bei einer Befragung am 18. Juni 2005 hatten 97 Prozent
der BewohnerInnen von Sipakapa das Marlin-Projekt abgelehnt.
Die Menschenrechtsverletzungen durch das Marlin-Projekt sind
eindeutig. Besonders gravierend sind die Verschmutzung und der Verbrauch
des von den Gemeinschaften verwendeten Wassers. Das Unternehmen
benötigt nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde.
Monitoring-Untersuchungen der Comisión Paz y Ecología (Friedens- und
Umweltkommission) der Diözese von San Marcos haben ergeben, dass die
Mine das Wasser der Flüsse mit Schwermetallen verunreinigt. Nach einer
jüngst von der Universität von Michigan veröffentlichten Studie wurden
in Blut- und Urinproben, die bei einigen Bewohnern aus der unmittelbaren
Umgebung der Marlin-Mine genommen worden sind, toxische Metalle
gefunden.
„Die Arbeit der Mine muss sofort eingestellt werden. Die
guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Anordungen der
Interamerikanischen Menschenrechtskommission umgehend umzusetzen und so
die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen”,
fordert Martin Wolpold-Bosien, Zentralamerika-Referent von FIAN.
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Zweifelhafte Geschäftsgebaren im Zeichen von Freiheit und Abenteuer
Europas größte Outdoor-Messe: Branche in der Kritik
Die Hersteller von Outdoor-Funktionskleidung können sich freuen: Kaum
eine andere Branche hat in den vergangenen Jahren trotz
Wirtschaftskrise derart starke Zuwachsraten erzielt. Markenunternehmen
wie The North Face, Schöffel oder Tatonka stehen für das Erleben der
Natur, für die Sehnsucht nach fremden Ländern, für Freiheit und
Abenteuer.
Das Image der Outdoor-Unternehmen ist entsprechend positiv besetzt.
Zu Unrecht, wie jetzt die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes
Campaign / CCC) feststellt.
Die Kampagne hat in den vergangenen Monaten Selbstbild und
tatsächliches Geschäftsgebaren von 15 international tätigen Unternehmen
der Outdoor-Bekleidungsbranche eingehend untersucht. Mit ernüchternden
Resultaten. So trifft etwa der in Deutschland ansässige Hersteller
Schöffel, wie auch andere VertreterInnen der Branche, keinerlei
Vorkehrungen für eine Mitbestimmung von ArbeiterInnen in
Produktionsländern, in denen Gewerkschaftsfreiheit nicht existiert.
Wieder andere Unternehmen verzichten gänzlich darauf, sich für die
Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten bei der Herstellung ihrer
Produkte zu engagieren. Löhne, die für ein Leben in Würde nicht
ausreichen, verzeichnet die Kampagne für Saubere Kleidung ebenso wie im
Fall des schwedischen Herstellers Fjällräven fehlende Obergrenzen für
Überstunden, wodurch exzessiver Mehrarbeit in den Fertigungsstätten Tür
und Tor geöffnet ist.
„Image und Realität der Outdoor-Branche klaffen zum Teil schmerzhaft
auseinander“, bringt Kirsten Clodius die Ergebnisse der Untersuchung auf
den Punkt. „Statt nachhaltiger sozialer Entwicklung wird allzu oft
nachhaltige Ausbeutung praktiziert.“ Für die Referentin der Christlichen
Initiative Romero (CIR), einer der TrägerInnen der Kampagne für Saubere
Kleidung, ist es deshalb erfreulich, dass der deutsche Outdoor-Riese
Jack Wolfskin sich künftig stärker um würdige Arbeitsbedingungen in
seiner Lieferkette bemühen möchte: Jack Wolfskin hat Anfang Juli seinen
Beitritt zur Fair Wear Foundation erklärt, einer Multi-
Stakeholder-Initiative, die sich für eine effektive Verbesserung von
Arbeitsbedingungen einsetzt. „Dass sich ein Unternehmen wie Jack
Wolfskin einem der am weitesten reichenden Verhaltenskodizes auf dem
Markt verpflichtet, wird Signalcharakter für die Branche haben“, ist
sich Clodius sicher.
Allein, bei solchen Schritten einzelner, wenngleich wichtiger
Unternehmen soll es nach dem Willen von Berndt Hinzmann nicht bleiben:
„Die gesamte Branche steht in der Pflicht. Alle Hersteller von
Outdoor-Bekleidung sind aufgefordert, ihrer sozialen Verantwortung
endlich in ausreichender Weise gerecht zu werden, Fairness zu entdecken
und die entsprechende Herausforderungen anzugehen“, erklärt der Sprecher
des INKOTA-netzwerk e.V., ebenfalls Kampagne für Saubere Kleidung.
„Grundlegende Arbeitsstandards im weltweiten Zulieferernetz müssen
endlich umfassend umgesetzt und durch unabhängige externe Institutionen
wirksam kontrolliert werden.“ Nur auf diese Weise, so Hinzmann und
Clodius, könne sichergestellt werden, dass zwischen Image und Realität
der Outdoor-Branche nicht länger mehr eine Lücke klaffe, die einen
Skandal darstelle.
Die Kampagne für Saubere Kleidung hatte im vergangenen Jahr erstmalig
Selbstbild und Realität der Outdoor-Bekleidungshersteller in einer
eigenen Untersuchung überprüft.
Erfreulich für die Kampagne: In diesem Jahr präsentierten sich die
Unternehmen der Branche transparenter als bei der Befragung 2009. Die
aktuelle Studie wurde vor dem Hintergrund der vom 15. bis zum 18. Juli
in Friedrichshafen stattgefundenen „OutDoor“ veröffentlicht, der größten
Outdoor-Messe Europas.
www.saubere-kleidung.de
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Unterschriftenaktion für menschenwürdige Arbeitsbedingungen auf Blumenplantagen
Am 1. Juni 2010 hat die Kampagne fair flowers eine
Unterschriftenaktion begonnen, mit der sie die EU auffordert,
menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion zu fördern.
33 Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben bereits unterzeichnet.
Bitte unterstützen Sie die Forderungen der Kampagne mit Ihrer
Unterschrift. Die vier Forderungen lauten:
1. Die EU möge eine Richtlinie erlassen, die Angaben über die Herkunft von Blumen zur Pflicht macht.
2. Die EU möge eine Richtlinie zur Untersuchung von Pestizidrückständen
in Blumen erlassen, die in die EU importiert werden. Pestizide, die die
Weltgesundheitsorganisation als höchst gefährlich (WHO Klasse I)
einstuft, dürfen nicht auf den EU-Markt gelangen.
3. Die EU möge ein faires Beschaffungswesen in ihren Mitgliedsländern
und in den Gremien der EU gemäß ihrer Richtlinien für die Vergabe
öffentlicher Aufträge (2004/18/EC und 20004/17/EC) vorantreiben.
4. Die EU möge die Ratifizierung der ILO-Konvention Nr. 110 (Arbeitsbedingungen für PlantagenarbeiterInnen) unterstützen.
Bitte geben Sie die Unterschriftenliste auch an Ihre FreundInnen und
KollegInnen weiter. Sie können auch online an der Aktion teilnehmen
Link zur online-petition: http://www.ipetitions.com/petition/fairflowers/
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FIAN und OXFAM: Neue Studie fordert fairen Welthandel statt Exportförderung
Exportförderung um jeden Preis
Neue Studie fordert fairen Welthandel statt Exportförderung
Berlin/Köln, 17. Juni 2010. “Fairer Welthandel statt
Exportförderung” – das fordern Oxfam und FIAN von
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner anlässlich des 2.
Außenwirtschaftstags in Berlin. Die dort angekündigte ,globale
Verantwortung’ werde nicht übernommen. Stattdessen setze die
Ernährungsindustrie drei Jahre nach dem Beginn der Nahrungsmittelkrise
mit Unterstützung der Politik noch stärker auf die Liberalisierung der
Märkte und auf die Gentechnik. Zu diesem Schluss kommt die Studie
“Grenzenlos und billig”, die Strategien und Positionen der Agrar- und
Ernährungsindustrie nach der Nahrungsmittelkrise analysiert.
Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei der Hilfsorganisation Oxfam:
“Den armen Ländern ist nicht geholfen, wenn mehr europäische Exporte
ins Land kommen und damit die einheimische Nahrungsmittelproduktion
zurückgedrängt wird. Volle Lebensmittelregale machen Hungernde noch
nicht satt”. Roman Herre, Agrarexperte bei der
Menschenrechtsorganisation FIAN: “Das Recht auf Nahrung zu fördern,
bedeutet, die Hungernden in die Lage zu versetzen, sich selbst zu
ernähren. Das A und O in der Hungerbekämpfung ist die Verbesserung der
Einkommensgrundlagen, damit Hungernde sich Nahrungsmittel leisten
können”.
Freihandelsabkommen und Gentechnik sind keine Lösung
Die Studie “Grenzenlos und billig” zeigt, dass die
Ernährungsindustrie angesichts der stockenden WTO-Verhandlungen auf
bilaterale Freihandelsabkommen setzt, um den Zollabbau in armen Ländern
voranzutreiben und neue Absatzmärkte für Lebensmittel zu erschließen.
Aber: “Eine wichtige Lehre aus der Nahrungsmittelkrise ist: Wir
brauchen mehr Nahrungsmittelproduktion in den armen Ländern selbst,
d.h. weniger Abhängigkeit vom Weltmarkt und mehr Schutzmöglichkeiten”,
so Wiggerthale. Ein fairer Welthandel müsse das zerstörerische
Agrardumping beenden und wirksam Schutz vor Billigimporten bieten. Die
Ernährungsindustrie torpediere die Bemühungen in den armen Ländern, die
eigene Nahrungsmittelproduktion zu steigern.
Zur Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung setze
die Ernährungsindustrie zudem vor allem auf Gentechnik, so das Ergebnis
der Studie. Die Studie widerlegt die Behauptung, Gentechnik sei das
Patentrezept für den Kampf gegen Hunger und Armut. “Das Gegenteil ist
der Fall”, stellt Roman Herre klar. “Neben negativen Auswirkungen auf
die Umwelt führt Gentechnik zur Abhängigkeit und Verschuldung der
Hälfte aller weltweit Hungernden, nämlich der Kleinbauern”.
Die Studie gibt es hier:
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Weltweiter Gedenktag für die Opfer der Selbstmordserie bei FOXCONN in China
Pressemitteilung
Weltweiter Gedenktag für die Opfer der Selbstmordserie bei FOXCONN in China:
Produktions-Stopp und sofortige Verbesserung bei Foxconn – Make iPhone fair!
Am Dienstag, 08. Juni 2010 hat eine Protestaktion vor Saturn am
Alexanderplatz in Berlin stattgefunden, da am 8. Juni wird in Hongkong
die vierte Generation des iPhones vorgestellt. Ein Bündnis aus
Arbeitsrechtsaktivisten und Gewerkschaften aus Hongkong (SACOM, Asia
Monitor Resource Centre, Globalization Monitor, Labour Action China und
ITUC/GUF Hong Kong Liaison Office) rufen deshalb zum Aktionstag auf.
Mit der Aktion in Berlin geben wir den Forderungen der Partner
Nachdruck. Erschreckende Arbeitsbedingungen und eine Reihe von
Selbstmorden bei dem weltgrößten Elektronik-Hersteller Foxconn wurden
berichtet. Dieser produziert in Shenzhen das Kultprodukt iPad von
Apple, Notebooks von Dell und für Marken wie Nokia, HP, Sony, Sony
Ericsson und Motorola. Foxconn unterhält in Shenzhen eine der größten
Fabriken der Welt, in der etwa 250.000 Menschen arbeiten. Sechs Tage in
der Woche wird für einen Monatslohn von rund 110 Euro im Akkord
geschuftet. Auf Etagenbetten, in Schlafsälen mit bis zu hundert
Menschen, versuchen sich die ArbeiterInnen zu erholen.
Als Ausweg aus der verzweifelten Lage stürzten sich mehrfach
Menschen vom Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen. Bisher gab es
neun Todesfälle und zwei Schwerverletzte. Der Vorstandsvorsitzende von
Foxconn, Terry Gou, kommentiert diese schockierenden Ereignisse mit der
zynischen Behauptung, nur weil das Unternehmen bereit sei, die Familien
der Opfer großzügig zu entschädigen, käme es zu diesen Selbsttötungen.
Die tragischen Ereignisse belegen jedoch erschreckend, dass im Bereich
der Hoch-technologie, der Elektronikindustrie, ähnlich der
Bekleidungsindustrie ein „Wettrennen nach Unten“ stattfindet – mit
drastischen Folgen für die Arbeitsbedingungen. Elementare Rechte der
ArbeiterInnen werden missachtet und Soziale Verantwortung sowie
Transparenz werden nicht systematisch und effektiv umgesetzt. Die Metro
Group, zu der auch Saturn und Media Markt gehören, starten derzeit ein
Joint Venture im Einzelhandel mit Foxconn in Shanghai. Die
ArbeiterInnen empfinden es als Hohn, dass seitens der Unternehmen
nichts weiter als „Business as usual“ angesagt sind. „ Die Arbeiter
brauchen Pausen, um sich psychisch und physisch zu erholen.“ Ebenso
dringlich sind grundlegende Veränderungen besonders bei den
einkaufenden IT-Marken, damit die inhumanen Bedingungen abgeschafft
werden.
Gemeinsam unterstützen wir die Forderungen unserer Partner:
Salz in der Wunde – Gedenkt der Opfer – Arbeit in Würde: *
einen Lohn zum Leben * Achtung der Kollektivverhandlung und
demokratische Wahlen der Arbeitervertreter
Kontakt: Christoph Ernst, WEED, christoph.ernst@weed-online.org, (0176) 96 39 7807
Berndt Hinzmann, INKOTA-netzwerk, hinzmann@inkota.de, (0160) 94 69 87 70
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VENRO: Säulen gegen Armut
PRESSEEINLADUNG
11/2010
Säulen gegen Armut
Entwicklungspolitische Bündnisse fordern MDG-Aktionsplan
Fototermin und Interviewmöglichkeit
Termin: 15. Juni 2010, 11.00 Uhr
Ort: Pariser Platz, vor dem Brandenburger Tor, Berlin
Berlin, 11. Juni – Jedes Jahr sterben weltweit rund 350.000 Frauen
während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes. Die
meisten dieser Todesfälle wären vermeidbar, wenn es eine ausreichende
Gesundheitsfürsorge gäbe. Dabei hat die internationale
Staatengemeinschaft sich verpflichtet, die Müttersterblichkeit bis 2015
um 75 Prozent zu verringern. Dies ist ein Ziel der acht
Millenniumsentwicklungsziele (MDG). Der Weltarmutsgipfel in New York
Ende September dieses
Jahres wird Bilanz über die bisherige Umsetzung der MDG ziehen. Eine Bilanz, die wohl ernüchternd
ausfallen wird.
Entwicklungspolitische Bündnisse wollen deshalb mit einer MDG-Säulenaktion Druck machen.
Aktivisten werden vor dem Brandenburger Tor in Berlin acht
Plexiglassäulen von zwei Meter Höhe mit MDG-bezogenen Gegenständen, wie
Reis, Schulhefte, Medikamentenschachteln und Wasserflaschen füllen –
genau bis zu der Höhe, die dem Stand der MDG-Umsetzung in Afrika
entspricht.
Mit dieser Aktion wollen sie ihrer Forderung nach einem
MDG-Aktionsplan der Bundesregierung Nachdruck verleihen. Empfehlungen
für einen solchen Aktionsplan sind in dem Bericht „5 vor 2015“
dargelegt, der am selben Tag veröffentlicht wird.
Alle im Aktionsbündnis beteiligten Kampagnen und Zusammenschlüsse
eint das gemeinsame Ziel, die Verwirklichung der MDG bis zum Jahr 2015
zu realisieren. Beteiligt sind: Action for Global Health,
Aktionsbündnis gegen Aids, Deine Stimme gegen Armut, Globale
Bildungskampagne, „Mutternacht“-Bündnis, StopEPA-Kampagne, Stop Malaria
Now und VENRO.
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ECCHR: Schneller juristischer Erfolg der Klage gegen Lidl
Eine
Koalition zwischen dem European Center for Constitutional and Human
Rights (ECCHR), der Verbraucherzentrale Hamburg (VZ) und der Kampagne
für Saubere Kleidung (CCC) hat einen juristischen Erfolg gegen einen
der marktführenden deutschen Discounter Lidl errungen.
Das ECCHR hat zusammen mit der CCC eine am 6.4.2010 von der
Verbraucherzentrale Hamburg eingereichte Klage gegen Lidl unterstützt.
In dieser Klage wird Lidl vorgeworfen, in irreführender Weise mit der
Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards in Zulieferbetrieben zu
werben. Hierdurch täusche Lidl die Verbraucher und verschaffe sich
einen unlauteren Wettbewerbsvorteil. Mit dieser Klage wird zum ersten
Mal in Deutschland ein deutsches Unternehmen wegen schlechter
Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben verklagt.
Bereits 10 Tage nach Klageeinreichung lenkt Lidl nun ein. Das
Unternehmen hat die Unterlass ungserklärung abgegeben, die
beanstandeten Werbeversprechen bezüglich weltweit fairer
Arbeitsbedingungen bei Textilzulieferern in Bangladesch. Damit hat Lidl
die in der Klage gemachten Vorwürfe faktisch zugegeben.
Das programm Wirtschaft und Menschenrechte
Im Programm Wirtschaft und Menschenrechte, mit der
Programmdirektorin Dr. Miriam Saage-Maaß, bekämpft das ECCHR die
Sanktionslosigkeit von Unternehmensunrecht. Die krasse
Waffenungleichheit zwischen den Betroffenen von
Menschenrechtsverletzungen durch ökonomische Akteure einerseits und
transnationalen Unternehmen andererseits soll durch professionelles
juristisches Vorgehen und Kooperation mit Menschenrechtsorganisationen
zumindest verringert werden. Drei Themenbereiche sind hierbei besonders
relevant: Beteiligung von Unternehmen an Völkerstraftaten (Beispiele:
Militärdiktatur Argentinien, Apartheidssystem Südafrika), massive
Arbeitsrechtsverletzungen (wie in den Zulieferbetrieben von Lidl oder
der Baumwollproduktion in Usbekistan) und die Verletzung von
wirtschaftlichen, sozialen und kulturelle n Menschenrechten im
Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten oder in den extraktiven
Industrien.
Um einen Überblick über die bisher gegen Unternehmen geführten
Verfahren in Europa zu erlangen, wertete das ECCHR 69 Fälle von
Unternehmensunrecht in Europa systematisch aus. Parallel hierzu
stellten unsere Mitarbeiterinnen gezielte Recherchen zu
Klagemöglichkeiten gegen Unternehmen, unter anderem dem in der
Lidl-Klage relevanten Verbraucher- und Wettbewerbsrecht an. Die im
Herbst 2008 veranstaltete Konferenz zum Thema “Transnationale
Unternehmen und Menschenrechte” brachte Menschenrechtlerinnen und
Anwältinnen aus Europa, den USA, Lateinamerika, Asien und Afrika
zusammen und diente als Grundlage des mittlerweile weltweiten
Netzwerkes des ECCHR. Über 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr
als 30 Ländern diskutieren über Möglichkeiten transnationaler
Zusammenarbeit bei der Haftbarmachung von Unternehmen wegen
Menschenrechtsverletzungen. Der dort angestoßene D iskussionsprozess
wird von uns in regionalen Seminaren in Zusammenarbeit mit Misereor und
Brot für die Welt fortgesetzt.
Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben von Lidl in Bangladesh
Auf die Diskussion über die Verantwortung der europäischen
Unternehmen für die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben und
den Druck der Kunden reagieren viele Unternehmen mit Initiativen
freiwilliger Selbstverpflichtung. Auch Lidl ist seit 2006 Mitglied
einer solchen Initiative, der Business Social Compliance Initiative
(BSCI), um „Corporate Social Responsibility” (CSR) zu demonstrieren.
Diese internationale Initiative des Einzelhandels hat zum erklärten
Ziel, die Arbeitsbedingungen entlang der Lieferketten zu verbessern.
Der BSCI-Verhaltenskodex enthält unter anderem Regelungen zur maximalen
Arbeitszeit, zu Löhnen, zur Diskriminierung und zur
Gewerkschaftsfreiheit, in Anlehnung an die Arbeitsrechtskonventionen
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Lidl erweckt bei Verbrauchern den Eindru ck, dass die Arbeitsnormen,
auf die sich der BSCI ausdrücklich bezieht, nicht nur als
Zielvorstellung in der Zukunft erreicht werden sollen, sondern bei den
Zulieferern Lidls bereits tatsächlich nachhaltig verbessert seien. So
erklärt das Unternehmen Lidl, es „bestehe” als wesentliche Entscheidung
beim Warenkauf auf diese Einhaltung bei seinen Zulieferern. Auch habe
es dem BSCI-Kodex entsprechende Sozialstandards gegenüber den
Zulieferern verbindlich („mandatory”) gemacht und überprüfe deren
Einhaltung. Wenn Lidl weiterhin auf der Unternehmens-Webseite von der
„Sicherstellung von sozialen Mindeststandards” spricht, dann beschreibt
dies Arbeitsbedingungen, die schon bestehen und durch Maßnahmen – wie
z.B. der Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für technische
Zusammenarbeit (GTZ) – nur noch gesichert werden.
Um diese Aussagen Lidls zu überprüfen, hat das ECCHR zusammen mit
der Clean Clothes Campaign eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bei
der Beschäftigte der Lieferanten von Lidl in Bangladesch befragt
wurden. Dabei wurden gerade solche Zulieferbetriebe ausgewählt, die an
den Trainingsprogrammen von Lidl bereits teilgenommen haben oder diesen
Prozess gerade durchlaufen. Es handelt sich also um „Vorzeigefabriken”,
deren Management in Sozialstandards aus- und weitergebildet wurde.
Die Ergebnisse der Recherche, die erst kürzlich unter dem Titel „Die
Schönfärberei der Discounter” veröffentlicht wurde, zeichnen ein
erschreckendes Bild: überlange Arbeitszeiten, Lohnabzüge als
Strafmaßnahmen, Verhinderung von Gewerkschaftsarbeit und
Diskriminierung von Frauen verstoßen gegen die ILO-Konventionen, gegen
die Standards des BSCI-Verhaltenskodex und gegen die
Selbstverpflichtung Lidls.
Die Arbeitszeiten sind in vielen Fällen von 8 bis 22 Uhr an 7 Tagen
in der Woche; dies ergeben zusätzlich zu den 48 Stunden regulärer
Wochenarbeitszeit Überstunden von bis zu 35 Stunden pro Woche. Obwohl
nach int ernationalen Standards wie auch dem Code of Conduct der BSCI
Arbeitnehmer nicht zu Überstunden gezwungen werden dürfen, sind die
täglichen Überstunden in den untersuchten Betrieben in keinem Falle
freiwillig. Freiwillig würde bedeuten, dass eine Arbeiterin Überstunden
ablehnen kann, ohne Repressalien wie Beleidigungen, Lohnabzug oder
Entlassung befürchten zu müssen. Genau diese Maßnahmen werden jedoch in
aller Regel bei der Weigerung, Überstunden zu leisten, von den
Arbeitgebern ergriffen. Urlaub wird nicht gewährt, bereits das Gesuch
um Urlaub wird mit Beschimpfungen und Einschüchterungen bis hin zu
Lohnabzügen geahndet. Wer wegen Krankheit nicht zur Arbeit erscheint,
wird für diese Zeit nicht bezahlt. Der durchschnittliche Monatslohn
liegt – je nach Stellung der Arbeiter im Betrieb – zwischen 1600 und
3000 Taka (ca. 16,80-31,50 EUR) und wird häufig nicht vollständig
ausgezahlt. Ein Lohn, der in vielen Fällen nicht ausreicht, um eine
Familie zu versorgen, w ie die Arbeiterinnen immer wieder betonen.
Jeder Lohnabzug ist also ein existenzieller Einschnitt für die
Arbeiterinnen und ihrer Familien.
Jeder Versuch, eine Gewerkschaft zu initiieren, wird im Keim
erstickt, mit Drohungen und Gewalt, sowie mit Entlassungen. Daher gibt
es nicht ohne Grund in keiner der Fabriken bisher eine Gewerkschaft. In
allen untersuchten Fabriken werden Erfahrungen mit Schlägertrupps
geschildert. Jedes Gespräch zwischen Arbeitern ist generell unter
Strafe gestellt. Wer bei der Arbeit oder in den Pausen spricht, wird
der Agitation bezichtigt.
Auf die Schutzbedürfnisse schwangerer Frauen wird keine Rücksicht
genommen. Sie müssen Überstunden bis spät in die Nacht hinein leisten
wie ihre Kolleginnen und Kollegen. Der gesetzlich vorgesehene
Mutterschutz von vier Monaten bei vollem Lohnausgleich wird oft nicht
gewährt. Wer ihn einfordert, riskiert seinen Job. Glücklich schätzen
sich die Frauen, die – ohne Bezahlung – freigestellt und nicht
entlassen werden. Weiterhin kommen sexuelle Übergriffe des Managements
gegen Arbeiterinnen regelmäßig vor.
Vor allem Arbeiterinnen sind betroffene des “discountering” – Lidl ist nur ein beispiel
Rund 85 % der Beschäftigten der Bekleidungsindustrie in Bangladesch
sind Frauen. Daher sind insbesondere Arbeiterinnen den unwürdigen
Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Auch wenn Frauen in Bangladesch
zunehmend erwerbstätig sind, spielen tradierte Geschlechternormen bei
der Marktintegration von Frauen eine ambivalente Rolle und
prädestinieren Frauen durch ihre Rolle als „Zuverdienerin” für
Niedriglohnjobs und prekäre Beschäftigung. Wenn überhaupt arbeiten
erwerbstätige Frauen in ganz Südasien in unsicheren Beschäftigungen
(vulnerable employment) (84 % im Jahr 2009 laut ILO). Dabei ist gerade
der Zugang zu angemessen bezahlter Lohnarbeit ein wichtiger Schritt zur
wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frauen. Durch
den Ausbau der Produktion im globalen Süden durch Firmen wie Lidl wird
nicht nur gegen absolute Mindeststandards verstoßen, diese Praxis
unterstützt vielmehr die anhaltende marktökonomische Diskriminierung
von Frauen weltweit.
Die KLage
Unternehmen wie Lidl lagern die Last der Produktionskosten und
-risiken aus. Gleichzeitig gehen sie Selbstverpflichtungen ein, mit
denen Kundinnen und Kunden suggeriert wird, das betreffende Unternehmen
nehme seine soziale Verantwortung wahr und sorge dafür, dass die
angebotene Ware unter Einhaltung internationaler Sozialstandards
produziert werde. Nicht nur die Arbeiterinnen haben ein Recht auf
Achtung ihrer Würde und ihrer Rechte. Auch europäische Verbraucherinnen
und Verbraucher haben ein Recht zu wissen, was genau sie einkaufen und
wofür sie bezahlen. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die
Angaben des Verkäufers über die Herkunft und Herstellung des Produkts
richtig und unmissverständlich sind.
Mit einer Klage nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
(UWG) sollte eingeklagt werden , dass Unternehmen rechtlich an das
gebunden sind, was sie in ihrer Werbung unter Verweis auf ihre
Selbstverpflichtungen versprechen. Dies, so die Argumentation der
Klage, ist aber nicht der Fall bei Lidl: Unter Hinweis auf die BSCI und
deren Verhaltenskodex wirbt Lidl mit der nachhaltigen Verbesserung der
Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern – die Kundinnen und Kunden
bekommen den Eindruck,
- dass die Einhaltung von Sozialstandards von den Lieferanten verbindlich eingefordert wird,
- dass Lidl seinen Einkauf beim Hersteller von der Einhaltung der
Standards abhängig macht, so dass der Verbraucher sich darauf verlassen
kann, dass die ihm angebotenen Waren ohne die Verletzung der
internationalen Arbeitsnormen hergestellt worden sind,
- dass die Einhaltung der Sozialstandards nachhaltig gesichert ist und
- dass wenn es hier zu Mängeln kommen sollte, dies durch Kontrollsyste
me auch tatsächlich festgestellt und Abhilfe geschaffen wird.
Demgegenüber zeigt aber die genannte Studie, dass trotz Audits und
Trainings massive arbeitsrechtliche Verstöße in allen untersuchten
Zulieferbetrieben weiter an der Tagesordnung sind. Ein Kunde von Lidl
kann sich also keineswegs darauf verlassen, dass gekaufte Textilien
ohne die Verletzung von Arbeitsrechten hergestellt worden sind oder,
dass zumindest in dem Herstellerbetrieb sichtbare Verbesserungen im
Gange sind.
Der Erfolg im juristischen Verfahren
Lidl muss Werbung zurückziehen
Lidl gibt eine Unterlassungserklärung ab. In dieser erklärt Lidl,
künftig den Verbrauchern nicht mehr zu suggerieren, dass die
Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Initiative zur
Einhaltung von Sozialstandards verbindlich verpflichte und Lidl dieser
Verpflichtung auch tatsächlich nachkomme.
Situation der Arbeiterinnen in Zulieferbetrieben deutscher Unternehmen wurde der deutschen Öffentlichkeit vor Augen geführt
Ziel dieser Klage war es nicht allein gegen die Schönfärberei Lidls
vorzugehen und die deutschen Verbraucher vor irreführender Werbung
durch Lidl zu schützen. Es ging dem ECCHR insbesondere auch darum, die
katastrophalen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in Bangladesch vor
Gericht zu bringen und z u verbessern.
Durch die enorme Presseresonanz (siehe Medienspiegel) konnte die
Klage verdeutlichen, dass die bisherigen Methoden, mit denen
Unternehmen ihrer so genannten sozialen Verantwortung (corporate social
responsibility, CSR) gerecht werden wollen, ineffektiv sind. Deutsche
Verbraucher profitieren nach wie vor auf Kosten der Arbeiterinnen in
Bangladesch und anderen Ländern des globalen Südens von den
Schnäppchen-Angeboten der Discounter. Von den Unternehmen vorgegebene
Standards und Trainings ändern nichts an den Arbeitsbedingungen, so
lange nicht mehr für die Waren gezahlt wird und die Unternehmen das
lokale Management wie auch die Arbeiter zusammenbringt und mit diesen
Verbesserungen von Arbeitsbedingungen aushandelt. Ob Klagen wie die n
un erhobene Wettbewerbsklage dauerhaft zu Verhaltensänderungen bei
Unternehmen und zu einer Verbesserung der Situation der Arbeiterinnen
in Bangladesch führen, hängt aber wesentlich von den Reaktionen von
Politik und Gesellschaft ab.
Ob sich die Arbeitsbedingungen nun unmittelbar verändern werden, ist
fraglich. Lidl kann auf diese Klage reagieren und allein seine
Werbetexte ändern, um damit zukünftige Klagen nach dem UWG zu
verhindern. Lidl kann aus demselben Grund auch die freiwilligen
Standards, denen sich das Unternehmen verpflichtet hat, verwässern.
Sollte dies der Fall sein, würde die Schwäche aller Corporate Social
Responsibility (CSR)-Maßnahmen, aller Maßnahmen, mit denen Unternehmen
freiwillig ihrer sozialen Verpflichtung nachkommen wollen,
offensichtlich. Zum einen ist die Freiwilligkeit all dieser Initiativen
und der damit einhergehenden Beliebigkeit problematisch: Wird es
unangenehm, kann das Unternehmen jeder Zeit von den verbrieften
Standards Abs tand nehmen. Zum anderen wird deutlich: diese Initiativen
und Maßnahmen im Rahmen der CSR orientieren sich letzten Endes an den
Interessen der Unternehmen. Sie sind allein vom Unternehmen und seinen
Bedürfnissen ausgedacht. Die Perspektive der betroffenen Arbeiterinnen
und Arbeiter wird nicht berücksichtigt. Ihre Interessen an Standards,
auf die sie sich berufen können und die sie einfordern können, werden
völlig übergangen.
Das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG):
Innovatives juristisches Vorgehen gegen unwürdige Arbeitsbedingungen
Angesichts der wenigen juristischen Instrumente, mit denen in Europa
gegen Unternehmen wegen der Verletzung von Menschenrechten vorgegangen
werden kann, ist es aus Sicht des ECCHR notwendig, auch neue Rechtswege
zu nutzen. Um diese ausschöpfen zu können, stellt das ECCHR
umfangreiche Recherchen an und konsultiert juristische Experten zu den
verschiedenen Rechtsgebieten.
Auch wenn der gesetzliche Verbraucherschutz nach dem Gesetz über den
unlauteren Wettbewerb (UWG) primär dem lauteren Wettbewerb und dem
Verbraucherschutz dienen soll, bietet es doch eine Möglichkeit, die
Verletzung arbeitsrechtlicher Mindeststandards vor Gericht zu bringen.
Das UWG erlaubt – ähnlich wie in anderen EU-Ländern –
Verbraucherverbänden gegen Werbemaßnahmen vorzugehen, die den
Verbraucher durch Irreführung zum Kauf verleiten. Dabei sind all jene
Angaben zu prüfen, die für die Kaufentscheidung erheblich sind. Für den
sozial bewussten Verbraucher ist entscheidend, ob die Waren, die er
kaufen möchte, unter Verstoß gegen absolute Mindeststandards produziert
wurden. Dabei muss der Verkäufer zwar nicht die Einhaltung dieser
Standards durch Dritte, die Lieferanten, garantieren. Entscheidend ist
aber, dass er diesbezüglich keine irreführenden Angaben macht. Der
Verbraucher darf erwarten, dass der Discounter Lidl, wenn er die
Einhaltung der Arbeitsnormen nicht sicherstellen kann, darauf hinweist
und jedenfalls nicht den fälschlichen Eindruck erweckt, er habe sie
sichergestellt oder könne sie sicherstellen.
Vordergründig ist die Klage nach UWG darauf gerichtet, die
irreführenden Werbemaßnahmen zu unterlassen. Es wäre allerdings
zynisch, würde sich ein Unternehmen, das sich seiner sozialen
Verantwortung rühmt, damit begnügen, diese nicht länger zu versprechen.
Überzeugen wird ein Unternehmen seine Kunden nur dann, wenn es zeigt,
dass unter sozialer Verantwortung einen ehrlichen und transparenten
Umgang mit der Situation versteht; wo Trainings und Audits sich als
unwirksam erweisen, müssen konkrete Verbesserungen a ngestrebt werden,
die den Näherinnen direkt zugutekommen.
Dieser Weg über die Gerichte leistet einen Beitrag im Kampf um
menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben europäischer
Unternehmen. Mit solchen Gerichtsverfahren kann deutlich gemacht
werden, dass die Verletzung elementarer Arbeitsrechte, nicht allein
eine Frage freiwilliger unternehmerischer Verantwortung ist. Wenn
Unternehmen die Einhaltung von Arbeitsrechten in Kodizes zusichern,
schaffen sie mit diesen Selbstverpflichtungen auch rechtlich
verbindliche Pflichten.
Wie kann die Rechtslage für die betroffenen Arbeiterinnen verbessert werden?
Für die von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen betroffenen
Arbeiterinnen und Arbeitern gibt es vor deutschen Gerichten keinen
Rechtsweg, ihre Ansprüche auf Entschädigung und Verbesserung der
Arbeitsbedingungen direkt durchzusetzen. In Zeiten globaler
Wirtschaftstrukturen ist es ein Skandal, dass Unternehmen zwar global
agieren können, betroffene Arbeiter und Arbeiterinnen aber keine
Möglichkeit haben, rechtlich ihre Interessen gegen ein Unternehmen in
seinem Heimatstaat geltend zu machen.
Aus Sicht des ECCHR muss der europäische wie auch der deutsche
Gesetzgeber diesem Mangel an Rechtschutz Abhilfe schaffen. Es müssen
adäquate Anspruchsgrundlagen geschaffen werden, die es ermöglichen,
erlittene Schäden beim europäischen Unternehmen geltend zu machen.
Zudem müssen prozessuale Voraussetzungen geschaffen werden, die
überhaupt gangbare Rechtswege eröffnen.
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 Aktionsworkshop
»Jeans unter Beschuss«
von Freitag, 04. Juni 2010, 17 Uhr
bis Samstag, 05. Juni 2010, 18 Uhr
Seddiner See bei Potsdam
Einige unserer schicken Jeans im Used-Look werden unter extrem gesundheitsgefährdenden Bedingungen veredelt. Das sogenannte Sandblasting
schädigt vor allem die Lungen der ArbeiterInnen, die nicht ausreichend
gegen den gefährlichen Staub geschützt sind. Auf dem Workshop wollen
wir uns über verschiedene Aktionsformen austauschen, mehr über das Thema Sandblasting erfahren und eine kreative Aktion planen.
Mehr Informationen und
Anmeldung bis 17. Mai
bei Julia Thimm: thimm@inkota.de.
Tagungsort:
Heimvolkshochschule am Seddiner See
Seeweg 2
14554 Seddiner See bei Potsdam
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VENRO: Entwicklungspolitik muss eigenständig bleiben
PRESSEMELDUNG
6/2010
NRO fordern Einhaltung des Lissabon-Vertrages
Entwicklungspolitik muss eigenständig bleiben
Bonn, 26. April 2010 – Die europäische Entwicklungspolitik muss ein
eigenständiges Politikfeld bleiben und darf nicht von außen- und
sicherheitspolitischen Interessen dominiert werden. Dies fordert der
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
(VENRO) von den EU-Außenministern, die heute in Luxemburg über den
Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) beraten.
„Der Lissabon-Vertrag verlangt, dass entwicklungspolitische
Strategien sich auf die Armutsbekämpfung ausrichten. Sie dürfen sich
nicht an kurzfristigen außenpolitischen Interessen orientieren“, so
VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post. „Wenn dieses Prinzip nicht
eingehalten wird, dann ist das ein klarer Vertragsbruch.“
VENRO fordert zudem, dass die politische Steuerung und Durchführung
von entwicklungspolitischen Strategien in einer Hand liegen soll.
„Hierfür muss der Kommissar für Entwicklungspolitik mit den notwendigen
Kompetenzen ausgestattet werden“, fordert Post. Die politischen
Richtlinien des EAD müssten ausdrücklich Bezug auf das Kohärenzgebot
nehmen.
Der Lissabon-Vertrag erfordert auch von anderen Politikfeldern, dass
sie sich kohärent zu entwicklungspolitischen Zielen verhalten. „Dies
ist eine große Chance für eine wirksamere Entwicklungspolitik – aber
nur, wenn sich alle daran halten“, sagt Post.
Mit Unverständnis reagiert der Verband zudem auf die „Politik der
verschlossenen Türen“ beim Aufbau des EAD. So wurde die Öffentlichkeit
über den Stand der Verhandlungen kaum informiert.
Auch dies entspricht nicht dem Geist des Lissabonner Vertrags. Er fordert mehr Transparenz und
zivilgesellschaftliche Beteiligung.
Der Lissabon-Vertrag, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat, sieht
für die Europäische Union einen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD)
vor, einen diplomatischen Dienst mit der Zielsetzung, eine echte
europäische Außenpolitik zu entwickeln.
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FIAN: Deutsche EZ tut nichts gegen Landraub
Freitag, den 16. April 2010
fian_landpolitik_150Köln (epo.de). – In Kambodscha wurden in den
letzten Jahren rund drei Millionen Hektar Land an nationale Eliten und
Investoren verteilt. Landkonflikte und Vertreibungen seien Alltag, im
Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) würden
Menschenrechte bei Landfragen aber ausgeblendet, kritisierte die
Menschenrechtsorganisation FIAN am Freitag in Köln. FIAN hat eine
aktuelle Studie zu dieser Problematik erstellt.
Der großflächige Ausverkauf von Land in Entwicklungsländern, auch
“Land Grabbing” genannt, ist mit Menschenrechten, insbesondere dem Recht
auf Nahrung, unvereinbar. Auf internationaler Ebene habe sich auch die
Bundesregierung immer wieder gegen die negativen Folgen dieser
Entwicklung positioniert, so FIAN. In der konkreten Länder- und
Projektarbeit spiegele sich dies jedoch nicht wider. Die Studie von
Roman Herre, Agrarreferent von FIAN, offenbare, dass die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit Menschenrechte bei Landfragen ausblendet.
“Das Entwicklungshilfeministerium muss endlich den Menschenrechtsansatz,
insbesondere das Recht auf Nahrung, auch auf Projektebene umsetzen”,
sagte Herre. “Dass die Landpolitik ein schwarzes Loch in Sachen
Menschenrechte bleibt, ist nicht hinnehmbar.”
Ein trauriges Beispiel ist FIAN zufolge Kambodscha. Hier könne die
Bundesregierung, die sich seit vielen Jahren im Landsektor engagiere,
dem Ausverkauf von Land und damit der Verteibung von Bauern- und
Fischerfamilien akiv entgegentreten. “Kambodscha ist einer der ‘Hot
Spots’ des weltweiten Land Grabbing. Der Schutz von Menschen, die Gefahr
laufen vertrieben zu werden, wird in der aktuellen Landpolitik aber
aktiv ausgeklammert”, kritisierte Roman Herre, der gerade vor Ort
Vertreibungen dokumentierte.
Die deutsche Durchführungsorganisation GTZ unterstütze die Vergabe
von Landtiteln vor Ort, erklärte FIAN. Hätten Investoren und Eliten ein
Auge auf ein Stück Land geworfen, werde es jedoch von der Vergabe
ausgeklammert. “Dort wo solche Titel gebraucht würden, werden sie nicht
vergeben. Bei drohender Vertreibung dreht sich die GTZ weg. Damit muss
der Nutzen der Titelvergabe grundsätzlich in Frage gestellt werden”,
sagte Roman Herre.
FIAN sieht die “große Gefahr, dass sich die Bundesregierung mit
dieser Politik unfreiwillig zum Gehilfen von Landraub und Vertreibung in
Kambodscha machen lässt”. Auch Menschenrechtsorganisationen vor Ort
richteten den Vorwurf an die Geberorganisationen, durch ihre
Stillhaltetaktik den Ausverkauf des Landes zu legitimieren. “Die
deutsche Politik muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten diesem Ausverkauf
aktiv und konsequent entgegentreten. Nur so wird sie ihrem eigenen
Mandat, der Hunger- und Armutsbekämpfung, gerecht”, betonte Herre.
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Gender in der Entwicklungszusammenarbeit
Frauen in den Entwicklungsländern sind am meisten
von Armut betroffen. Fast 70 Prozent der ärmsten Menschen sind
weiblich. Die meisten Frauen arbeiten im Niedriglohn- oder informellen
Sektor. Zudem werden sie beim Zugang zu Wasser, technischen Know-How
und Krediten oft diskriminiert und können ihre Rechte häufig nicht
einfordern. Doch ohne Geschlechtergerechtigkeit kann die weltweite
Armut nicht bekämpft noch soziale Gerechtigkeit erreicht werden.
Das neuaufgelegte Gender-Handbuch "Gewusst wie
- Gender in der Entwicklungszusammenarbeit" von VENRO stellt
Gender-Konzepte in der Entwicklungszusammenarbeit vor und
zeigt erfolgreiche Praxisbeispiele zivilgesellschaftlicher
Organisationen.
Das Handbuch gibt es hier---------------------------------------------------------------------------------Zehn VENRO-Vorschläge für eine bessere Entwicklungspolitik
1. Bekämpfung von Hunger und Armut:
Die zentralen politischen Herausforderungen Die Zahl der Hungernden
in der Welt ist auf über eine Milliarde Menschen angestiegen. In Folge
der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise droht 89 Millionen Menschen
zusätzlich die absolute Armut. Weltweit mobilisierten die Regierungen
in den letzten Monaten zehnmal mehr Mittel zur Rettung systemrelevanter
Banken und Unternehmen als für die gesamte Entwicklungshilfe. Aber
gerade die Überwindung von Hunger und Armut ist systemrelevant, weil
eine dauerhafte Trennung von arm und reich im Weltmaßstab weder
moralisch noch wirtschaftlich noch politisch aufrechtzuerhalten ist.
Deshalb muss die Armutsbekämpfung stärker in den Mittelpunkt nicht nur
der Entwicklungspolitik, sondern des gesamten politischen Handelns der
Bundesregierung gerückt werden.
2. Eigenständige Entwicklungszusammenarbeit stärken
Die Existenz eines Ministeriums, das die Armutsbekämpfung und die
gerechte Gestaltung der Globalisierung als Kernaufgabe verfolgt, ist
eine Grundvoraussetzung für einen höheren Stellenwert der
Entwicklungspolitik. Das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) muss gestärkt werden und die
Koordination aller entwicklungsrelevanter Aktivitäten der
Bundesregierung übernehmen. Die Außen-, Wirtschafts-, Handels-,
Landwirtschafts- und Umweltpolitik müssen kohärent
entwicklungsförderlich ausgerichtet werden.
3. Qualität der Entwicklungszusammenarbeit erhöhen
Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) hat viel erreicht, aber sie kann
noch besser werden. Die Qualität, die Effizienz und die Wirksamkeit der
deutschen EZ können durch eine verbesserte Kooperation sowohl der
deutschen EZ-Organisationen als auch der anderen bi- und multilateralen
Geber, durch eine stärkere Ausrichtung der EZ an den Schwerpunkten der
Partnerländer und eine verstärkte Partizipation der Menschen vor Ort
erhöht werden. Die Reform der EZ-Durchführungsorganisationen muss
vorangebracht werden, um Synergien, Wirksamkeit und Effizienz der
Entwicklungspolitik zu verbessern.
4. Finanzierungszusagen einhalten
Eine qualitativ bessere Entwicklungszusammenarbeit setzt eine
angemessene Mittelausstattung voraus. Die Folgen der Krise für die
Menschen in den ärmeren Entwicklungsländern müssen auch durch erhöhten
Mitteleinsatz gemildert werden.
Notwendig ist die Einhaltung der Zusage des EU-Stufenplans, im Jahr
2010 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommen (BNE) für
Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen und diesen Anteil
bis zum Jahr 2015 auf 0,7 Prozent zu erhöhen.
5. Mehr Einsatz für die Millenniumsziele
Die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG), auf die sich
die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 verständigt hat, ist aufs
Höchste gefährdet. Im Zuge der Krise werden Erfolge bei der Bekämpfung
von Armut und Hunger zunichte gemacht. Deshalb sollte die
Bundesregierung im Jahr 2010 einen deutschen „MDG–Aktionsplan“
erarbeiten und verabschieden, der ressortübergreifend festlegt, welche
Initiativen Deutschland – national wie international – in den
verbleibenden fünf Jahren bis zur Frist der MDGErreichung
ergreifen will.
6. Klare Schwerpunkte setzen
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Entwicklungspolitik müssen in den
Sektoren liegen, die die drängendsten Probleme der Menschen in unseren
Partnerländern betreffen. Deutlich mehr als bisher ist in die ländliche
Entwicklung und die Sicherung der Welternährung zu investieren. Der
Aufbau leistungsfähiger Bildungssysteme und eine Stärkung des
Gesundheitswesens müssen ebenso eine hohe Priorität haben, wie der
Ausbau der zivilen Krisenprävention und die Förderung von Demokratie
und Menschenrechten.
7. Klimawandel eindämmen
Die ärmeren Entwicklungsländer, die am wenigsten für den globalen
Klimawandel verantwortlich sind, sind am härtesten von dessen Folgen
betroffen. Deshalb müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden,
um die Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Folgen des
Klimawandels ebenso zu unterstützen, wie bei der Nutzung von
erneuerbaren Energien und der Einführung umweltschonender Technologien.
Die Unterstützungen für die Anpassung an den Klimawandel müssen
zusätzlich zu den Entwicklungshilfeleistungen erbracht werden.
8. Finanztransaktionssteuer einführen
Für die Regulierung von Finanzmärkten und die Verhinderung von
spekulativen Kapitaltransfers ist die Einführung einer
Finanztransaktionssteuer notwendig. Aus deren Erlösen können Maßnahmen
zur weltweiten Armutsbekämpfung und der Anpassung an den Klimawandel
finanziert werden. Um die finanziellen Ressourcen der
Entwicklungsländer zu erhöhen, muss sich die Bundesregierung für
wirksame Schritte zur Verhinderung von Steuer- und Kapitalflucht sowie
die sofortige Schließung von Steueroasen einsetzen.
9. Unfaire Handelspraktiken einstellen
Die Verluste, die die Entwicklungsländer durch unfaire
Handelspraktiken jährlich erleiden, übersteigen die weltweite
Entwicklungshilfe um ein Vielfaches. Deshalb muss sich die
Bundesregierung auf allen Ebenen für gerechte Welthandelsregeln
einsetzen, die eine armutsorientierte Handels- und Wirtschaftspolitik
unterstützen und nicht verhindern. Ein wichtiger Schritt dabei ist die
sofortige und dauerhafte Abschaffung aller EUAgrarexportsubventionen.
10. Arbeit der Nichtregierungsorganisationen (NRO) stärken
Zivilgesellschaftliche Organisationen im Norden wie im Süden leisten
wichtige Beiträge bei der Armutsbekämpfung und der Förderung von
Demokratie und Menschenrechten. Diese Arbeit sollte nicht nur
finanziell stärker, sondern auch administrativ weniger aufwendig
gefördert werden, zum Beispiel durch Programmförderung oder
Globalzuschüsse. Um den Informationsstand und die Akzeptanz von
Entwicklungspolitik in der Öffentlichkeit zu erhöhen, müssen für die
entwicklungspolitische Inlands- und Bildungsarbeit mehr Mittel
bereitgestellt werden.
VENRO e. V. ist der Verband Entwicklungspolitik deutscher
Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 120 deutsche NRO
an, die in der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit,
der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-,
Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
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